Regierungs-Rochade

«Gysin setzte Pegoraro unter Druck»

Foto: MTO

Philipp Schoch kritisiert Pegoraros Wechsel in die Baudirektion.

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Grünen-Präsident Philipp Schoch sieht in Hans Rudolf Gysin den Strippenzieher für den überraschenden Departements-Wechsel von Regierungsrätin Sabine Pegoraro.

Völlig überraschend tritt Regierungsrätin Sabine Pegoraro die Sicherheitsdirektion an den neu gewählten Grünen Isaac Reber ab. Damit schnappt Pegoraro ihrem Kollegen die Baudirektion weg. Für Grünen-Präsident Philipp Schoch klar ein politischer Schachzug.

Herr Schoch, haben sich mit diesem Direktionswechsel die Bürgerlichen durchgesetzt?

Philipp Schoch: Ich weiss nicht, ob man von den «Bürgerlichen» reden kann. Hingegen hat FDP-Mann Hans Rudolf Gysin von der Wirtschaftskammer wahrscheinlich schon sehr viel Einfluss genommen auf diese Direktionsverteilung. Einmal mehr.

Gysin hat bei den FDP-Regierungsräten Adrian Ballmer und Sabine Pegoraro Druck gemacht?

Ja. Sabine Pegoraro hat sicher nicht gesagt, «so, jetzt war ich acht Jahre in der Sicherheitsdirektion, jetzt gehe ich in die Baudirektion».

An der Medienkonferenz hat sie eine Einflussnahme aber abgestritten.

Das ist klar. Sie kann ja nicht gut sagen, dass sie ferngesteuert ist.

Diese Direktions-Rochade ist also ein FDP-Misstrauensvotum gegen Isaac Reber?

Nicht unbedingt. Mir ist einfach schleierhaft, warum Sabine Pegoraro jetzt zwingend Baudirektorin werden muss. Offen ist auch, ob sie im Jahr 2015 nochmals antritt. Tut sie es nicht und kommt es erneut zu einem Wechsel in der BUD, ist das ungeschickt. Doch vielleicht ist diese Neu-Verteilung für die Bürgerlichen aus ihrer Sicht «das kleinere Übel».

Schweizweit gesehen, ist es in der Tat selten, dass eine Schlüsseldirektion wie die BUD von einem Grünen geführt wird.

Von diesem Gesichtspunkt her verstehe ich die Rochade sogar: Wir Grünen sind die Neuen in der Regierung, das ist eine grosse Herausforderung. Regierungsrat Reber muss sich zuerst in den Betrieb einarbeiten. Für einen solchen Neustart ist die SID vielleicht besser geeignet als zum Beispiel die BUD. Denn die SID ist sicher nicht die schwierigste Direktion.

Ist denn die SID eine Direktion, in der man gar nichts falsch machen kann?

Natürlich kann man in jeder Direktion viel falsch machen. Doch in der SID gibt es einfach nicht so die grossen, politisch heissen Eisen.

Trotzdem, Hand aufs Herz: Die BUD wäre schon Ihre Wunschdirektion gewesen?

Wenn man die beruflichen Qualifikationen anschaut, würde es Sinn machen, dass ein Raumplaner und Energie-Fachmann wie Isaac Reber die Baudirektion leitet und eine Juristin wie Sabine Pegoraro die Justizdirektion. Es ist sehr schade, dass Isaac Reber nicht zeigen kann, was er in der Baudirektion geleistet hätte. Denn ich bin überzeugt, dass er viele Leute mit seinen pragmatischen Lösungen positiv überrascht hätte. Doch für uns Grüne war es in erster Linie wichtig, überhaupt einmal ins Regierungsgremium zu kommen.

Mit der SID hat Reber aber definitiv wenig am Hut, auch wenn man seine bisherige parlamentarische Arbeit ansieht.

Ja, grundsätzlich sagen sogar wir Grünen: Die SID läuft gut. Es besteht kein dringender Handlungsbedarf wie in der Spital- oder der Finanzpolitik. Was sich mit Reber jedoch ändern wird, ist der Kommunikationsstil. Er wird mehr Transparenz und einen offeneren Umgang mit Herausforderungen einbringen. Inhaltlich ist klar, dass wir beim Harassenlauf oder bei der Hanfpolitik nicht auf der gleichen Linie sind wie Pegoraro, und dass Reber da sicherlich Akzente setzen wird.

Gehen Sie zusammen mit Isaac Reber an den Harassenlauf?

Am 1. Mai arbeite ich im Spital. Es wäre sicher nicht schlecht, wenn Reber sich ein Bild machen würde von der Situation. Doch im Prinzip ist der Harassenlauf unbedeutend.

Gibt es in der SID überhaupt irgendwelche «Baustellen»?

Zuerst wird Reber sich einarbeiten. Dann finden sich sicher Themen. Es ist beispielsweise erstaunlich, wie sich der Justizapparat in den letzten Jahren aufgebläht hat – dort könnte man korrigierend eingreifen und diesen Bereich wieder etwas abbauen, auch mit Blick aufs Sparen.

Stichwort Sparen: Hätte Reber da nicht viel lieber wenigstens die Gesundheitsdirektion (VGD) statt jetzt die SID übernommen?

Ja und Nein. Die Schwierigkeit in der VGD wäre gewesen, dass er sich innert kürzester Zeit in sehr schwierige Dossiers hätte einarbeiten müssen. Für einen Regierungsanfänger hat die SID darum auch Vorteile.

Nur profilieren kann man sich damit kaum.

Doch. Ich denke, über den Stil kann Regierungsrat Reber sich profilieren. Das Volk und die Medien werden mit Argusaugen darauf schauen, was dieser Neue, dieser Grüne da macht. Lassen wir uns positiv überraschen.

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