Abriss unvermeidbar

Gewerbehalle in Zwingen: Quecksilber-Grenzwert 23fach übertroffen

In der alten Gewerbehalle in Zwingen stellen mehrere Cliquen ihre Wagen unter. Sie müssen sich eine neue Bleibe suchen.

In der alten Gewerbehalle in Zwingen stellen mehrere Cliquen ihre Wagen unter. Sie müssen sich eine neue Bleibe suchen.

Seit drei Monaten ist die alte Gewerbehalle in Zwingen gesperrt. Nun zeigt sich, dass die Quecksilberbelastung noch höher als angenommen ist. Daher wird die Halle abgerissen und das Areal saniert. Die Millionen-Kosten muss grösstenteils der Kanton stemmen.

Die Chegelwaggis, Heumatt Rueche, Zäpflibysser oder auch die Schänzli-Fäger müssen sich definitiv nach einer neuen Halle für ihre Fasnachtswagen umsehen. Gestern teilte die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) mit, dass die Ende August gesperrte alte Zwingner Gewerbehalle am Lüsselmattweg «bis auf Weiteres» zubleibe. Dies habe die Gemeinde auf Empfehlung des Amts für Umweltschutz und Energie (AUE) entschieden.
Eigentlich steht aber jetzt schon fest, dass die Halle nie wieder wird benutzt werden können.

Schwerster Quecksilber-Fall des ganzen Kantons

Dies bestätigt der Zwingner Gemeindepräsident Ermando Imondi: «Oberste Priorität hat die Sicherheit und Gesundheit der Bevölkerung», sagt er zur bz. Denn Nachmessungen des AUE haben ergeben, dass die Hallenluft noch immer erhebliche Belastungen mit Quecksilber aufweist. Dies trotz einer seit Ende August permanenten Porenluftabsaugung und den niedrigeren Aussentemperaturen. Insbesondere bei Wetterwechseln schwankten die Messwerte stark, heisst es in der Mitteilung. Auf Anfrage präzisiert die BUD: Bei tiefen Temperaturen und stabiler Wetterlage liegen die Konzentrationen zwischen 1 und 2,5 Mikrogramm pro Kubikmeter. Bei starken Wetterveränderungen wie einem Temperaturanstieg können die Werte bis auf 8 Mikrogramm pro Kubikmeter ansteigen. Zur Einordnung: Der für Innenraumluft empfohlene Richtwert beträgt 0,35 Mikrogramm, also 23 Mal weniger.

Der Boden ist ebenfalls stark belastet. Bisher ging der Kanton von 500 Kilogramm Quecksilber im Untergrund aus. «Nach den neusten Befunden muss diese Menge wohl erhöht werden», sagt BUD-Sprecherin Andrea Bürki. Eine fundierte Schätzung könne aber erst im Frühjahr 2020 abgegeben werden. Etwas hält Bürki aber bereits heute fest: «Die Quecksilberbelastung im Fall Zwingen ist für den Kanton Baselland einzigartig im Schweregrad.»

Kanton muss Grossteil zahlen, Besitzer ist kooperativ

Die Konsequenz ist klar: Das gesamte Areal muss altlastensaniert, die Gewerbehalle abgerissen und das belastete Material ausgehoben werden, hält das AUE fest. Das Sanierungsprojekt soll 2020 vorliegen, die eigentlichen Arbeiten ab 2021 starten. «Die Sanierungskosten werden sich wahrscheinlich auf mehrere Millionen Franken belaufen», sagt Bürki. Und sie fügt an: «Einen beträchtlichen Teil davon wird wohl der Kanton tragen müssen.»

Die für die Belastung verantwortliche Arizona Pool Schweiz AG ging bereits 2011 Konkurs. Sie hatte Poolumrandungen aus Holz mit Quecksilber imprägniert. Da der Firmengründer Martin Jermann aber nach wie vor der Eigentümer des Areals ist, wird er sich an den Kosten beteiligen müssen. Im «Wochenblatt für das Schwarzbubenland und Laufental» signalisierte er hierfür seine Bereitschaft. Gemeindepräsident Imondi bestätigt, dass sich Jermann kooperativ verhalte.

Das verwundert insofern nicht, als die Zukunft des Areals rosig erscheint, sobald die Sanierung abgeschlossen ist: Jermann schwebt der Bau attraktiver Wohnhäuser vor.

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