Rünenberg

Gemeinderat bringt am General-Sutter-Denkmal Tafeln an – Historikerin freut sich, Juso jedoch nicht

Der Stein des Anstosses hat Sonnen- sowie Schattenseiten.

Der Stein des Anstosses hat Sonnen- sowie Schattenseiten.

Das General-Sutter-Denkmal in Rünenberg sorgt zurzeit für Zoff: Die Gemeinde hat sich entschieden, den Gedenkstein auch mit den Schattenseiten Sutters zu versehen. Eine Alibi-Tafel, findet die Juso.

Seit seiner Errichtung vor 67 Jahren gab es wohl noch nie so viel Wirbel um das General-Sutter-Denkmal in Rünenberg wie dieser Tage: Erst wurde es von den Baselbieter Juso mit einem blutverschmierten Tuch verhüllt, dazu stellten sie ein Plakat mit der Aufschrift «Keine Denkmale für Sklav*innenhalter». Seither verstummte die Debatte rund um die Black-Lives-Matter-Bewegung kaum mehr.

Juso will Denkmal für Sutters Opfer

Nun hat sich der Rünenberger Gemeinderat entschieden, den Gedenkstein mit zwei Plaketten zu ergänzen: Auf der Sonnenseite des Denkmals sollen seine Errungenschaften aufgeführt werden, auf der Schattenseite die negativen Aspekte. Doch für die Juso ist das nicht genug: Sie wollen mehr als ein «Alibi-Täfelchen», wie sie den Entscheid des Gemeinderats in einer Medienmitteilung nennen. Man halte weiter an einer Umwidmung fest und fordere ein Denkmal «in Erinnerung an die Menschen, die den Reichtum von Sutter mit ihrer Freiheit und ihrem Leben bezahlt haben».

Konkret: «Wir fordern, dass jegliche Form der Würdigung Sutters entfernt wird», sagt Anna Holm, Präsidentin der Baselbieter Juso, auf Anfrage. Dies gelte sowohl für das bereits bestehende metallene Antlitz Sutters als auch die geplante Tafel seiner Errungenschaften. Stattdessen soll den Opfern gedacht und die Geschichte rund um General Sutter aufgearbeitet werden.

Anders sieht das Rachel Huber. Die aus Frenkendorf stammende Historikerin hat sich in ihrer Forschung mit Johann August Sutter auseinandergesetzt und bezeichnet seine Art des Sklavenhandels als «brutal» und «skrupellos». Über den Entscheid des Gemeinderats, das Denkmal mit den Sonnen- und Schattenseiten des Generals zu ergänzen, scheint Huber am Telefon positiv überrascht. «Das finde ich eine gute Entscheidung», meint sie. Wichtig sei ihr, dass die Gemeinde dabei mit Historikern zusammenarbeite, die sich auf solche kritischen Kontextualisierungen spezialisiert hätten und die Tafeln den aktuellen Forschungsstand wiedergeben würden. «Dann kann man solche Denkmäler ergänzen, verzerren, sie hinlegen oder sie auf den Kopf stellen.» Dies dürfe, wenn kreative Ideen da seien, auch auf radikale Art und Weise geschehen. «Aber sie zu entfernen, wäre nicht zielführend.» Denn damit würde geschehen, was in Rünenberg bisher mit den Versklavten gemacht wurde: «Man macht einen Teil der Geschichte unsichtbar», so Huber. «Und auch Sutters Geschichte ist Geschichte.»

Mit den Tafeln jedoch werde der historischen Quelle eine weitere Schicht hinzugefügt, die Geschichtsschreibung bleibe dadurch dynamisch. Der Gedenkstein zeige somit einen Teil der Geschichte der 1950er-Jahre auf, in denen es der Gemeinde wichtig gewesen sei, Sutter zu ehren. Die Entwicklung der vergangenen Monate ist bald durch die Tafeln ersichtlich. «Und in 50 Jahren kommt vielleicht wieder eine neue Generation, die neue Forderungen hat», sagt Huber. Vom Rünenberger Gemeinderat war gestern keine Stellungnahme erhältlich. Eine Antwort wird jedoch in Aussicht gestellt.

Zwei Vorstösse sind noch hängig

Der Diskurs um Sutter schlägt derweil Wellen bis in den Baselbieter Landrat und den Liestaler Stadtrat. Im Landrat ist ein Postulat von Jan Kirchmayr (SP) hängig, in der er aufgrund der Sutter-Diskussion eine historische Aufarbeitung fordert: «Der Regierungsrat wird beauftragt, eine Kommission, bestehend aus Historikerinnen und Historikern, einzusetzen, die die koloniale Vergangenheit von Baselbieter Persönlichkeiten und deren mentale Kontinuitäten aufarbeitet und Vorschläge für entsprechende Massnahmen vorbringt», heisst es im Vorstoss.

In Liestal ist mit Joël Bühler ebenfalls die SP für ein Postulat verantwortlich: Er fordert den Stadtrat auf, die Beziehungen zwischen Liestal und der Partnerstadt Sacramento – Sutter gilt als einer der Gründerväter der kalifornischen Hauptstadt – gegen Rassismus einzusetzen. Er schlägt Ausstellungen oder Kunstförderprojekte vor, «um die Bevölkerung beider Städte über Sklaverei, Rassismus und den Genozid an der indigenen Bevölkerung aufzuklären».

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