In Rickenbach im Hotzenwald auf der badischen Rheinseite kam in einem Waldzeltlager in der Gewitternacht vom 1. auf den 2. August ein 15-jähriger Teilnehmer ums Leben, als zwei Bäume auf das Zelt fielen.

Von Todesfällen und selbst Verletzten blieb das Jugendlager der Christlichen Vereine Junger Männer und Junger Frauen (CVJM und CVJF) beider Basel in Brislach mit insgesamt 440 Menschen zum Glück verschont: Die Gewitterfront streifte Brislach nur leicht; dafür traf es den Ort in der Nacht vom 30. auf den 31. Juli umso heftiger: Die mehrere Meter hohen Zelte, die in den Tagen zuvor aufgebaut worden waren, wurden vom Sturm umgefegt. Zum Glück befanden sich in jener Nacht noch keine Kinder auf dem Gelände entlang des Strässchens zwischen Brislach und Laufen: Die rund 50 anwesenden Helfer konnten im grossen professionell errichteten Versammlungszelt Schutz finden. Der Start des Jugendcamps wurde jedoch um zwei Tage auf den vergangenen Mittwoch verschoben.

Die Sonne brennt; es ist schwül gestern Vormittag, aber keine Gewitter in Sicht. Lagerleiter Martin Pfeifer und sein Team heissen die Medienvertreter auf dem grossflächigen «Campus XVII» willkommen, wie das nach 2012 zweite grosse Zeltlager aller acht Abteilungen des CVJM und des CVJF beider Basel offiziell heisst. «Die Siedler in Ägypten» ist das Motto für die 200 Kinder und ebenso viele Betreuer von 14 Jahren aufwärts: Der Eingang führt durch eine mit Holzlatten nachempfundene Pyramide, vor deren Eingang eine brusthohe Styropor-Sphinx wacht. Die erwähnten grossen Zelte sollen die Pyramiden darstellen. Von den Sturmschäden ist keine Spur mehr zu sehen. «Wir haben unter den Mitgliedern viele Schreiner und Zimmermänner, mit denen der Wiederaufbau schnell ging», sagt Pfeifer stolz.

Enttäuschung bei den Kindern

Überhaupt hätten die Eltern toll reagiert auf die Verschiebung des Starttermins: «Es gab sogar Familien, die die Kinder von Eltern, die in Urlaub fahren wollten, solange bei sich aufnahmen.» Nur bei den Kindern sei die Enttäuschung gross gewesen, denn die zwei Tage fallen ersatzlos aus. Aber auch von diesen indirekten Sturmschäden merkt man am Donnerstagvormittag nichts mehr: Die Kinder toben freudig auf der grossen Grünfläche herum; gerade üben sie sich in Geschicklichkeitsspielen wie Schubkarrenrennen, Seilspringen oder Tischtennisballbalancieren. In einer Gruppe probieren die Kinder sujetgerecht im Wettkampf, sich selbst als Rollholz unter eine Luftmatratze zu legen, die sich so fortbewegt, wie es die räderlosen Ägypter mit den grossen Steinblöcken taten.

Für das Programm ist der junge Christoph Meyer aus Bubendorf zuständig: Ziel des Camps sei es, dass die einzelnen Abteilungen (in Basel-Stadt Quartiere, in Baselland mehrere Gemeinden) zwar für sich in eigener Verantwortung logieren, alle Teilnehmer aber gemeinsam spielen, leben und lernen. So stelle die ganze Gemeinschaft in Anspielung an das Alte Testament nach der Zeit Josefs das Volk Israel dar; die Kinder würden aber auch mit ägyptischen Bräuchen vertrautgemacht. Dass schon Jugendliche ab 14 Jahren in die Betreuerarbeit eingeführt werden, ist ausdrückliches Ziel des CVJM.

Was wäre geschehen, hätte es in Brislach wie in Rickenbach einen Todesfall während des Sturms gegeben? Wäre das Lager trotz des enormen Aufwands abgesagt worden? «Da hätten wir uns abstimmen müssen», meint Pfeifer etwas ratlos. Immerhin berührt das Lager auf Weideflächen nur am Rand einen Wald. Ein Forstwart, ebenfalls Mitglied, habe ihn sich nach dem Sturm angeschaut und sei auch immer vor Ort, sagt Pfeifer.