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Glück in Zeiten der Digitalisierung

«Analog» von Michael Düblin, Bucheinband, Zytglogge-Verlag, 2019. 167 Seiten, ca. 29 Franken

«Analog» von Michael Düblin, Bucheinband, Zytglogge-Verlag, 2019. 167 Seiten, ca. 29 Franken

Der 16-jährige Muttenzer Gymnasiast, Josia Jourdan, betreibt den erfolgreichen Blog «I Love Books» auf www.josiajourdan.ch.

Was wäre, wenn plötzlich das ganze Internet zusammenbrechen würde? Wem könnten wir dann noch vertrauen?

Genau diese Situation spielt sich in Michael Düblins «Analog» ab. Sie legt den Grundstein für den Erfolg des fiktiven Kommunikationsunternehmens Elcomm, das für die ganze Welt eine Alternative zu Google, Apple und Android bietet. Der Protagonist Bernard ist für dieses Unternehmen als Marketingverantwortlicher tätig. Bislang stand er immer hinter den Prinzipien des Zürcher Startups und glaubt, dass die technischen Geräte das Leben bereichern. Doch dann wird er von seinem Chef auf eine Reise durch die USA geschickt. Es sollte eine ganz gewöhnliche Dienstreise werden, aber bald schon entwickelt sich der Trip zu einer Suche nach der Antwort, wie weit die Digitalisierung gehen darf und welchen Preis man dafür bezahlen möchte. Will man Tag und Nacht überwacht werden? Und was, wenn man nicht einmal mehr weiss, ob man mit einem Menschen oder einer Maschine kommuniziert?

Eigentlich ist die Handlung im neuen Roman des Basler Autors unspektakulär und nicht sonderlich aufregend. Trotzdem schafft es Michael Düblin, Spannung aufzubauen. Das gelingt ihm dank mehreren grossen Fragen, die über der Geschichte schweben, sowie den Ausführungen über die Entwicklung der Welt in den letzten Jahren: Wie Bernhard zuerst für das Tagblatt gearbeitet hat, wie dieses pleite ging und wie er schliesslich zu Elcomm kam.

In diesen Erzählungen wird ein düsteres Bild der aktuellen Lage der Medienunternehmen gezeichnet. Am Beispiel von Bernard wird aufgezeigt, wie schwierig es ist, heute noch mit Inhalten Geld zu verdienen. Denn es ist alles kostenlos im Internet erhältlich. Welche Möglichkeiten gibt es also noch für traditionelle Medien?

Andererseits stellen sich die Fragen, inwiefern uns Digitalisierung glücklicher macht und ob wir unser Leben wirklich einem Gerät oder einer Firma verkaufen sollten, nur weil es bequemer ist. Sind wir analog nicht vielleicht doch besser unterwegs?

Mit Bernard als Protagonisten gelingt es Düblin, all diese Fragen auf eine Person anzuwenden und zu zeigen, wo wir als Menschen die Kontrolle über die Digitalisierung verlieren und welche Folgen das haben könnte.

Das Buch entwickelt sich gegen Ende hin von der Dystopie zu einem Science-Fiction-ähnlichen Szenario, und obwohl der Roman nur knapp 170 Seiten umfasst, hat er mich mit einem von Gedanken schwirrenden Kopf zurückgelassen.

Michael Düblin hat nicht nur einen Roman über die Digitalisierung geschrieben, sondern auch über Einsamkeit und die Suche nach Glück. Ein faszinierendes Buch, das zum Nachdenken über unseren Umgang mit der Technik anregt und das ich hiermit weiterempfehle.

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