Unirats-Präsidium

Gesucht ist ein Brückenbauer: Wer wird Baselbieter Unirats-Präsident?

(Archiv: März 2017)

Der Kanton Baselland suchte bereits per Zeitungsinserat, das auch in der bz erschienen ist, nach neuen Uni-Räten.

(Archiv: März 2017)

Ab Anfang 2020 wird jemand aus dem Kanton Baselland das Präsidium des Unirats besetzen. Die Regierungen evaluieren bereits mögliche Kandidaten, die bz stellt das Anforderungsprofil vor.

Auf den 1. Januar 2020 folgt im Universitätsrat der Uni Basel erstmals ein Vertreter aus dem Kanton Baselland auf den aktuellen Präsidenten Ueli Vischer. Darauf haben sich die Regierungen beider Basel im Rahmen des Uni-Deals geeinigt.

Weil der künftige Baselbieter Präsident bereits ab dem 1. Januar 2018 als Vizepräsident des Unirats amten und den Strategieprozess 2030 einleiten soll, eilt es mit der Evaluation. Im Herbst will die Baselbieter Regierung bekannt geben, welche fünf Personen den Landkanton ab 2018 im elfköpfigen Unirat vertreten. Den Präsidenten wählen die Regierungen beider Basel gemeinsam.

Derzeit laufen im Hintergrund Gespräche mit den Bewerbern. Bei Regierungsrätin Monica Gschwind (FDP) sind auf ein Zeitungsinserat hin rund 70 Dossiers eingegangen.

Doch wie sieht das Anforderungsprofil für den künftigen Uniratspräsidenten aus? Dieser muss fähig sein, Brücken zu bauen – und zwar nicht «nur» zwischen Stadt und Land, sondern auch zwischen Universität, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Person verfügt über Führungserfahrung und über das nötige politische Sensorium und Fingerspitzengefühl, wie man sich als Präsident eines solchen Gremiums verhalten muss.

Rolf Richterich, FDP-Fraktionschef im Landrat und ein Parteikollege Gschwinds, sagt: «Der Uniratspräsident muss eine eigenständige Position haben. Er darf nicht der verlängerte Arm der Regierungen sein.» Auch dürfe er weder mit Baselland noch mit Basel-Stadt verheiratet sein, fügt Richterich an.

Das heisst auch: Alt Regierungsräte oder andere hohe ehemalige Mandatsträger aus dem Umfeld der Kantone – wie der aktuelle Präsident Vischer – kämen nicht infrage.

Die bz stellt fünf Baselbieter Persönlichkeiten vor, die sich als Uniratspräsident oder -präsidentin eignen würden. Einige – so der ehemalige Kantonalbankchef Beat Oberlin und alt CVP-Nationalrätin Kathrin Amacker – sind bereits im Gespräch.

Fünf kluge Baselbieter Köpfe fürs Unirats-Präsidium

Beat Oberlin, ehem. Kantonalbankchef

Profil: Der Münchensteiner Beat Oberlin war bis Ende 2016 Chef der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB). Der Doktor der Rechtswissenschaften geniesst den Ruf eines top-seriösen und Werte-orientierten Bankers, der die BLKB in den vergangenen zwölf Jahren solide durch die Stürme in der Bankenwelt hindurchmanövrierte. Oberlin ist ein unabhängiger Kopf, der sich trotz schwieriger Finanzlage des Kantons für Investitionen in die Bildung und die Kultur starkgemacht hat. Nicht zuletzt ihm ist es zu verdanken, dass die BLKB das Ballett am Theater Basel sponsert.

Chancen: Oberlin ist in der Region eine der wenigen allseits geachteten Persönlichkeiten. Manko: Er ist mit 62 Jahren nicht die ideale Wahl, um einen mehrjährigen Strategieprozess anzustossen. Tipp: Wenn er Uniratspräsident werden will, so ist er wohl der aussichtsreichste Kandidat. Ist genügend stark, um sich gegenüber den Regierungen zu behaupten.

