Euphorie herrscht bei den Baselbieter Grünen: 14 Sitze besetzen sie im Landrat künftig, das entspricht einem Plus von sechs Mandaten gegenüber 2015. Zieht man in Betracht, dass die Grünen vor vier Jahren kurz nach den Wahlen wegen der Querelen um das Komitee «Starke Schule Baselland» zwei Landräte verloren, so darf man gar von mehr als einer Verdoppelung der Mandate sprechen.

Weitere Fakten untermauern den Wahlerfolg: Etwa, dass die einstige Kleinpartei im ländlichen Oberbaselbiet zur zweitstärksten Kraft aufgestiegen ist. In einzelnen Gemeinden wie dem Bezirkshauptort Sissach sind die Grünen seit diesem Sonntag gar die Nummer eins.

Neue Sitzverteilung im Landrat.

Neue Sitzverteilung im Landrat.

Ein Sieg, aber kein Erdrutschsieg

Die Baselbieter Grünen haben das beste Resultat ihrer Geschichte eingefahren. Nach den Zürcher Wahlen vom Vor-Wochenende kommt dies freilich nicht ganz überraschend: Im Baselbiet ist vor dem Hintergrund der Klimadebatte in etwa dasselbe eingetreten wie im grössten Schweizer Kanton. Allerdings konnten hier die Grünliberalen nicht gross profitieren und bleiben eine Kleinpartei.

Relativiert wird der Wahlerfolg der Grünen zudem durch den Vergleich mit 2011: Wenige Wochen nach «Fukushima» brachten sie es auf 12 Landratssitze; gegenüber dem damaligen Glanzresultat konnten sie gestern also «nur» um zwei Sitze zulegen. Von einem Erdrutschsieg zu sprechen, wäre vor diesem Hintergrund vermessen.

Gestärkt aus den Wahlen gehen auch die Sozialdemokraten hervor. Neben der Rückkehr in die Regierung konnten sie im Parlament leicht zulegen und sind nun mit 22 Sitzen stärkste Fraktion im Landrat. Dieses neue und symbolisch nicht unbedeutende Superlativ hat sie allerdings weniger eigenen Zugewinnen als vielmehr den grossen Verlusten der SVP zu verdanken.

Die SP war im Baselbiet bereits in den späten Neunziger- und frühen Nullerjahren stärkste politische Kraft. Allerdings war das rot-grüne Lager noch nie stärker als nach der gestrigen Wahl: Ab dem 1. Juli besetzt es 36 der 90 Landratssitze. Rechnet man die EVP und die GLP (die den Status quo halten konnten) sowie den Mitte-Sitz der früheren Grünen-Landrätin Regina Werthmüller hinzu, so kommt das ÖkoLager gar auf 44 Sitze. Zumindest in finanz- und wirtschaftspolitischen Fragen stimmt die GLP allerdings meist mit den Bürgerlichen.

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Volatile Mehrheitsverhältnisse

Die Kräfteverhältnisse werden in der kommenden Legislatur volatiler. In den vergangenen vier Jahren brachten es SVP und FDP auf genau die Hälfte der 90 Sitze. Gemeinsam mit der CVP ergab das bei vielen Geschäften ungefährdete bürgerliche Mehrheiten. Im neuen Landrat kommen SVP und FDP gemeinsam noch auf 38 Sitze, gemeinsam mit der CVP sind es 46 Sitze. Das entspricht auf bürgerlicher Seite exakt der Situation nach der Fukushima-Wahl 2011.

Ein kleines Marignano erlebte die SVP. Die bis anhin wählerstärkste Partei im Kanton büsste sowohl in ihren Stammlanden im Oberbaselbiet als auch in der Agglomeration, wo sie in den vergangenen Jahren stark zulegen konnte, massiv an Wähleranteilen und Sitzen ein.

Die Verluste kommen nicht überraschend: Nach dem Fraktionsausschluss der beiden Allschwiler Landräte Roman Klauser und Pascale Uccella (die jetzt mit ihrer neu gegründeten AVP grandios scheiterten) gab selbst der um forsche Ansagen nicht verlegene Parteichef Oskar Kämpfer die Devise «Sitze halten» heraus. Dass die Baselbieter SVP dermassen massiv tauchte, ist die zweite Konsequenz des auch in Zürich und in Luzern feststellbaren Mega-Trends Klimaschutz.

Demgegenüber konnten die Freisinnigen ihren Besitzstand von 2017 (17 Sitze) verteidigen, was deren Vertreter mit gemischten Gefühlen aufnahmen: Einerseits hatte man sich nach etlichen kantonalen Wahlsiegen in den vergangenen drei Jahren wohl mehr erhofft; die Baselbieter FDP hatte im Vorfeld denn auch öffentlich das Ziel von 20 Sitzen (+3) formuliert.

Anderseits liess die Niederlage vor Wochenfrist in Zürich und die ersten Resultate aus ländlichen Kleingemeinden weitaus Schlimmeres befürchten. Solide Ergebnisse in mehreren Agglo-Gemeinden retteten den Freisinnigen den Tag.

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CVP im Baselbiet solide

Solide steht nach dem Baselbieter Wahltag auch die CVP da: Zum dritten Mal in Folge erzielen die Christdemokraten acht Sitze. Gemessen an vielen Niederlagen in anderen Kantonen seit 2015 wird die Baselbieter CVP dieses Resultat als Erfolg verbuchen, insbesondere, weil sich die Partei in ihren Laufentaler Stammlanden in bärenstarker Verfassung präsentiert und sogar noch leicht zulegen konnte.

Summa summarum hat das Baselbieter Volk an diesem Wahlsonntag vor allem den Rechtsrutsch von 2015 korrigiert und in groben Zügen die Verhältnisse von 2011 hergestellt. Mit einem Unterschied: Die Mitte-Partei BDP, die damals vier, und seit 2015 noch einen Sitz besetzen konnte, ist aus dem Baselbieter Parlament verschwunden.