FHNW Muttenz

Glasfassaden stellen ein Risiko für Vögel dar: Ein gutes Beispiel zeigt der Fachhochschulcampus in Muttenz

Gutes Beispiel: An den Glasfassaden des FHNW-Campus wurden Folien angebracht.

Gutes Beispiel: An den Glasfassaden des FHNW-Campus wurden Folien angebracht.

Vögel, die in eine Glasscheibe fliegen, brechen sich in den meisten Fällen das Genick. Mit einfachen Massnahmen können Bauherrn verhindern, dass Gebäudebrüter in Glasfassaden fliegen und sterben. Ein Beispiel für eine Lösung zeigt der Fachhochschulcampus in Muttenz.

Welcher Architekt, Bauherr, Angestellter des Kantons oder Gemeinderat denkt bei der Planung eines Gebäudes daran, dass dieses für Vögel eine potenzielle Gefahr darstellen könnte? «Fast niemand», klagt Robert Brügger, Geschäftsführer des Basellandschaftlichen Natur- und Vogelschutzverbands (BNV). Das soll sich ändern. Im Auftrag des Kantons übernimmt der BNV ein dreijähriges Mandat, um für ein vogelfreundliches Bauen zu sensibilisieren. «Wir wollen nicht mit zusätzlichen Auflagen, sondern mit Empfehlungen und Ratschlägen helfen», betont Markus Plattner, Leiter der Abteilung Natur und Landschaft beim Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain. In einem Schreiben an alle 42 Natur- und Vogelschutzvereine im Baselbiet ruft der BNV dazu auf, gute Beispiele von Bauten sowie bestehende Bruten an Gebäuden für ein kantonales Inventar zu melden.

Hunderttausende tote Vögel in der Schweiz pro Jahr

Hauptgrund, dass immer mehr Gebäude für Vögel eine Gefahr darstellen, ist die wachsende Beliebtheit von Glas als Baumaterial und generell von grossen Fenstern. «Spiegeln sich darin Bäume, Wolken oder der Himmel, oder sehen Vögel durch die Scheiben durch, erkennen sie nicht, dass diese ein Hindernis darstellen, fliegen hinein und brechen sich das Genick», sagt Brügger. Laut Schätzung der Vogelwarte Sempach sterben deswegen jährlich Hunderttausende Vögel in der Schweiz. Es seien im Grundsatz einfach umsetzbare Massnahmen, die die Situation verbessern. Das zeigt das Beispiel des Fachhochschulcampus in Muttenz. Ein Mitglied des Naturschutzvereins Muttenz machte die Gemeinde darauf aufmerksam. Diese intervenierte beim Kanton als Bauherr, wodurch im Nachhinein Folien mit einer Musterung auf die Fensterscheiben geklebt wurden. Brügger erklärt: «Diese Musterung ist für uns Menschen fast nicht zu erkennen. Für Vögel ist sie aber sichtbar, wodurch sie die Scheiben als Hindernis wahrnehmen.» Solche Musterungen oder leichte Trübungen von wenigen Prozent könne die Industrie von vornherein in der Produktion herstellen. Eine andere Option bestehe darin, dass die Glasfronten so abgewinkelt werden, dass sie weniger spiegeln. Und wenn doch, erkennen die Vögel darin nicht Bäume, Wolken oder Himmel, sondern unnatürliche Objekte – also Hindernisse.

Brügger ist sich bewusst, dass solche Massnahmen für Bauherren Mehrkosten bedeuten. «Nimmt diese Art des Bauens aber zu, gehen automatisch wegen höherer Stückzahlen die Preise auf dem Markt zurück.» Wegen der Mehrkosten stehe zu Beginn besonders die öffentliche Hand in der Verantwortung. In ihrer Antwort auf eine Interpellation hielt die Regierung 2017 fest, dass die einheimische Biodiversität abnimmt. «Von den 10 350 untersuchten Arten werden 36 Prozent als bedroht eingestuft, 3 Prozent sind ausgestorben und weitere 10 Prozent gelten als potenziell gefährdet.» Tote Vögel durch Glas akzentuieren die kritische Situation.

Künstliche Nester bieten Unterstützung

Neben Anpassungen beim Material können laut Brügger künstliche Nester Unterstützung bieten. Diese können bereits beim Bau eines Gebäudes eingeplant oder nachträglich montiert werden. Gebäudebrüter entdeckten im Laufe der Geschichte Gebäude als Ersatz für natürliche Felsen als Nistplätze. «Doch nicht alle Plätze an Gebäuden sind dafür ideal», gibt der BVN-Geschäftsführer zu bedenken. Um zu verhindern, dass zu viele Vögel ihre Brut wegen ungünstiger Nistplätze verlieren, müssen Nester fachgerecht geplant und montiert werden.

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