«Inspire»

Graue Panther fordern Datenschutz – und raten vorerst vom Fragebogen der Uni Basel ab

Die grosse Umfrage der Uni Basel will die Gesundheitsversorgung der älteren Bevölkerung in Baselland verbessern.

Die grosse Umfrage der Uni Basel will die Gesundheitsversorgung der älteren Bevölkerung in Baselland verbessern.

Der Senioren-Verein rät, die Umfrage der Universität nicht auszufüllen, bis die Anonymität gewährleistet ist.

Es sind teilweise sehr persönliche und private Fragen, die auf dem Fragebogen des Projekts «Inspire» der Universität Basel zu finden sind. Rund 29'000 Baselbieter, alle über 75 Jahre alt, haben die Umfrage in den letzten Wochen erhalten. Doch erst nach dem Versand wurde klar, dass der Fragebogen nicht anonymisiert ist. Nun äussert sich der Verein Graue Panther Nordwestschweiz in einer Mitteilung und fordert von den Verantwortlichen besseren Datenschutz.

«Die Absicht ist gut, aber die Durchführung ist hochproblematisch», schreibt der Verein. Denn der Schutz persönlicher Daten sei in keiner Weise gewährleistet. «Diese Nicht-Anonymität ist nach Ansicht der Grauen Panther inakzeptabel», heisst es weiter. Dass die Ethikkommission das Vorgehen abgesegnet habe, könne Martin Matter, Sprecher der Grauen Panther, nicht verstehen. «Da besteht schon erheblicher Erklärungsbedarf», sagt er. Es störe ihn besonders, dass nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, dass die Umfrage nicht anonym ist. «Da muss man schon sehr genau hinsehen», so Matter.

Die Konsequenz: Die Grauen Panther haben ihre Mitglieder aufgefordert, den Fragebogen nicht auszufüllen. Sie verlangen, dass die Verantwortlichen das Projekt unterbrechen, es unter Einbezug der beiden kantonalen Datenschützer nachbessern und den Datenschutz gewährleisten. Auch werde man eine detaillierte Auskunft im Landrat veranlassen.

Alt-Nationalrätin will Löschung

Aufmerksam auf das Problem sei man wegen des Artikels dieser Zeitung geworden, sagt Martin Matter – und wegen eines Mitglieds: Angeline Fankhauser, ehemalige SP-Nationalrätin aus Oberwil, hat sich in einer Mail an den Verein gewendet. Sie habe sich bereits über einige der Fragen geärgert, als sie den Fragebogen erhalten habe, sagt sie der bz. So beispielsweise darüber, dass bei der Frage, ob man alleine oder betreut lebe, die Option «mit Partner» nicht separat gewählt werden kann. «Das macht aber einen grossen Unterschied», betont sie.

Auch die Antwortmöglichkeiten bei der Frage nach dem Einkommen seien ihr zu unspezifisch gewesen. Trotzdem hat sie den Fragebogen ausgefüllt und eingeschickt. «Der Rotstab lässt ein Dokument offiziell wirken», sagt sie. Es sei ausserdem nicht schlecht, die Bedürfnisse älterer Menschen zu kennen, so Fankhauser.

Dass ihre Daten nicht anonym behandelt werden, hat Fankhauser erst erfahren, als ihre Tochter, SP-Landrätin Pia Fankhauser, sie darauf aufmerksam machte. «Das hat mich wirklich geärgert», sagt sie. «Tausende Menschen haben die Fragen unter falschen Voraussetzungen gutgläubig beantwortet.» Deshalb forderte sie von den Projektverantwortlichen die Löschung aller Antworten. Eine Reaktion hat Fankhauser bis anhin aber nicht erhalten.

Autor

Kelly Spielmann

Kelly Spielmann

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