Bauentwicklung

Goetheanum: Baselland plant ohne Rücksicht auf Solothurn

Bald könnten hier Wohnblöcke stehen und den Blick aufs Goetheanum (ganz rechts) samt Heizhaus davor verstellen.

Bald könnten hier Wohnblöcke stehen und den Blick aufs Goetheanum (ganz rechts) samt Heizhaus davor verstellen.

Neben dem Goetheanum sind Blöcke geplant, aber der Kanton Solothurn weiss von nichts.

In Arlesheim sorgen die Bauprojekte «Schwinbach Süd» und «La Colline – Auf der Höhe» für Aufsehen. Ein Dutzend Wohnblöcke sieht die Bauherrschaft auf einer Wiese vor – unmittelbar neben dem Park, den das Goetheanum umgibt. Entstehen sollen insgesamt rund 88 Wohnungen und 16 Reihen-Einfamilienhäuser.

«Gegen beide Projekte gibt es schwerwiegende Bedenken», sagt Ueli Steiger vom neu gegründeten Verein Initiative zum Schutz des Kulturgutes am Goetheanum (ISKAG). Die Vereinsmitglieder versuchen, die wichtigen Player im Heimat-, Denkmal- und Naturschutz zu mobilisieren. Sie haben von der Fondation Franz Weber auch bereits Unterstützung erhalten bei rechtlichen Abklärungen.

Die kleine Gruppe von Idealisten kämpft jedoch gegen Windmühlen. Denn das Bauinspektorat des Kantons Baselland hat der Generalunternehmung Steiner AG für das Projekt «La Colline – Auf der Höhe» bereits die Baubewilligung erteilt. Die Steiner AG werde «Ausdauer und Engagement aufbringen», um den künftigen Stockwerkeigentümern ein schönes Zuhause zu bieten, heisst es in den Unterlagen zum Vorverkauf der Wohneinheiten.

In Arlesheim sagte die «Gmeini» Ja

Die Baselbieter Baudirektion schreibt auf Anfrage, die Kantonale Denkmalpflege habe keine Beeinträchtigung des Goetheanums sowie des Orts- und Landschaftsbildes festgestellt. Die Arlesheimer Gemeindeversammlung hatte den Quartierplan 2013 durchgewinkt.

Für Ueli Steiger ist nicht nachvollziehbar, wie diese modernen Bauten an einem solch sensiblen Ort bewilligt werden können. «Beide Überbauungen sollen direkt an das Goetheanumareal anschliessen, welches erfasst ist als nationales Kulturgut mit internationaler Bedeutung. Leider scheint bei der Planung beider Projekte keine Rücksicht auf dieses unmittelbar benachbarte Kulturgut genommen worden zu sein», beklagt er. Der Denkmalschutz des Kantons Solothurn sei nicht in die Planungen involviert gewesen. Tatsächlich kämen die südlichen Gebäude der Überbauung «La Colline» nur einen Steinwurf von der Kantonsgrenze zu liegen – und damit fast unmittelbar neben das Glashaus aus dem Jahr 1914 und das Verlagshaus (1924). Damit würde nicht nur die freie Sicht von Norden her auf das Goetheanum teilweise verstellt, auch das Heizhaus (1915) mit seinem expressionistischen Kamin erhielte optische Konkurrenz.

Für «Schwinbach Süd», durchgeführt von Implenia, steht das Baubewilligungsverfahren noch aus. Der Solothurner Denkmalschützer Stefan Blank ist auf jeden Fall hellhörig geworden. Er habe erst vom Verein von den Bauplänen auf Baselbieter Seite erfahren, bestätigt er auf Anfrage des «Wochenblatts». Obwohl das Goetheanum nationalen Schutz geniesst und der Umgebungsschutz auf Solothurner Boden sehr hoch ist, gab es beim Bauprojekt auf Arlesheimer Boden offenbar keine interkantonale Absprache, was auch Stefan Blank «in Unkenntnis» nicht erklären kann.

Anthroposophen machten Überbauung erst möglich

Den Weg für «La Colline» geebnet haben Personen, die den Wert des Goetheanums kennen sollten: Es waren anthroposophische Organisationen, die ihre Grundstücke an die Generalunternehmen veräusserten.

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