Burg im Leimental gehörte bis 1994 zu Bern. Nach dem Kantonswechsel des Laufentals fiel auch die Minigemeinde zum Kanton Baselland. Viele Burgtalerinnen und Burgtaler können sich offenbar mit dem Gedanken anfreunden, dass das Kantonskürzel auf dem Nummernschild abermals wechselt: von BL zu SO.

Grund für die Wechselgelüste sind Finanzprobleme der Gemeinde. Burg liegt an der Grenze zu Frankreich, stösst nur im Süden ans Baselbiet. Enge Bande geknüpft hat der 270-Einwohner-Ort mit den Nachbarn im Solothurnischen Leimental, vor allem mit Metzerlen-Mariastein. Da wäre es naheliegend, sich gleich ganz zusammenzuschliessen – wenn da bloss diese Kantonsgrenze nicht wär’.

Von diesem Hindernis will sich der Burgtaler Gemeinderat jedoch nicht so leicht abschrecken lassen. Sein Plan: Sämtliche Optionen ausdiskutieren, wie es mit dem Dorf weitergehen soll. Denkbar ist alles – von lockeren Kooperationen, über die Zusammenlegung der Verwaltung bis hin zu Fusionen samt Kantonswechsel.

Ein erster Schritt ist bereits vollzogen. An der jüngsten Gemeindeversammlung vom Dienstagabend hat der Souverän 20 000 Franken gut geheissen für eine Tagung zur Zukunft von Burg. Die Veranstaltung soll 2019 stattfinden. Ort und Datum stehen noch nicht fest.

Schüler gehen jetzt schon fremd

«Wir haben als kleine Gemeinde zunehmend Mühe, die ständig komplexer und aufwendiger werdenden Aufgaben zu erfüllen», sagt Gemeindepräsident Dieter Merz (parteilos). «Als Gemeinderat sehen wir es als unsere Aufgabe an, den Fächer zu öffnen und uns nach Alternativen umzuschauen.»

Finanziell ist das malerisch gelegene Burg nicht auf Rosen gebettet. Im Budget 2019 klafft ein Verlust von 150 000 Franken. Namhafte Firmen gibt es keine im Dorf. So gehört Burg zu den Empfängern im kantonalen Baselbieter Finanzausgleich. Heuer flossen 218 000 Franken in den hintersten Zipfel des Leimentals.

Mit Kooperationen hat Burg gute Erfahrungen gesammelt. So gehen die Kindergärtner und Primarschüler in Metzerlen zur Schule. Die beiden Gemeinden legten per 2018 ihre Feuerwehren zusammen, gemeinsam mit Rodersdorf.

«Die Idee für eine Fusion geisterte schon paar Mal herum. Aber bisher waren das eher Stammtischgespräche», sagt Silvio Haberthür. Laut dem Gemeindeammann von Metzerlen war ein Zusammengehen mit den Nachbarn im Gemeinderat noch nie Thema. «Rein geografisch und von den Einwohnerzahlen her könnte ein Zusammenschluss durchaus Sinn ergeben. Aber da ist eben die Hürde der Kantonsgrenze. Ein Wechsel wäre sozusagen ein nationaler Kraftakt, und die Emotionen, die derartige Pläne auslösen, darf man sicherlich nicht ausser Acht lassen.»

Kantonswechsel von Einzelgemeinden sind rar. Einer der jüngsten Anläufe betraf ebenfalls den Kanton Solothurn, jedoch in die andere Richtung: Eppenberg-Wöschnau wollte sich 2004 Aarau anschliessen. Der Solothurner Regierungsrat machte rasch klar, dass er die Fahnenflucht nicht gutheisst. Er befürchtete einen Dominoeffekt. Zu Verhandlungen zwischen den beiden Kantonen kam es nie. Notwendig gewesen wären danach zusätzlich je eine Volksabstimmung in beiden Kantonen sowie das OK des Bundesparlaments.

Eine Eidgenössische Volksabstimmung hingegen bräuchte es für Kantonswechsel von Gemeinden nicht mehr zwingend. Das obligatorische Referendum von 1996, als das Dörfchen Vellerat von Bern zu Jura wechselte, war das letzte.

Tipps von einem alten Paar

Erfahrung mit Fusionieren hat Biel-Benken. Die beiden Dörfer fanden 1972 zusammen. Gemeindepräsident Peter Burch ist dem Burgtaler Gemeinderat bereits Rede und Antwort gestanden. Burch sagt, etwas vom Wichtigsten sei, von Anfang an und bei allen Zwischenschritten stets die Legitimation der Bevölkerung einzuholen: «Bei den Einwohnern braucht es einen Konsens, eine grundsätzliche Offenheit und Bereitschaft. Sonst heisst es rasch, man handle nicht im Interesse des Dorfes, man sei ein Landesverräter.»