Peter Schafroth

Gnussmärt Lieschtel: Er entwickelt den Erfolgsanlass weiter

Der neue Genussmarkt-Chef Peter Schafroth sieht noch Steigerungspotenzial. Derzeit umgarnt er mögliche, zusätzliche Standbetreiber.

Der neue Genussmarkt-Chef Peter Schafroth sieht noch Steigerungspotenzial. Derzeit umgarnt er mögliche, zusätzliche Standbetreiber.

Peter Schafroth leitet seit neustem den Genussmarkt Liestal. Der wirkliche Härtetest kommt jedoch erst im Januar.

Der samstägliche Genussmarkt ist zum Aushängeschild der neuen Rathausstrasse geworden. Er zieht seit April viel Publikum nach Liestal. Und jetzt hat dieser Markt auch ein Gesicht: Der in Liestal bestens verankerte Peter Schafroth (60) – er präsidiert auch die Vereine ATV Liestal und Senioren für Senioren – ist seit November der erste Genussmarkt-Chef. Angestellt worden ist er vom eigens für den Markt gegründeten Verein Gnussmärt Lieschtel.

Dessen Präsident ist Thomas Bretscher, bis Ende 2019 auch noch Liestaler Stedtli-Entwickler. Zu den vordringlichen Aufgaben des Marktchefs sagt Bretscher: «Der Genussmarkt braucht Pflege und einen Leader, damit er Bestand hat. Das heisst für den Marktchef, dass er Ideen für die Weiterentwicklung einbringen und dafür sorgen muss, dass die Marktregeln eingehalten werden.» Und zur Person Peter Schafroth meint der Vereinspräsident: «Er hat uns mit seiner Leidenschaft für den Markt und für Liestal, seiner spürbaren Einsatzbereitschaft, seinem Willen, etwas zu bewegen, und seiner Fähigkeit, auf Produzenten zuzugehen, überzeugt.» Dazu komme seine Affinität zu Lebensmitteln.

Grosser Härtetest kommt erst

Damit sind wir beim Grund, wieso Schafroth zwar seit Marktbeginn alternierend mit Bretscher, der Liestaler Stadträtin Regula Nebiker und dem Liestaler Sicherheitschef René Frei an Samstagen am Genussmarkt präsent ist, aber erst jetzt zum Marktchef befördert worden ist: Schafroth arbeitet bis zu seiner vorzeitigen Pensionierung übermorgen Freitag als Lebensmittelinspektor beim Kanton.

Und dieser wollte nicht, dass Schafroth mit einer Doppelrolle in einen Gewissenskonflikt kommen könnte. Schafroth, der sich im Frühling auf den ausgeschriebenen Marktchef-Job mit einer jährlichen Arbeitszeit von 200 Stunden gemeldet hat, freut sich über seine neue Rolle: «Ich trage gerne meinen Beitrag zu diesem sehr gut gestarteten Anlass bei, der in Liestal zu einem Ort der Begegnung geworden ist.»

Wobei für Schafroth klar ist: «Der wirkliche Härtetest kommt im Januar, wenn das Wetter garstig und vor allem das Gemüseangebot beschränkt ist.» Denn zu den grössten Anziehungsmagneten gehört der Birsmattehof aus Therwil mit seinem Bio-Gemüse. Und ein Ausweichen auf marokkanische Peperoni oder spanische Tomaten ist nicht möglich, wenn auf den heimischen Feldern nichts mehr wächst. Dies, weil zu den Grundregeln des Liestaler Genussmarktes gehört, dass das Angebot regional und saisonal sein muss.

Gerade beim Gemüse sieht Schafroth aber auch den grössten Handlungsbedarf: «Nebst den 20 regelmässigen Ständen hätte es auf der Rathausstrasse noch Platz für ein bis zwei zusätzliche Produzenten. Dabei wäre mir am liebsten einer mit IP-Gemüse. Denn nicht alle wollen beim Birsmattehof-Stand zehn Minuten anstehen und können sich das teurere Bio-Gemüse leisten.»

Findet Schafroth weiterhin keinen Anwärter aus dem Baselbiet, dehnt er seine Suche aufs Elsass und Südbadische aus, denn regional heisst beim Genussmarkt maximal aus einem Umkreis von 30 Kilometern um Liestal, und da zählt das nahe Ausland dazu. Ebenfalls schielt Schafroth erwartungsfroh Richtung Läufelfingen und Füllinsdorf: «Es wäre toll, wenn der Dietisberg und Eschbach Micro Leaves mitmachen würden.»

Auch Gewerbler freuen sich

Dem Liestaler Genussmarkt steht aber noch ein weiterer Härtetest bevor: Ab 2019 müssen die Produzenten die im Startjahr erlassenen respektive reduzierten Stand- und Kommunikationsgebühren sowie den obligatorischen Vereinsbeitrag berappen. Schafroth schätzt, dass sich so für einen im Wochenrhythmus präsenten Standbetreiber übers Jahr um die 1000 Franken summieren. Er sagt: «Es ist realistisch, dass der eine oder andere abspringen wird. Aber wir sind offen für Neue.»

Einen andern Härtetest hat der Genussmarkt bereits bestanden: Er wird vom Liestaler Gewerbe überwiegend als Bereicherung geschätzt und nur in Einzelfällen als Konkurrenz empfunden. Dies sagt Michael Bischof, bei KMU Liestal für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Eine allerdings «nicht professionelle, mit Systematik durchgeführte» Umfrage belege das. Bischof: «Der Genussmarkt bringt zusätzliche Leute nach Liestal, von denen auch das hiesige Gewerbe profitiert. Das ist eine fantastische Geschichte.»

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

Meistgesehen

Artboard 1