Familienpolitik

Grüne fordern: Kanton soll den Landräten eine Kinderbetreuung zur Verfügung stellen

«Das kann eine Betreuungsperson im Umfeld des Regierungsgebäudes sein oder ein Zustupf an bestehende Kindertagesstätten.» Klaus Kirchmayr Grünen-Landrat (Archiv)

«Das kann eine Betreuungsperson im Umfeld des Regierungsgebäudes sein oder ein Zustupf an bestehende Kindertagesstätten.» Klaus Kirchmayr Grünen-Landrat (Archiv)

Ist das nun ein wichtiges familienpolitisches Anliegen oder eher kreativer Übermut nach dem Wahl-Triumph? Grünen-Fraktionschef Klaus Kirchmayr lanciert im Landrat einen Vorstoss zur Einführung einer Kinderbetreuung im Umfeld des Parlaments.

Das Elternsein darf junge Politiker nicht davon abhalten, sich zu engagieren und für den Landrat zu kandidieren. Das findet jedenfalls Grünen-Fraktionschef Klaus Kirchmayr. Mit einem Vorstoss, den er heute im Baselbieter Landrat einreicht, fordert er ein Betreuungsangebot für kleine Kinder im Umfeld der Parlaments- und Kommissionssitzungen. Alleine bei den Grünen sind am Sonntag drei Frauen ins Parlament gewählt worden, die vor nicht allzulanger Zeit Mütter wurden oder es demnächst werden.

Baselland soll ein Zeichen setzen

«Wir planen die neue Legislatur. Dazu gehört auch die Frage, wie die Eltern in unserer Fraktion Betreuungs- und Organisationsprobleme lösen», erklärt Kirchmayr. Er wisse von jungen Müttern und werdenden Vätern in anderen Fraktionen, die womöglich ähnliche Bedürfnisse hätten. Kirchmayr will mit dem Vorstoss auch ein Zeichen setzen. «Ein Betreuungsangebot für kleine Kinder wäre eine Innovation, die schweizweite Ausstrahlung hätte.» Kindertagesstätten kennen einige nationale Parlamente – etwa der Deutsche Bundestag in Berlin.

Doch muss fürs Baselbiet zwingend eine eigene Parlaments-Kita her? Nein, stellt Kirchmayr klar. Wichtig sei, dass ein massgeschneidertes Angebot bereitgestellt werde. «Das kann eine Betreuungsperson im Umfeld des Regierungsgebäudes sein oder auch ein finanzieller Zustupf an bestehende Liestaler oder Wohnorts-Kindertagesstätten.» Das Postulat fordert vorerst eine saubere Bedarfsabklärung. «Zu diskutieren wäre, ob der Kanton dieses Angebot gratis zur Verfügung stellt oder eine Kostenbeteiligung einfordert.»

Bei GLP-Landrätin Regula Steinemann, die vor wenigen Monaten Mutter geworden ist, kommt der Vorstoss gut an. «Das ist eine originelle Idee». Der Kanton habe als Arbeitgeber eine Vorbildfunktion. Mit Verweis auf ihre persönliche Situation betont die Füllinsdörferin: «Stillende Mütter werden dieses Angebot vermutlich weniger in Anspruch nehmen» Komme hinzu, dass sie in den ersten acht Wochen nach der Geburt ihres Kindes gar nicht arbeiten durfte; das gesetzliche Verbot galt auch für ihr Landratsmandat.

Kita für alle Kantonsangestellte?

Halbwegs begeistert reagiert CVP-Landrat Pascal Ryf – er wird im Sommer Vater. «Man kann das sicher mal prüfen.» Er trenne Familie und Politik und habe gemeinsam mit seiner Frau die Betreuung der Tochter bereits aufgegleist. «Ich würde sie jedenfalls nicht mit in den Landrat nehmen.» Auch frage sich, ob er als gewählter Politiker auf dieses Privileg Anrecht haben soll, wo doch viele Angestellte in der Privatwirtschaft die Kinderbetreuung selber regeln müssten.

Ryf gibt noch einen anderen Punkt zu bedenken. «Gibts eine Kita für die Landräte, so muss der Kanton dieses Angebot streng genommen all seinen Angestellten zur Verfügung stellen.» Und das sind Tausende.

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