Datenschutz

Gläserner Tram-Passagier: TNW holt sich sensible Daten selber

BLT und BVB haben neuerdings einen automatisierten Zugriff auf die Daten von U-Abo-Besitzern aus beiden Basel.

BLT und BVB haben neuerdings einen automatisierten Zugriff auf die Daten von U-Abo-Besitzern aus beiden Basel.

Namen geändert? Umgezogen? Als U-Abo-Besitzer braucht man Mutationen dem Tarifverbund Nordwestschweiz nicht mehr mitteilen – seit Kurzem beschafft er sich die Daten gleich selber.

Sandra Müller aus Oberwil (Name von der Redaktion geändert) war schon etwas baff, als sie sie das neue Umweltschutz-Abonnement 2017 in ihren Händen hielt. Denn auf dem Jahres-U-Abo prangte ihr zweiter Vorname in abgeänderter Form. Müller hatte diesen kürzlich amtlich korrigieren lassen, er war auf einem 1977 ausgestellten Heimatschein falsch abgetippt worden, das führte immer wieder zu Problemen. Doch woher wusste der Tarifverbund Nordwestschweiz von der Korrektur? Müller hatte noch gar keine Zeit gefunden, ihm die Änderung mitzuteilen.

Offensichtlich hatte sich der TNW die Informationen selber beschafft, auf Datenbanken des Kantons Baselland. Darf der Verbund – ein Verein – auf diese zugreifen? Ja, beschied Müller im Dezember eine Mitarbeiterin der Baselland Transport AG (BLT). Man gleiche die Daten von U-Abo-Bezügern mit dem kantonalen Personenregister ab, zwecks «Feststellung der Berechtigung und Abgleich der Subventionsbeiträge».

Diesen Abgleich verlangen die Kantone, die dem TNW angehören. Sie subventionieren jedes U-Abo monatlich mit 25 Franken. Jedoch nur, wenn die Inhaber auch tatsächlich im TNW-Gebiet wohnhaft sind, und dafür wollen die Kantone eine gewisse Garantie. Den Wohnort zu überprüfen, ist Aufgabe der BLT und der Basler Verkehrsbetriebe (BVB). Diese sind die beiden geschäftsführenden Transportunternehmen innerhalb des TNW.

Daten werden nachts abgeglichen

Der Datenabtausch funktioniert im Baselbiet neuerdings automatisiert, erklärt BLT-Direktor Andreas Büttiker auf Anfrage. Die TNW-Kundendatenbank sei «seit kurzer Zeit» an das kantonale Personenregister Arbo angeschlossen». Dadurch könnten die Daten «sehr einfach und schnell kontrolliert werden». «Arbo» wurde ab 2009 vom statistischen Amt Baselland aufgebaut. Es vereinte sieben zuvor getrennt geführte Personenregister in einem.

Dass die BLT auf derartige Datenbanken zugreifen darf, ist im kantonalen Anmeldungs- und Registrierungsgesetz (ARG) festgehalten. Dort ist, neben kantonalen und kommunalen Stellen, Gerichten und Kantonsspital, auch die «Abonnementsverwaltung der BLT» aufgeführt. Büttiker schreibt, der Datenabgleich erfolge über Nacht, und man habe man keinen direkten Zugriff auf das Register.

Einige arbeiten noch manuell

Der Kanton hat keine Bedenken zum Datenschutz. Er schreibt auf seiner Webseite, es sei bei «Arbo» sichergestellt, dass den «Mitarbeitern der abfrageberechtigten Stellen genau jene Daten zur Verfügung gestellt werden, für die sie gemäss ihrer organisatorischen Zugehörigkeit berechtigt sind». Ausserdem würden die Abfragen protokolliert.

Die Verknüpfung mit «Arbos» ist laut Büttiker ein Segen für die BLT. Zuvor habe man die Adressen manuell kontrolliert, dazu habe man die Einwohnerkontrollen der Gemeinden anfragen müssen – ein «extrem aufwendiger und teurer Prozess», wie er schreibt. Auch für die Kunden sieht er nur Vorteile mit «Arbos»: Würden diese vergessen, eine Adressänderung mitzuteilen, käme das Abo trotzdem bei ihnen an. In der Vergangenheit habe die BLT von der Post gleich «kistenweise Falschsendungen» zurückerhalten.

Auch die BVB haben einen automatisierten Zugriff auf die Daten der Einwohnerkontrolle. Er gewähre, teilen die BVB mit, dass nur U-Abo-Besitzer in den Genuss von Subventionen kommen, die ihr Steuerdomizil auch wirklich in Basel-Stadt haben.

Neben Baselland und Basel-Stadt gehören auch Aargau, Solothurn, Jura und Bern zu den fünf TNW-Kantonen. Dort werden die Adressen immer noch direkt mit den Gemeinden abgeglichen – von Hand, was bedeutet: per Brief, Telefonanruf oder Excel-Tabelle.

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