Auf dem Novartis-Campus ist etwas entstanden, das angesichts des Dauer-Knatsches zwischen Basel-Stadt und Basel-Landschaft schon fast wie eine Utopie erscheint: ein gemeinsames Passbüro der beiden Kantone, auf städtischem Boden. Die Arbeitnehmer der Novartis können so am gleichen Ort einige staatliche Dienstleistungen in Anspruch nehmen, unabhängig davon, ob sie in Ormalingen oder im St. Johann wohnen. «Wir verstehen uns als Dienstleister für die Bevölkerung», erklärte der Baselbieter Sicherheitsdirektor Isaac Reber das Angebot bei der Eröffnung.

Nur für die Novartis

Möglich wurde dieses Angebot wohl nur, weil die Novartis die Kosten komplett übernimmt. Doch wieso geht das nur hier? Eine Anfrage bei den Sicherheitsdirektionen der beiden Basel zeigt: Offenbar ist das Interesse, auch jenen Baselbietern, die nicht bei Novartis aber doch in Basel-Stadt arbeiten, ein ähnliches Angebot zu machen, nicht gerade gross.

Adrian Baumgartner, Sprecher der Baselbieter Sicherheitsdirektion, sagt: «Ein allgemeiner zentraler Anlaufpunkt der Landschäftler Behörden in der Stadt ist derzeit kein Thema.» Und sein städtischer Kollege beim Justiz- und Sicherheitsdepartement, Martin Schütz, erklärt: «Das Thema ist bei uns nicht aktuell.» Einer der Gründe, weshalb dieses Thema keines ist, sind die unterschiedlichen Strukturen in den beiden Halbkantonen.

Denn im Gegensatz zu Basel-Stadt haben in Baselland die Gemeinden eine ungleich wichtigere Position und bewältigen auch den meisten Kundenkontakt: «Im Kanton Basel-Landschaft ist die erste Anlaufstelle in der Regel die Gemeinde. Das gilt auch für die Kunden auf dem Novartis-Campus», meint Baumgartner.

Unterscheide im Angebot

Deshalb ist das Angebot des Büros auf dem Campus auch nicht für alle gleich: Die Basler Einwohner können hier wesentlich mehr Leistungen in Anspruch nehmen, als die Landschäftler. Für Letztere dürfte die Erfassung ihrer biometrischen Daten für einen Pass oder eine ID im Vordergrund stehen. Doch das könnten ja auch andere Landschäftler dort erledigen, wo es die Städter tun, nämlich im Spiegelhof am Fischmarkt?

Das sei durchaus möglich, sagt Schütz: «Die Erfassung der biometrischen Daten der Bürger des Kantons Basel-Landschaft in Basel-Stadt wäre denkbar.» Weitere Dienstleistungen würden wohl 86 Gast-Schalter im Spiegelhof – einen für jede Baselbieter Gemeinde – bedingen. Nicht nur aufgrund des Platzmangels kein gangbarer Weg. Doch Schütz liefert ein weiteres Aber: «Der Anstoss hierzu müsste vom Partnerkanton kommen.»

Eher bei der Roche

Und ebendieser Partnerkanton scheint daran nur ein geringes Interesse zu haben. Da ist es noch eher plausibel, dass ein ähnliches Angebot wie für die Novartis für einen anderen grossen Arbeitgeber kommt. Beispielsweise ein gemeinsames Passbüro im neuen Roche-Turm, wo ab 2015 2000 Menschen aus beiden Kantonen arbeiten werden.

In der Tat sagt Baumgartner zu dieser Idee: «Theoretisch ist ein weiterer solcher Standort denkbar. Aber es sollten weder Stadt noch Land Kosten entstehen und es muss genügend potenzielle Kunden haben. Das schränkt die Möglichkeiten auf eine sehr kleine Zahl ein.» Will heissen: Für ein mittelständisches Unternehmen mit ein paar wenigen Angestellten würde eine eigene staatliche Anlaufstelle nur wenig Sinn machen. Und es könnte den Aufwand auch nicht übernehmen.

Für den allergrössten Teil der 42'200 Baselbieter, die täglich nach Basel-Stadt pendeln, um hier zu arbeiten, wird sich der Traum von einem Passbüro an ihrem Arbeitsort wohl nicht so bald erfüllen. Sie müssen weiterhin nach Liestal, wenn sie einen neuen Pass brauchen.