Gebührenerlass

Günstiger Sterben in Münchenstein: Gemeinde kommt Hinterbliebenen entgegen

Die Gemeinde erlässt die Gebühren für Bestattungen.

Die Gemeinde erlässt die Gebühren für Bestattungen.

Die Gemeinde Münchenstein hebt die Bestattungsgebühren auf und bezahlt noch einen symbolischen Beitrag zur Unterstützung der Angehörigen.

Gut tausend Franken Gebühren erhebt die Gemeinde Münchenstein pro Bestattung. Enthalten sind darin die Grabgebühren und der Arbeitsaufwand der Gemeindeangestellten für die Aufbahrung, die Beisetzung, die Überlassung eines Sarg- oder Urnenreihengrabes oder einer Urnennische, das Ausheben und Wiedereinfüllen des Grabes, die Lieferung einer einheitlichen Grabtafel und die ordentlichen Verrichtungen des mit der Bestattung beauftragten Friedhofpersonals.

Die Gemeinde erlässt auf Verlangen der SVP, deren Antrag dazu an der Versammlung im März als erheblich erklärt wurde, diese Gebühren und bezahlt den Angehörigen Verstorbener als «symbolischen Unterstützungsbeitrag» zusätzlich 300 bis 500 Franken.

Damit befindet sich Münchenstein gemäss Gemeinderat René Nusch (SVP) mit den Bestattungskosten im Unterbaselbieter Durchschnitt. Gratis sind Bestattungen deswegen aber noch längst nicht. Drittleistungen wie die Kremation oder der Leichentransport bleiben kostenpflichtig.

Für SVP-Präsident Stefan Haydn ist eine unentgeltliche Bestattung selbstverständlich. «Wenn man Steuern zahlt, sollte eine Bestattung mindestens dazugehören. Wenn man stirbt, sollen die Angehörigen zu ihrer Trauer nicht noch Gebühren zahlen müssen.»

Der Gemeinderat stellte dem SVP-Antrag einen Gegenvorschlag zur Seite. Während die SVP allen im Münchensteiner Gemeindebann Verstorbenen die Bestattungsgebühren erlassen wollte, möchte der Gemeinderat nur jene unentgeltlich bestatten, die zu ihrem Todeszeitpunkt ihren gesetzlichen Wohnsitz in Münchenstein hatten. Damit fallen unter anderem Unfalltote und Bewohner des Alters- und Pflegeheims, die ursprünglich nicht in Münchenstein wohnten, weg. Die SVP konnte mit der Änderung im Gegenvorschlag leben.

Familiengräber werden günstiger

Münchenstein erhebt seit 2003 Bestattungsgebühren. Damals befand sich die Gemeinde in finanzieller Schieflage. Dazu kam unter anderem die Abschaffung der Erbschaftssteuer, was die Gemeindekasse zusätzlich belastete. In den vergangenen 15 Jahren nahm die Gemeinde über die Bestattungsgebühren rund zwei Millionen Franken ein.

Mit der neuen Regelung entfallen der Gemeinde ausgehend der Zahlen von 2017 jährlich rund 150'000 Franken. Für Familiengräber und Familienurnengräber erhebt die Gemeinde weiterhin Gebühren. Diese werden aber reduziert.

Kritik am revidierten Friedhofreglement kam vor allem von links. Arnold Amacher (Grüne) sprach von einer «Subvention einzelner» zulasten der gesamten Bevölkerung. «Es kann nicht sein, dass man bei einem Vermögen von über 150'000 Franken noch die Bestattung subventioniert.» Denn bisher erhielten Verheiratete und Alleinstehende bei einem Vermögen von unter 150'000 Franken beziehungsweise 75'000 Franken eine Gebührenreduktion oder sogar einen Gebührenerlass.

Zudem kämen alle, die eine günstigere Bestattung wählen, zum Beispiel die Urne mit nach Hause nehmen oder die Asche im Wald oder Fluss verstreuen, mit der getroffenen Regelung schlechter weg, da sie davon weniger profitieren. Doch Arnold Amacher war mit seiner Kritik nahezu chancenlos. Die Schlussabstimmung zur unentgeltlichen Bestattung fiel mit 90 Ja- zu 57 Nein-Stimmen relativ deutlich aus.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1