Was als Partnertausch oder auch als «flotter Vierer» gedacht war, erlebte ein 14-jähriges Mädchen als Gruppenvergewaltigung: Das Strafgericht in Muttenz verurteilte am Dienstag zwei Männer und sprach eine weitere beteiligte Frau frei.

Die sexuellen Übergriffe fanden im Mai 2010 an einer privaten Party in Laufen statt: Alle Beteiligten hatten schon reichlich roten Wodka und Bier intus. Die 14-Jährige hatte sich zuvor übergeben müssen und legte sich danach in einem Zimmer aufs Bett.

Der genaue Ablauf blieb vor Gericht unklar, zumal das Opfer wie auch die Angeklagten immer wieder widersprüchlich ausgesagt hatten und sich nachträglich an viele Details nicht mehr erinnern konnten.

Klar ist allerdings, dass eine damals 20-jährige Frau sowohl mit ihrem damals 23-jährigen Freund wie auch mit seinem gleichaltrigen Kumpel Sex haben wollte. Der Freund war nicht begeistert, stimmte aber zu, und während er mit seiner 20-jährigen Freundin schlief, vergewaltigte sein Kumpel nebenan auf derselben Matratze die 14-Jährige. Danach wechselten die beiden Männer jeweils die Frau, die Geschichte wiederholte sich.

Nur Bewährungsstrafen

Für den Kumpel ging das Gericht nebst der sexuellen Handlung mit einer Minderjährigen auch von einer Vergewaltigung an einer zum Widerstand unfähigen Frau aus, was juristisch als Schändung bezeichnet wird. Er erhielt eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren und muss 8000 Franken Genugtuung an das Opfer bezahlen.

Die Party war von seiner damals ebenfalls 14-jährigen Schwester organisiert worden. Er hätte wissen müssen, dass das Opfer noch so jung war. Auch von ihrem übermässigem Alkoholkonsum an jenem Abend habe er gewusst.

Für den Freund der 20-Jährigen gab es eine Verurteilung wegen Sex mit der Minderjährigen, allerdings habe er deren Alter lediglich fahrlässig zu hoch eingeschätzt, befand das Gericht. Er erhielt sieben Monate bedingt und muss dem Opfer 1000 Franken bezahlen. Fotos von früheren Partys zeigten das Opfer stark geschminkt und aufreizend gekleidet, so das Gericht.

Die Opfervertreterin hatte eine Genugtuung von insgesamt 75'000 Franken von den drei Angeklagten verlangt, das Gericht liess für die Differenz den Zivilweg offen. Vollumfänglich freigesprochen wurde die damals 20-jährige Frau, die den Partnertausch an jenem Abend angeleiert hatte.

Fall geht wohl vors Kantonsgericht

Zwar hatte sie vor den Augen der 14-Jährigen Sex, doch für ein «Einbeziehen in sexuelle Handlungen» verlangt das Bundesgericht direkten Vorsatz – und das war hier laut Gericht nicht gegeben. «Von ihrem ganzen Auftreten her war klar, dass sie mitmachen wollte», hatte die Frau vor Gericht gesagt. In einer Einvernahme hatte sie die 14-Jährige als «Schlampe» bezeichnet.

Nach der Anzeige sass die 20-Jährige drei Tage in Untersuchungshaft, dafür erhält sie nach dem Freispruch 600 Franken ausbezahlt. Die beiden Männer sassen eine Woche lang in Haft.

Staatsanwältin Anne-Kathrin Goldmann hatte für alle drei Angeklagten eine teilbedingte Strafe von 2,5 Jahren gefordert, davon ein Jahr unbedingt. Sie sah in der 20-jährigen Frau die treibende Kraft hinter den sexuellen Übergriffen. Der Fall dürfte wohl noch ans Kantonsgericht weitergezogen werden.

Nach der Pädophilen-Initiative wären beide Männer mit einem lebenslangen Berufsverbot für den Umgang mit Kindern belegt worden, doch die Umsetzung ist noch im Gang. Die Revision durch das Parlament sieht ein Berufsverbot für zehn Jahre vor, sie tritt aber erst im Jahr 2015 in Kraft.