Bevor es überhaupt zu Bohrungen auf der Rütihard kommt, ist der Widerstand der Bevölkerung schon riesig. Haben Sie damit gerechnet?

Urs Hofmeier: Wir stehen mit den Landeigentümern und Vertreter der Pächter in Kontakt. Aus diesem Grund haben wir gewusst, dass Aktionen geplant sind und es Widerstand geben wird.

Machen Salzbohrungen auf der Rütihard überhaupt Sinn, wenn es bereits im Vorfeld zu einem derartigen Widerstand kommt?

Die Rütihard ist das zentrale Salzabbaugebiet der Zukunft. Die Schweizer Salinen bauen seit über 180 Jahren im Baselbiet und im Aargau Salz ab. Der Salzabbau erfolgt in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit allen Beteiligten und berücksichtigt selbstverständlich die Bedürfnisse Dritter sowie des Natur- und Umweltschutzes. 

Denken Sie also, dass der Widerstand kaum seine Berechtigung hat?

Es ist die Verpflichtung und das Recht einer Gesellschaft, sich frei zu äussern und für ihre Werte und Meinungen einzustehen. Das macht das Schweizer System aus. Die Schweizer Salinen sind ein Teil dieser Gesellschaft und pflegen einen offenen und ehrlichen Austausch. Die Erfahrungen der in den letzten zehn Jahren entwickelten Kavernenfelder zeigen, dass wir im Dialog sowohl mit den Landeigentümern, den Pächtern und dem Naturschutz tragbare Lösungen finden konnten. Ebenfalls überwachen und begleiten die jeweiligen Fachstellen des Kantons unsere Aktivitäten.

Die Gegner sprechen davon, dass unterhalb des Egglisgrabens der Lärm und Gestank der Bohrmaschinen über mehrere hundert Meter zu hören und zu riechen ist. Wie können Sie die Bohrungen auf der Rütihard vor diesem Hintergrund rechtfertigen?

Ein Bohrgerät macht Lärm und es gibt Abgase durch den Stromgenerator, das lässt sich wie beim Heizen des Hauses oder dem Autofahren nicht vermeiden. Die Bohrfirmen setzen jedoch modernste schallgedämpfte und mit Filtern versehene Aggregate ein. Wenn in der Nähe von Wohngebieten gearbeitet wird, erstellen wir ebenfalls temporäre Schallschutzwände. Diese Bohrungen sind notwendig, um die Salzvorräte zu erschliessen. Im Auftrag der Kantone versorgen wir die Schweiz mit Salz aus einheimischer Produktion.

Wenn im Gebiet Rütihard tatsächlich Salz gefördert wird, wie wird die konkrete Vorgehensweise aussehen?

Pro Bauetappe wird in der Regel ein mobiles Bohrgerät eingesetzt. Wir gehen heute von zirka vier Bauetappen aus, eine Etappe umfasst je sechs bis acht Bohrlöcher. Der Bau einer Etappe dauert ungefähr ein Jahr. In dieser Zeit werden die Bohrungen abgeteuft und die Leitungen erstellt. Für ein Bohrloch wird während zirka zwei Monaten gebohrt, etwa alle fünf Jahre wird eine Etappe gebaut. Bei den Leitungen handelt es sich um den normalen Leitungsbau, den wir beispielsweise von der Wasserversorgung kennen. Wir gehen von einer Grabenbreite von rund 2 Metern an der Oberfläche aus. Die Hauptleitung, sowie alle anderen Leitungen werden unterirdisch verlegt werden. Dies gilt auch für die Installationen.

Was passiert nach den Bohrungen?

Die Gerätschaften werden abgeführt und das Salz wird abgebaut. Es entsteht dabei weder Lärm noch gibt es weitere Emissionen. Die Bohrfläche wird fachgemäss verschlossen und die verletzten Stellen werden renaturiert. Es bleibt eine kleine Fläche um das Bohrloch, das mit einer Mergel- oder einer anderen Naturoberfläche abgedeckt ist. In den letzten Jahren haben wir zusammen mit Naturschutzverbänden diese Mergelflächen teilweise zu Amphibienhabitaten umgestaltet.

Der Landwirt Ruedi Brunner ist sich sicher, dass der Boden nach den Bohrungen nicht mehr derselbe ist. Wird das Land also tatsächlich zerstört?

Nein, das Land wird ganz normal bewirtschaftbar sein und es bleiben keine Schäden zurück. Die ganzen Arbeiten mit dem Humus werden von der kantonalen Bodenfachstelle begleitet. Es gibt genaue Auflagen, bei welchem Wetter der Boden abgetragen und wann er wieder aufgefüllt werden darf. Damit wird garantiert, dass die Qualität des Bodens und die Bodenlebewesen keinen Schaden nehmen.

Falls sich die Fronten zwischen den Schweizer Salinen und den Landbewirtschaftern künftig weiter verhärten, könnten Sie als letzte Massnahme auf die Enteignung zurückgreifen. Ziehen Sie dieses Mittel in Betracht?

Die Schweizer Salinen haben in ihrer über 180-jährigen Geschichte noch nie Land enteignet und werden auch in Zukunft einvernehmliche und partnerschaftliche Lösungen mit den Beteiligten suchen und finden.