Augusta Raurica

«Grand Poetry Slam»: Wichtiges Game steht bevor

Archiv – Augst, 19. August 2017

Zum dritten und letzten Mal findet der trinationale Slam statt.

Archiv – Augst, 19. August 2017

Ein wichtiges Game gegen den Nationalismus steht den neun Poeten beim «Grand Poetry Slam» bevor.

«Ja, was ist denn eigentlich vorgefallen?». Diese Frage wirft der Liestaler Dichter Carl Spitteler während seiner Rede «Unser Schweizer Standpunkt» in den Raum. Und beantwortet sie gleich selbst: «Nichts ist vorgefallen. Man hat sich einfach gehen lassen.» Über hundert Jahre ist es her, seit der Schweizer Literaturnobelpreisträger seine Rede verfasst hat.

Morgen wird diese bedeutende Mahnung von neun Slampoeten aus drei verschiedenen Ländern literarisch verarbeitet. Dass dies ausgerechnet in der dritten und letzten Ausgabe passiert, war von Anfang an so geplant: «Der Höhepunkt der Poetry-Slam-Trilogie soll die Auseinandersetzung mit dem Schweizer Standpunkt zum Jubiläum Carl Spitteler – 100 Jahre Literaturnobelpreis – bilden», sagt Stefanie Klär, Kommunikationsverantwortliche des Theaters.

An Beziehungen muss man ständig arbeiten

Doch geht uns diese Rede aus dem frühen 20. Jahrhundert heute überhaupt noch etwas an? «Definitiv», meint Spitteler-Expertin Stefanie Leuenberger. Die Schweiz befinde sich zwar nicht in der genau gleichen Situation wie vor rund hundert Jahren – umgeben von kriegführenden Ländern – trotzdem gebe es vieles, was heute wieder sehr stark an die damalige Zeit erinnert: «Bei einer derartigen kulturellen Vielfalt ist die Frage nach dem Zusammenhalt und dem Verhältnis zwischen Mehr- und Minderheit naheliegend, sie muss immer erneut gestellt und von jeder Generation beantwortet werden», so Leuenberger.

Jetzt wird auch klar, warum Spitteler davon sprach, dass nichts vorgefallen sei - denn genau darin liegt das Problem: An Beziehungen muss man ständig arbeiten. Gerade in der Schweiz sei das Miteinanderleben von Gruppen unterschiedlicher kultureller Prägung schon immer eine Tatsache gewesen, wie Leuenberger betont. Schon auf sprachlicher Ebene sei mit vier verschiedenen Landessprachen eine ausgeprägte Diversität gegeben.

Die Förderung jenes friedlichen Zusammenlebens streben die neun Slampoeten aus Deutschland, der Schweiz und Österreich an. Sie setzen sich gegen den wieder erstarkenden Nationalismus, das Gegeneinander- statt Miteinanderleben und – einen reisserischen Umgang mit der Sprache ein. Gerade diesbezüglich lokalisiert Leuenberger ein brandaktuelles Problem: «Es wird immer weniger darauf geachtet, woher bestimmte sprachliche Mittel kommen, deren wir uns bedienen. Besonders gefährlich ist die unreflektierte mediale Verbreitung von tendenziösen Begriffen.»

Die relativ junge Kunstform Poetry Slam berge laut Leuenberger ein unglaubliches Potenzial: Sie eignet sich sehr gut dafür, aktuelle Fragen zur Debatte zu stellen, gesellschaftliches Engagement mit Unterhaltung zu verbinden. Ab 19 Uhr ist das Theater am Samstag geöffnet. Tickets können im Vorverkauf oder an der Abendkasse bezogen werden. Moderiert wird der Abend von der Baselbieter Poetry-Slam-Koryphäe Laurin Buser.


   

Samstag, 17. August 2019 Augusta Raurica Augst, ab 19 Uhr, 10 bis 25 Franken
www.theater-augusta-raurica.ch

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