Baselland

Gewinner und Verlierer der Landratswahlen: Verteidigte Sitze täuschen über Verluste hinweg

Ab Sommer wird der Landrat ziemlich anders aussehen.

Die Statistik der Landratswahlen zeigt, dass die Parteien je nach Wahlkreis völlig unterschiedliche Resultate einfuhren. Die SP sollte sich Gedanken zum Abschneiden im Oberbaselbiet machen und die FDP hielt zwar 17 Sitze, verlor aber überall Wähler.

Die Gewinner und Verlierer der Landratswahlen vom 31. März sind schnell gefunden: Die SP löst als stärkste Partei im Kanton die SVP ab, die grosse Verluste hinnehmen musste. Hauptgewinner sind aber die Grünen, die gleich um sechs Landratssitze zulegen konnten.

Bloss: Die kürzlich von der Landeskanzlei publizierte detaillierte Wahlstatistik zeigt, dass es grosse Unterschiede zwischen den zwölf Wahlkreisen gibt.

Der Megatrend «Grün gewinnt» spielte längst nicht überall gleich, und die SP sollte sich trotz Gesamtsieg über ihr Abschneiden im Oberbaselbiet Gedanken machen. Zudem ging wegen der sieben verlorenen Sitze der SVP fast unter, dass die FDP auch in jedem einzelnen Wahlkreis schlechter abschnitt als vor vier Jahren und nur dank Proporzglück ihre Mandate halten konnte.

SP

Die Sozialdemokraten gewannen über den ganzen Kanton gesehen einen Sitz hinzu. Die Wahlen 2019 bestätigten, dass die Partei vor allem im Unterbaselbiet stark ist. Ausnahme sind die Wahlkreise Oberwil und Reinach, die als einzige in den Wahlregionen 1 und 2 einen Wähleranteil ergaben, der unter dem SP-Kantonsschnitt von 22,8 Prozent liegt.

Mit 29,9 Prozent der Stimmen erzielte die Partei im Wahlkreis Muttenz das beste Resultat. Hier konnte sie im Vergleich zu 2015 um 3,4 Prozentpunkte zulegen. Nirgends legte die SP aber mehr Prozentpunkte zu als im Wahlkreis Pratteln, wo der Anteil Parteistimmen von 21,5 auf 27,1 Prozent stieg. Interessant: Im neben Pratteln zweiten Wahlkreis der Region 3, Liestal, verlor die SP sogar 1,8 Prozentpunkte und liegt nun nur noch bei 22,5 Prozent.

In keiner anderen Region ist die Diskrepanz zwischen Gewinnen und Verlusten so gross.
Am meisten zu denken geben sollte der SP aber die Wahlregion 4. Vor allem in den Wahlkreisen Gelterkinden (-3,1 Prozentpunkte auf noch 16,8 %) und Waldenburg (-2,5 auf 17,6 %) verlor die Partei Wähleranteile, was sie in dieser Region einen Sitz kostete.

SVP

Nirgends wurde die Krise der SVP so deutlich wie im Wahlkreis Allschwil. 8,8 Prozentpunkte verlor sie hier und siedelt sich neu mit 12,7 Prozent Wähleranteil in direkter Nachbarschaft zu CVP und Grünen an. Freilich fiel hier neben dem kantonsweiten «Grün»-Effekt auch die Abspaltung der AVP ins Gewicht.

Die Partei der Noch-Landräte Roman Klauser und Pascale Uccella ergatterte zwar kein Mandat, holte aber aus dem Stand 4,9 Prozent Wähleranteil. Der einzige Wahlkreis, in dem noch weniger Menschen die SVP wählten, ist Münchenstein mit 12,1 Prozent (-4,8 Prozentpunkte zu 2015).
Dominant bleibt die Schweizer Volkspartei in Wahlregion 4 mit Wähleranteilen zwischen 30 (Sissach) und 33 Prozent (Gelterkinden und Waldenburg). Vor vier Jahren waren es in letzteren zwei Kreisen aber noch 38 Prozent.

FDP

17 Sitze gehalten, alles beim Alten also bei den Freisinnigen? Überhaupt nicht. Über den ganzen Kanton verlor die Partei zwei Prozentpunkte Wähleranteil, in allen zwölf Wahlkreisen gab es Verluste zwischen 0,5 (Muttenz) und 4 Prozentpunkten (Waldenburg).

Am schwächsten sind Laufens 11,8 Prozent Wähleranteil, am stärksten steht die Partei mit 20,6 Prozent noch in Münchenstein da. Doch auch dort waren es 2015 noch 23,1 Prozent.

Grüne

Es war der totale Triumph: Sechs Sitze gewonnen, acht, wenn man die Trennung von Jürg Wiedemann und Regina Werthmüller zu Beginn der Legislatur berücksichtigt. Die 5,6 Prozentpunkte Wähleranteil, die die Grünen kantonsweit auf nun 15,2 Prozent zulegten, spiegeln sich aber längst nicht in allen Wahlkreisen.

In Pratteln legte die Partei nur um 2 Prozentpunkte auf neu 13,6 Prozent zu. Zwar wählten mit 10,1 Prozent nirgends weniger Menschen die Grünen als in Laufen, doch da die Partei ihren bisherigen Anteil von 4,6 Prozent damit mehr als verdoppelte, ist es ein Erfolg.

Nahe an eine Verdoppelung kamen die Grünen sonst bloss noch in Münchenstein: Hier wurden aus 9,5 neu 18,2 Prozent. Am beeindruckendsten ist aber der Wahlkreis Gelterkinden, Heimat der früheren Parteipräsidentin Florence Brenzikofer: Mit 24 Prozent Wähleranteil legten die Grünen um fast 10 Prozentpunkte zu und wurden nach der SVP zur zweitstärksten Kraft.

Weitere Parteien

Die CVP konnte ihre acht Sitze und ihren Wähleranteil von gut 9 Prozent zwar insgesamt halten, doch wirklich überzeugen konnte die Partei einmal mehr nur in ihren Stammlanden, dem Wahlkreis Laufen, wo sie von 30 auf 32,7 Prozent wuchs.

Das Experiment mit der Mitte-Wahlliste im Oberbaselbiet brachte für CVP, GLP und BDP zusammen hingegen nur geringe Zuwächse zwischen 0,7 und 1,7 Prozentpunkten und sicherte nur den Landratssitz der parteilosen Regina Werthmüller.

Meistgesehen

Artboard 1