Füllinsdorf

Gemeinde will die Schule neu aufstellen – trotz Widerstands vieler Eltern

Schulhaus Schönthal in Füllinsdorf.

Schulhaus Schönthal in Füllinsdorf.

Kommenden Donnerstag dürften in Füllinsdorf die Emotionen hoch gehen. Die Gemeindeversammlung debattiert über die Neuorganisation der Schule im Dorf. Der Verein IG für starke Quartierschulen in Füllinsdorf wehrt sich gegen diese.

Gemeinderat, Ortsschulrat und Schulleitung möchten im Dorfschulhaus, mitten in der Gemeinde, die Schülerinnen und Schüler bis zur 2. Klasse unterbringen. Im Schulhaus Schönthal, in der Ebene nahe Frenkendorf, sollen jene bis zur 6. Klasse zur Schule gehen.

Der Verein IG für starke Quartierschulen in Füllinsdorf wehrt sich dagegen mit einer Petition an den Gemeinderat. Fünf Punkte empfindet der Verein als störend. Er befürchtet bis zu 40 Minuten mehr täglicher Schulweg, zusätzliches Verkehrsaufkommen sowie Verlust der Wohnqualität wegen Elterntaxis, Mehrkosten für Infrastruktur und Betreuung, Verlust von Sozialkompetenz der Kinder wegen weniger Durchmischung der Altersklassen sowie eine Verringerung der Füllinsdörfer Standortqualität. Die Gemeinde begründet ihr Vorgehen mit der Umsetzung von Harmos, des Lehrplans 21 und einer Aufwertung der Schulqualität.

Grosser Andrang erwartet

Hauptanliegen bezüglich der Länge des Schulwegs sei die Sicherheit, sagt Sandra Makivic, Präsidentin des Vereins IG für starke Quartierschulen. «Die Gefahren nehmen zu, wenn mehr Strassen überquert werden müssen», erklärt sie ihr Anliegen, «vor allem Kinder bis zum sechsten Lebensjahr bemerken Gefahren erst, wenn sie bereits akut gefährdet sind.» Eva Balogh, Präsidentin des Ortsschulrats, hält die sich neu ergebenden Schulwege inklusive Zeitaufwand für zumutbar.

«Der Kindergarten findet maximal zweimal pro Woche nachmittags statt», sagt Balogh. «Es gibt viele Wege abseits der grossen Strassen und auch Ampeln, die Gefahren minimieren.» Das Problem der Elterntaxis sei bereits heute in einem Ausmass vorhanden, dass sie kaum mit einer merklichen Zunahme rechne. Weiter bezweifle sie, die Sozialkompetenz der Kinder werde darunter leiden.

«Mehrkosten entstehen beispielsweise durch den Mittagstisch oder den zusätzlich geplanten Schulbus», sagt Sandra Makivic. Der Bus würde ab 2015 – wenn die Neuerungen eintreten – mit geschätzten 20 000 Franken zu Buche schlagen. Dennoch sieht Gemeinderätin Karin Thommen keine Mehrkosten auf die Gemeinde zukommen. «Stufenspezifische Anschaffungen müssen zukünftig nicht mehr an zwei Standorten vorgenommen werden», nennt sie ein Argument, das sich auf Material, aber auch Räumlichkeiten bezieht.

Während Eva Balogh («positives Echo») und Karin Thommen («Eltern haben die Neuorganisation als längst fällig und die richtige Lösung bezeichnet») überwiegend gute Rückmeldungen erhalten haben, sieht sich Sandra Makivic ebenso bestätigt. «Von 350 gesammelten Unterschriften stammt die Hälfte von Eltern aus dem unteren Dorfteil und der Ebene.» Die grosse Mehrheit der Unterzeichnenden stammt nicht aus dem Tal, wo die meisten in Hochhäusern leben und der Anteil an Migranten um einiges höher ist. «Die IG wird auch von Personen unterstützt, welche sich gegen eine vermehrte Durchmischung der Klassen wenden», sagt Karin Thommen, «weil sie der Meinung sind, Kinder mit Migrationshintergrund erhalten dadurch verbesserte Lernbedingungen, während Schweizer Kinder eine Niveaunivellierung nach unten erfahren würden.» Makivic räumt ein, dass durchaus ein paar Unterschriften darauf zurückgehen könnten, jedoch nicht der Löwenanteil.

Ob der Verein das Referendum ergreifen werde, sollte sich die Gemeindeversammlung gegen sein Anliegen aussprechen, lässt Sandra Makivic offen. Gerechnet wird auf jeden Fall mit einem Andrang der Stimmbürger. Deshalb werden in der Turnhalle Dorf neben 100 Sitzplätzen auch Stehplätze bereitgehalten.

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