Fischerei

Gewässer werden abgefischt: Baselbieter Fische zügeln bachab

Zivilschutzangehörige beim Abfischen des Homburgerbachs.

Zivilschutzangehörige beim Abfischen des Homburgerbachs.

Vom Juniregen ist nicht mehr viel übrig – die Baselbieter Bäche leiden unter der anhaltenden Trockenheit. Für die Fische wird das Wasser zu warm, der Wasserstand zu niedrig. Der Kanton fischt deshalb diverse Bäche ab.

Der Homburgerbach, der Eibach, der Bennwilerbach, der Diegterbach, der Schönthalbach, die Ergolz: Sie alle mussten in den vergangenen Tagen aufgrund der anhaltenden Trockenheit teilweise ausgefischt werden. Pro Einsatz werden dabei mehrere hundert Fische umgesiedelt, wie Ueli Meier, Vorsteher des Amts für Wald beider Basel (AfW), sagt. Besserung ist nicht in Sicht: Weitere Ausfischungen im oberen Kantonsteil stehen an, so Meier. Man stelle sich beispielsweise die Abfischung der Ergolz auch unterhalb von Sissach vor.

Zur Umsiedlung von Fischen komme es zwar jeden Sommer, wie Meier erklärt. Doch dieses Jahr ist die Lage besonders prekär: Beim Homburgerbach beispielsweise waren längere Bachabschnitte betroffen als noch im Vorjahr, wie Meier bestätigt. Denn trotz des regnerischen Junis leiden die Bäche stärker als in anderen Jahren.

«Die Untersuchungen der Bau- und Umweltschutzdirektion zeigen, dass vom Juniregen praktisch nichts im Grundwasserkörper gelandet ist», so Ueli Meier. «Und die Bäche leben vom Grundwasser.» Hinzu kommt, dass der diesjährige Juli in der Region Basel der niederschlagsärmste seit Messbeginn 1864 ist. In Basel gab es bis zum 28. Juli lediglich 5,6 Millimeter Niederschlag – das entspricht 6 Prozent der Norm von 1981−2010.

Ergolzfische können nicht in der Birs leben

Betroffen sind von den Abfischungen hauptsächlich Bachforellen, Groppen und Schmerlen. «Sollten auch Abfischungen im unteren Bereich der Ergolz oder der Frenke notwendig sein, kommen weitere Arten wie das Bachneuauge oder die Nase dazu», so Ueli Meier. Die Fische werden von Zivilschutzangehörigen in Zusammenarbeit mit den Experten des AfW umgesiedelt. Wie das aussieht, zeigte Patrik Reiniger, Leiter des kantonalen Krisenstabs, gestern in einem Tweet.

«Das ist keine schnelle Sache. Die Arbeit ist mühsam und gefährlich», sagt Meier. Man brauche das richtige Fingerspitzengefühl, um die Fische mit den Elektrofanggeräten nur zu betäuben und sie nicht zu töten.

Umgesiedelt werden die Tiere in andere, tiefere Bereiche der Bäche. «An Orte, von denen wir hoffen, dass sie nicht austrocknen werden», meint Meier. Sollte das doch der Fall sein, käme ess zu Problemen. Denn die Tiere in grössere Gewässer umzusiedeln, sei schwierig. «Ergolzfische kann man nicht einfach in die Birs umsiedeln», sagt Meier. Selbst, wenn es sich um dieselbe Fischart handelt. «Sie unterscheiden sich genetisch, weil sie sich den Gewässern angepasst haben.» Bereits ein halbes Grad Unterschied könnte tödlich sein.

Mensch als zusätzlicher Stressfaktor

Die Abfischungen führen zu weiteren Problemen: Das AfW ruft dazu auf, das Baden an tiefen Stellen zu unterlassen. Ein lokales Badeverbot aussprechen wolle man vorläufig nicht – dennoch hoffe man auf Verständnis aus der Bevölkerung. Denn die Situation ist, wie Meier sagt, derzeit doppelt kritisch.

«Einerseits müssen die Fische mit der Hitze auskommen, andererseits teilen sie ihren Lebensraum plötzlich mit viel mehr Artgenossen.» Menschen oder Hunde seien dann zusätzliche Stressfaktoren. «Hunde kann man mit dem Gartenschlauch abkühlen, wir Menschen können zuhause duschen. Aber die Fische können nicht weg.»

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