Polizei-Grosseinsatz

Wie ein Fehlalarm die Barrakudas nach Bottmingen brachte

Dutzende Polizisten und die Sondereinheit Barrakuda rückten am Donnerstag nach Bottmingen aus. In einem Wohnblock direkt neben der Primarschule Burggarten sei ein bewaffneter und maskierter Mann gesehen worden. Nach vier Stunden kam die Entwarnung: Fehlalarm. Vor allem für die Eltern der 120 Primarschüler war die lange Unsicherheit belastend.

Es war 8.36 Uhr, als die erste Twitter-Meldung der Baselbieter Polizei eintraf: «!!!ACHTUNG!!! Polizeieinsatz in Bottmingen. Bitte umfahren Sie das Gebiet Gustackerstrasse/Burggartenstrasse weiträumig. Weitere Infos folgen.»

Erste Information der Polizei Basel-Landschaft.

Um 12.42 Uhr dann die Entwarnung: «Polizeieinsatz in Bottmingen beendet», lautete der trockene Titel der Medienmitteilung.

Die Polizei vermeldet auf Twitter die Beendigung des Einsatzes.

Dazwischen lagen vier Stunden und sechs Minuten der Unsicherheit. Dass es sich um einen Fehlalarm handelte, blieb bis zuletzt unklar. Die Polizei hatte kurz nach 8 Uhr einen Anruf erhalten: Jemand gab an, dass er eine maskierte und bewaffnete Person gesehen habe, die in ein Mehrfamilienhaus an der Burggartenstrasse gelaufen sei. Eine Person, die zur selben Zeit den Wohnblock verlassen wollte, sei vom Bewaffneten zurückgedrängt worden. Mehr Informationen zur Ursprungsmeldung gibt es nicht. Es genügte aber, um ein Grossaufgebot der Polizei auszulösen. Dutzende Polizisten in Vollmontur rückten aus, darunter auch die Baselbieter Sondereinheit Barrakuda, die ausdrücklich nur bei mittlerem bis hohem Gefährdungsgrad aufgeboten wird.

Eltern der Schülerinnen und Schüler versammeln sich beim Eltern-Treffpunkt, der von der Polizei eingerichtet wurde.

Eltern der Schülerinnen und Schüler versammeln sich beim Eltern-Treffpunkt, der von der Polizei eingerichtet wurde.

120 Schüler mussten im Schulhaus ausharren

Gefahr war für die Einsatzkräfte klar gegeben, liegt die Burggartenstrasse 4/6 doch direkt gegenüber der Primarschule Burggarten. Rund 120 Schülerinnen und Schüler befanden sich gestern Morgen im Schulhaus. Wie die Anwohner mussten auch sie drinnen bleiben. Laut Polizeisprecher Adrian Gaugler wurden die Schüler in der Burggartenstrasse abgewandte Schulzimmer verschoben. Um 9.32 Uhr twitterte die Polizei: «Schule nicht betroffen, keine Gefahr für Schüler.»

Diese Botschaft war es dann auch, die die Polizei in der Folge immer wieder verunsicherten Eltern erklären musste, die vor Ort kamen, um nach ihren Kindern zu sehen. Einige kamen direkt zur mit Absperrband gesicherten Burggartenstrasse, fragten die herumstehenden Polizisten oder die dort versammelten Journalisten. Andere warteten auf einem extra eingerichteten Sammelplatz vor der Schule. Dass sie nicht direkt und schneller von der Schulleitung informiert worden waren, stiess einigen sauer auf: «Ich erfuhr erst um 10 Uhr über einen Eltern-Gruppenchat, dass ein Einsatz bei der Schule läuft. Unsere Kinder müssten schon längst evakuiert werden», sagte etwa ein Vater zur bz. «Die Information der Eltern ist Aufgabe der Schulleitung», sagt dazu Gaugler. Er hält aber fest, dass die Schule aus Sicht der Polizei gut informiert habe. Als die Schüler am Mittag nach Hause durften, hätten sie ein Informationsschreiben erhalten.

Dass man knapp vier Stunden gebraucht hat, um festzustellen, dass an dem Hinweis – nach jetzigem Kenntnisstand – nichts dran war, erklärt Gaugler so: «Wir mussten davon ausgehen, dass eine bewaffnete Person im Haus ist. Erst galt es, abzuklären, wie viele Wohnungen es gibt, wie viele Menschen darin wohnen. Dann durchsuchten unsere Spezialkräfte alles. Das braucht Zeit.» Dass der Täter unerkannt flüchten konnte, schliesst Gaugler aktuell aus, da man sonst Hinweise und Spuren gefunden hätte. Selbstverständlich werde man nun nochmals den morgendlichen Anrufer befragen. Gaugler hält aber fest: «Wir sind auf jeden Fall froh, wenn Leute Verdächtiges melden – und das lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.»

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