Der grosse Wurf ist es nicht. Das sagt Monica Gschwind – auf Nachfrage der bz – selbst. Die Baselbieter Bildungsdirektorin sieht ihren «Masterplan Sekundarstufe II», den sie heute Montagabend präsentiert hat, aber als eine Art Startschuss für mehr: «Es wird noch ganz viel von mir kommen innerhalb des nächsten Jahres, das kann ich garantieren.» Der Masterplan selbst birgt jedoch auch einiges, das noch viel zu reden geben wird – oder es bereits getan hat. So wurde nun offiziell bestätigt, was die bz bereits vorletzte Woche publik gemacht hatte: die strukturelle und räumliche Fusion der Gewerblich-industriellen Berufsfachschulen Liestal und Muttenz zu einem Berufsbildungszentrum Baselland. Dies im bisherigen Turm der Fachhochschule auf dem Polyfeld in Muttenz. Neu ist, dass der Kanton durch die Zusammenlegung die heute benötigte Fläche der Gewerbeschulen von 17000 auf 12000 Quadratmeter reduzieren möchte.

Gym Muttenz: Umzug innerhalb des Polyfelds

Doch das allein verdient noch nicht das Label «Masterplan». Auch die heute auf mehrere Gemeinden verteilten Brückenangebote sollen zu einem «Zentrum für Brückenangebote Baselland» zusammengefasst werden – und auch das auf dem Polyfeld. Am gleichen Ort ist für die Verwaltungseinheiten des Amts für Berufsbildung und Berufsberatung sowie das Berufsinformationszentrum (BIZ) eine Zusammenlegung geplant. Und das Gymnasium Muttenz inklusive FMS soll innerhalb des Polyfelds umziehen. Bloss die «vertiefte Kooperation» der Berufsfachschule Gesundheit Baselland und des Bildungszentrums Gesundheit Basel-Stadt findet nicht in Muttenz, sondern in Münchenstein an alter Stätte statt.


Was die Euphorie etwas drosselt am ganzen Umzugsreigen, ist der Zeitplan. Denn bevor mit der Gewerbeschulen-Fusion der erste Schritt beginnt, schreiben wir das Jahr 2024. Der ganze Masterplan reicht bis 2032 (siehe Box unten). «Ich hätte mir auch gewünscht, dass es schneller geht und alles etwas greifbarer wird», sagt Gschwind. Aber dadurch, dass alles ohne teure Neubauten oder Provisorien und nur mittels aufwendiger Sanierungen realisiert werde, sei es nicht anders möglich.


Fünf Gym-Standorte sind «unbestritten»
Was die bz bereits aufzeigte, bestätigte sich auch bei der Präsentation im Landratssaal: Am kritischsten sieht Gschwinds Pläne die Stadt Liestal. Stadtrat Daniel Muri beschwerte sich, nicht rechtzeitig vom Kanton informiert worden zu sein. Der Vorwurf steht im Raum, dass der Kantonshauptort zugunsten von Muttenz und dem Polyfeld-Areal benachteiligt wird. «Das ist kein Votum gegen Liestal, sondern eines für eine starke Berufsbildung», sagt Gschwind. Ihre Hoffnung ist klar: Sie möchte von der Strahlkraft des grossen Neubaus der Fachhochschule Nordwestschweiz auf dem Polyfeld profitieren. Ob Liestal dafür als Wiedergutmachung Universitäts-Standort werden darf, bleibt freilich offen: «Das werden wir sehen», sagt Gschwind.


So sehr sich alles um Muttenz dreht, auch die anderen vier Gymnasium-Standorte könnten vor Veränderungen stehen: Gschwind hat einen Prüfauftrag erteilt, ob sich eine Zentralisierung der Fachmaturitätsschulen (FMS) lohnt, die zurzeit noch an allen Gymnasien ausser Laufen angesiedelt sind. «Keine Denkverbote», lautet das Motto. Eines gibt es aber für Gschwind dennoch: «Die Gymnasien brauchen rein von den Schülerzahlen fünf Standorte. Das ist unbestritten.»