Pratteln

Gemeindepräsident zur bösen Überraschung in Salina Raurica: «Lieber jetzt Massnahmen treffen als nie»

Hier, zwischen der A2 und der ARA Rhein (hinter den Bäumen), wird künftig die Rheinstrasse durchführen.

Hier, zwischen der A2 und der ARA Rhein (hinter den Bäumen), wird künftig die Rheinstrasse durchführen.

Bei den Vorarbeiten für die Verlegung der Rheinstrasse taucht im Erdreich ein Fass mit unbekanntem Inhalt auf.

In den kommenden Tagen hätten die Bauarbeiten für die Verlegung der Prattler Rheinstrasse vom Rhein hin zur Autobahn losgehen sollen – hätte die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) nicht einen Fund gemacht. Sie stiess nämlich im Erdreich auf ein Fass. Es war leck und etwa zu einem Achtel gefüllt mit einer unbekannten Substanz. Gemäss ersten Untersuchungen ist die Erde rund um das Fass mit Kohlenwasserstoffen und Schwermetallen belastet. Diese sind aber wenig mobil, sodass laut BUD «eine Verunreinigung des Grundwassers unwahrscheinlich scheint».

Das ist von Bedeutung, weil in der Gegend zwei Pumpwerke für die Trinkwasseraufbereitung der Gemeinde Pratteln sind. «Aufgrund der industriellen Geschichte des Gebietes ist der Fund dieses Fasses nicht überraschend», schreibt die BUD. Und doch entdeckte sie das Fass erst jetzt. «Es wurde am Rand, aber ausserhalb einer Altlastenverdachtsfläche gefunden», teilt die BUD auf Anfrage mit. «Deshalb wurde dieses Areal vorgängig nicht speziell untersucht.»

Anzeichen für Verschmutzungen in diesem Gebiet gab es schon länger. So hatte der Kanton in seinem GeoView-Kataster bereits 2012 unter der Autobahnschlaufe und an einer anderen Stelle eine Gefährdung des Grundwassers entdeckt, und das in der Grundwasserschutzzone. Als «Ablagerungsstandort, belastet, untersuchungsbedürftig» definierte er sie. Eine Fläche befindet sich wenige Meter östlich des Fundorts des Fasses. «Eine Belastung des Grundwassers ausgehend von diesen beiden Standorten konnte in den letzten Jahren nicht festgestellt werden», schreibt die BUD.

Auf diese gefährdeten Flächen macht jetzt der Einwohnerrat Fabian Thomi (SP) in einem Fragenkatalog an den Gemeinderat aufmerksam. Der «Zufallsfund» bestärkt seine Befürchtung, beim Bau der Strasse und bei weiteren Bauvorhaben könnten weitere Altlasten zum Vorschein kommen. Seine Forderung daher: «Der Kanton sollte prophylaktisch den Boden in Salina Raurica untersuchen lassen.»

Kanton trifft vorsorgliche Massnahmen

Gelassener sieht das der Prattler Gemeindepräsident Stephan Burgunder (FDP). Er meint, schon länger sei bekannt, dass der autobahnnahe Bereich beim Bau der Autobahn schweizweit als Ablagerungsstandort genutzt wurde. Für ihn ist es positiv, dass entlang der Autobahn eine neue Strasse erstellt wird. «Ich gehe davon aus, dass man so alles findet, was den Standort belasten könnte. Lieber jetzt die Verschmutzung entdecken und Massnahmen treffen als nie.» Er vertraut dem Kanton, dass dieser die nötigen Massnahmen treffen werde. Die BUD habe sofort die notwendigen Sicherungsmassnahmen eingeleitet. «Sie hat intensive Kontrollen durchgeführt, im Grundwasser konnten keine Belastungen festgestellt werden.» Und das Trinkwasser werde seit Jahren kontrolliert, nie habe es beanstandet werden müssen.

Am Montag stellte die BUD die Pumpwerke Löli und Remeli sofort nach der Entdeckung des Fasses ab. Nach Abklärungen des Amtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen habe man sie wieder in Betrieb genommen, schreibt die BUD. Und weiter: «Die Trinkwasserversorgung der Gemeinde Pratteln ist gewährleistet.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1