 

Kathrin Amacker; SBB-Kadermitglied

Profil: Die 55-jährige Binningerin leitet seit 2013 die Kommunikation bei den SBB und ist Mitglied der Konzernleitung. Zuvor war sie 20 Jahre in führenden Funktionen in der Life-Sciences-Industrie tätig, unter anderem bei Novartis. Die promovierte Pharmazeutin ist im Hochschulwesen gut vernetzt: Sie engagiert sich in der Ehemaligenvereinigung Alumni der Uni Basel und sie war im Stiftungsrat der ETH Zurich Foundation aktiv. Die ehemalige Baselbieter CVP-Nationalrätin und aktuelle Präsidentin der Region Basiliensis ist bestens bekannt. Sie ist die einzige aktuelle Baselbieter Unirätin, die weitermachen kann und will.

Chancen: Kathrin Amacker wäre gerne Uniratspräsidentin, wie sie gegenüber der bz klar gemacht hat. Die Unterbaselbieterin gilt als Brückenbauerin mit stark ausgeprägtem Engagement für die Region. Manche stellen angesichts des rauen Windes in der Uni-Finanzierung ihre Durchsetzungskraft infrage. Tipp: Hat gute Wahlchancen.

 

Kuno Sommer, VR-Präsident Bachem

Profil: Kuno Sommer (61) ist Verwaltungsratspräsident des Baselbieter Biotech-Unternehmens Bachem mit Sitz in Bubendorf. Der gebürtige Solothurner promovierte am Wirtschaftswissenschaftlichen Institut der Uni Basel und legte später beim Pharmakonzern Roche eine Blitzkarriere hin: Mit 42 war er jüngstes Mitglied der Konzernleitung. Derzeit ist er hauptberuflich Verwaltungsrat und gilt als origineller, vor Ideen nur so sprudelnder Kopf. An einem Podium zur Uni-Finanzierung forderte er kürzlich mehr Unternehmertum an der Uni Basel. Als Uniratspräsident könnte der ehemalige Top-Manager diese Forderung in die Tat umsetzen.

Chancen: Die Kantonsregierungen würden mit der Wahl Sommers ein Zeichen setzen: Ein unkonventioneller Präsident eines Baselbieter Vorzeigeunternehmens an der Uniratsspitze? Eine super Affiche. Tipp: Befindet sich kaum auf der Short List der Baselbieter Regierung, sollte dies aber sein.

 

Franz Saladin, Handelskammer-Chef

Profil: Der 51-jährige Franz Saladin ist seit 2011 Direktor der Handelskammer beider Basel. In dieser Funktion macht sich der Chemiker, der am renommierten Paul-Scherrer-Institut zur Nutzung der Sonnenergie promovierte, unermüdlich für den Bildungsstandort Basel stark. Zwischen 2004 und 2009 war er als Bereichsleiter Life Sciences beider Handelskammer tätig, bevor er zwischenzeitlich als Geschäftsführer zu Basel Area wechselte. Saladin ist eine der wichtigsten verbandspolitischen Stimmen der Region. Der Laufentaler mit Arbeitsort Basel-Stadt versteht die Befindlichkeiten in Stadt und Land.

Chancen: Kennt die Herausforderungen in der Hochschulpolitik bestens – daher wäre Saladin eine logische Wahl. Ist Mitglied der Baselbieter FDP, gilt in der Partei allerdings als Aussenseiter. Tipp: Die fürs Verfahren zuständige FDP-Regierungsrätin Monica Gschwind wird Saladin wohl nicht zu Gesprächen eingeladen haben.

 

Thomas Meier, CEO Santhera

Profil: Thomas Meier ist einer der innovativsten Unternehmer der Region: Er ist seit 2011 CEO der Liestaler Firma Santhera, die sich auf Medikamente zur Behandlung von neuromuskulären Erkrankungen spezialisiert hat. Meier habilitierte an der Universität Basel und wurde 1999 Forschungsgruppenleiter am Basler Biozentrum. Dort war er der erste Forscher, der sein eigenes Start-up gründete. Daraus wurde nach der Fusion mit einer deutschen Firma 2004 Santhera. Als heimischer Firmenchef mit Bezug zur Basler Uni wäre er geradezu prädestiniert, das Jungunternehmertum im Umfeld der Uni zu fördern.

Chancen: Unternehmer wie Meier beweisen, dass es auch im Baselbiet Persönlichkeiten gibt, die der Uni guttun würden. Allerdings ist Meier beruflich wohl zu stark mit seiner eigenen Firma beschäftigt, als dass er Präsident des Unirates werden möchte. Tipp: ist letztlich weder für ihn noch für die Regierung ein Thema.

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