Das Gymnasium Münchenstein hat fast ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel. Gestern erlebte es seinen zweiten Spatenstich. Beim ersten im Dezember 1969 war die Welt aber noch eine andere – das ist schon daran zu erkennen, dass es sich damals gar nicht um einen Spatenstich handelte, sondern eher um eine Fällung.

Paul Manz, Vorsteher des Baselbieter Amts für Bau- und Landwirtschaft, durfte für den Festakt eine Föhre umlegen. Davon zeugt ein Foto, das den Regierungsrat zeigt, wie er gerade daran ist, das Blatt einer beeindruckend grossen Kettensäge in den mächtigen Stamm zu treiben.

Drei Jahre später, 1972, wurde das zweite Gymnasium des Kantons Baselland an seinem heutigen Standort eröffnet (schon ab 1964 war in Baracken im Zentrum Münchensteins unterrichtet worden). Gestern, 46 Jahre später, folgte der Spatenstich Nummer zwei: für den dringend benötigten Erweiterungsbau. 

Dieses Mal jedoch wurde der Anlass seinem Namen gerecht, was wohl ganz dem Wunsch der Baselbieter Baudirektorin Sabine Pegoraro entsprach. Bei den Festreden in der Aula war das Foto von Manz nochmals gezeigt worden, und als Pegoraro das Wort ergriff, ging sie darauf ein. «Ich bin froh», sagte sie, «dass ich nicht mit so einer riesigen Säge im Park hantieren muss, sondern nur mit einer Schaufel. Das bin ich mir besser gewohnt.»

Bäume mussten zwar einige weichen für das neue Gebäude. Sie waren aber alle schon verschwunden, als die Regierungsrätin gestern mit kräftiger Mithilfe von sieben Mitstreitern am Bauplatz für die Kameras posierte.

Für die Erweiterung sind knapp 20 Millionen Franken veranschlagt. Das Gebäude schliesst im östlichen Teil nahtlos an die Schulbauten an. Es wird dreigeschossig und bietet Platz für 22 zusätzliche Klassenzimmer, für einen grossen Gruppenraum, für Lehrerarbeitsplätze und für Sportinfrastruktur. Auch eine Mensa wird der Erweiterungsbau aufnehmen, die gab es am Gym Münchenstein bisher nicht.

Zusammengepferchte Schüler

Rektor Gabriel Hänggi zeigte als «Beweis» für die misslichen Raumverhältnisse in seiner Schule einige Fotos. Auf einem ist zu sehen, wie sich die Schülerinnen und Schüler auf dem Boden kauernd verköstigen, weil es an Sitzgelegenheiten mangelt. Ein anderes Foto zeigt die Enge in den Klassenzimmern. «Sie sind für 16 Personen konzipiert», sagte Hänggi. «Wie wir wissen, liegt die maximale Klassengrösse heute bei 24 Schülerinnen und Schülern.» Auch seien Tische und Schränke Sonderanfertigungen, die schmaler seien als Standardmodelle.

In die Schlagzeilen geriet das Gymnasium im November 2014 – aber nicht wegen der Enge, sondern wegen einer Schüleraktion. Aus Protest gegen die kalten, zugigen Klassenzimmer verlegten Schüler den Unterricht kurzerhand nach draussen. Das wirkte: Die Baselbieter Regierung sagte Sofortmassnahmen zu und stellte in Aussicht, die geplante Renovation vorzuziehen.

Ende 2014 genehmigte der Baselbieter Landrat einstimmig einen Baukredit über 23 Millionen Franken, um das Hauptgebäude zu erneuern und umzubauen. Bereits 2010 hatte das Kantonsparlament über 20 Millionen Franken für eine Fassadensanierung gesprochen. Sie ist bereits abgeschlossen.

Die Arbeiten am Sockelbau werden 2020 beendet sein. Bis dahin hat der Erweiterungsbau seine Bewährungsprobe aber wohl schon längst hinter sich: Sein Bezugstermin ist für Herbst 2019 angesetzt.