Grüne Baselland

Grünen-Chefin Florence Brenzikofer tritt zurück

Florence Brenzikofer tritt zurück. (Archiv)

Florence Brenzikofer tritt zurück. (Archiv)

Nach fünf Jahren an der Spitze der Baselbieter Grünen tritt Florence Brenzikofer Mitte August zurück. Die Landrätin aus Oltingen hat die Partei in den letzten fünf Jahren mit ihrer gewinnenden Persönlichkeit und ihrem feinen politischen Gespür stark geprägt.

Das kommt überraschend: Florence Brenzikofer tritt als Präsidentin der Grünen zurück. Dies hat die 41-jährige Landrätin aus Oltingen gestern dem Vorstand und den Präsidien der Ortssektionen der Grünen Baselland mitgeteilt. Nun wird gemäss Mitteilung der Grünen eine Findungskommission eingesetzt, die bis zur Mitgliederversammlung vom 15. August 2017 einen Vorschlag zur Nachfolge bereit haben soll. Die Bewerbungsfrist dafür endet Anfang Juni.

Grüne sprechen von "idealem Zeitpunkt"

Die Grünen erachten den Zeitpunkts des Rücktritts just in der Mitte der laufenden Legislatur als "ideal", um der Nachfolgerin oder dem Nachfolger genügend Vorbereitung bis zu den Wahlen 2019 zu geben.  Brenzikofer wurde am 24. April 2012 zur Präsidentin der Kantonalpartei gewählt - also fast auf den Tag genau vor fünf Jahren. Sie folgte damals auf den Prattler Philipp Schoch, den aktuellen Landratspräsidenten. Brenzikofer politisiert seit 2013 im Landrat, in welchem sie vor einem mehrjährigen Auslandsaufenthalt bereits von 2003 bis 2005 sass.

Die 41-jährige Brenzikofer gilt - ähnlich wie ihre ältere Sissacher Parteikollegin Maya Graf - als gewinnende Persönlichkeit, die politisch ausserordentlich gut mobilisieren kann. Ihre Wohngemeinde Oltingen im Oberbaselbiet ist die Gemeinde mit dem dritthöchsten Wähleranteil der Grünen in der Schweiz. Zumindest zu einem Teil dürfte dies auf den Brenzikofer-Effekt zurückgehen. Mit Erfolg setzte sich die Grünen-Präsidentin in den vergangenen Jahren im Rahmen der Elba-Planung gegen den Bau einer neuen Stadt-Tangente und gegen neue Deponien im Laufental ein. Auch war sie mit ihrer unmissverständlichen Haltung beim U-Abo massgeblich dafür mitverantwortlich, dass die Baselbieter Regierung ihre Pläne zur Streichung der U-Abo-Subventionen aufgegeben hat.

Wiedemann rausgeworfen

Als gemischt darf man ihre Bilanz bei den Wahlen bezeichnen: Unter ihrer Leitung verloren die Grünen bei den Landratswahlen im Februar 2015 fast vier Prozentpunkte und fielen auf ihre Stärke von 2003 zurück (rund 9,5 Prozent Wähleranteil). Immerhin wurde der grüne Sicherheitsdirektor Isaac Reber damals mit dem drittbesten Resultat in die fünfköpfige Regierung wiedergewählt. Zudem fanden die Wahlen für die Grünen unter erschwerten Bedingungen statt: Der Birsfelder Grünen-Landrat Jürg Wiedemann machte sich im Wahlkampf für FDP-Regierungskandidatin Monica Gschwind stark, die prompt gewählt wurde. Nach den Wahlen wurde Wiedemann aus der Grünen Partei ausgeschlossen. Brenzikofer, die selber als Sekundarlehrerin tätig ist, machte sich damals für eine harte Haltung gegenüber dem dissidenten Bildungspolitiker Wiedemann stark.

Mit dem Rücktritt Brenzikofers werden fast alle grossen politischen Kräfte im Kanton innert relativ kurzer Zeit ihr Personal an der Spitze ausgewechselt haben: Erst seit wenigen Wochen ist bei der CVP die neue Parteipräsidentin Brigitte Müller-Kaderli im Amt. Bei der FDP hat Christine Frey Ende März ihren Rücktritt bekanntgegeben; sie geht wie Brenzikofer ebenfalls per Mitte August. Und bei der SP ist Adil Koller nun seit einem Jahr alleiniger Parteipräsident. Am längsten im Amt bei den grösseren Baselbieter Parteien wäre ab Sommer demnach SVP-Chef Oskar Kämpfer, er präsidiert die wählerstärkste Baselbieter Partei seit Frühling 2012.

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