«Wir sind froh, aber auch frustriert.» Das sagen Investor Rolf Schäfer, Architekt Toni Widler und der Arisdörfer Gemeindepräsident Alex Kämpfen unisono. Froh sind sie, dass die Baubewilligung für das geplante Wohn- und Geschäftshaus mitten in Arisdorf seit Kurzem vorliegt und in den nächsten Tagen mit dem Bau begonnen werden kann. Denn das 4,5 Millionen Franken teure Projekt hat für die 1700-Seelen-Gemeinde einen sehr hohen Stellenwert. Kämpfen sagt es so: «Dank dem Bau erhalten wir wieder einen Laden und ein Zentrum im Dorf.»

In den Neubau, der anstelle des ehemaligen Milchhüslis und des Notschlachtlokals zu stehen kommt und im Juni 2015 eingeweiht werden soll, kommen weiter ein Café, wahrscheinlich eine Arztpraxis sowie sechs Wohnungen mit zweieinhalb bis viereinhalb Zimmern. Letztere können auch als Alterswohnungen genutzt werden, etwas, das es in Arisdorf bis jetzt nicht gibt.

Investor Rolf Schäfer, der auch in Arisdorf wohnt, wollte ursprünglich bei der Autobahnausfahrt ein Hotel und eine Tankstelle bauen, liess sich dann aber von Kämpfen fürs jetzige Projekt motivieren. Er sagt: «Ich war sehr positiv gestimmt, als die Gemeindeversammlung 2012 einstimmig der notwendigen Verlegung des Notschlachtlokals zustimmte.» Doch die Euphorie ist mittlerweile gewichen, womit wir beim Frust wären. Schäfer konstatiert: «In der Zentralschweiz, wo ich auch mehrere Investitionen getätigt habe, habe ich das Gefühl, die Ämter sind fürs Volk da. Bei uns ist es genau umgekehrt.»

Das setzte Schäfer derart zu, dass er im letzten Frühsommer sogar erwog, das Projekt zu beerdigen. Und Toni Widler fügt bei: «So etwas wie in Arisdorf habe ich während meiner 30-jährigen Tätigkeit als Architekt noch nie erlebt.» Damit spielen die beiden vor allem auf die kantonale Denkmal- und Heimatschutzkommission (DHK) an, die mit ihren Einwänden das Projekt lange verzögert habe. Schäfer bilanziert: «Wir erstellen jetzt fast den gleichen Bau, für den wir im September 2012 die Eingabe gemacht haben. Es war ein Jahr für die Füchse.» Die einzigen Änderungen gegenüber dem ursprünglichen Projekt seien der um 15 Zentimeter tiefere Giebel und die Verschiebung des Wintergartens auf der Rückseite des Gebäudes, ergänzt Widler.

Denkmalschutz bedauert

Im letzten Mai platzte Rolf Schäfer dann der Kragen. Er veröffentlichte in der bz einen geharnischten offenen Brief an Baudirektorin Sabine Pegoraro, worauf Schwung in die Angelegenheit kam: Eine Woche später gab es einen zuvor vergeblich geforderten öffentlichen Augenschein mit Chefbeamten und der Denkmalpflege, im Juli zog dann die DHK ihre Einwände zurück. Dies mit grossem Bedauern, dass ein Projekt umgesetzt wird, «das der geforderten Qualität an diesem Standort im Zentrum eines Ortsbildes von nationaler Bedeutung nicht entspricht». Offensichtlich aber fehlte der DHK in ihrer Einschätzung die Rückendeckung durch die entscheidenden Stellen im Kanton. Der Frust sitzt auch bei ihr tief.