Landrat

«Habe rechtzeitig die Bremse gezogen, um ein Burnout zu verhindern»

Urs-Peter Moos.

Urs-Peter Moos.

Der streitbare BDP-Politiker Urs-Peter Moos tritt bei den Wahlen 2015 nicht mehr an. Im Landrat werden angeblich einige nicht unglücklich sein, dass der «Wutpolitiker» nicht mehr will.

Das Baselbieter Parlament verliert eine seiner schillerndsten Persönlichkeiten: Urs-Peter Moos (41) wird bei den Wahlen vom 8. Februar 2015 nicht mehr antreten, berichtete die «Basler Zeitung» gestern. In seiner Wohngemeinde Binningen galt der ehemalige SVP- und nun BDP-Politiker lange Zeit als Querulant. Zu gute halten muss man Moos, dass er mit seinen vielen Beschwerden meist Recht erhielt.

Seit 2011 politisiert Moos im Baselbieter Landrat, seit 2012 zudem im Binninger Gemeinderat. Mit seiner Anzeige gegen die Landratskollegen Hanspeter Weibel (SVP) und Gerhard Schafroth (GLP) wegen Amtsgeheimnisverletzung blitzte der Gerechtigkeitsfanatiker 2013 ab. Im vergangenen Sommer sah man Moos vor laufender Kamera bei einer Baustellen-Prügelei. Im Landrat werden einige nicht unglücklich sein, dass der «Wutpolitiker» («Schweiz am Sonntag») nicht mehr antreten will.

Herr Moos, weshalb verabschieden Sie sich nach nur vier Jahren aus dem Landrat?

Urs-Peter Moos: Ich habe in den letzten acht Jahren sehr intensiv politisiert. Im Sommer ging ich erstmals seit langer Zeit wieder in die Ferien. Da reifte der Entschluss, meine Tätigkeiten neu zu sortieren. So habe ich auf Ende Oktober meine langjährige 40-Prozent-Stelle gekündigt. Wenn ich mich im Sommer 2015 aus dem Landrat zurückziehe, dann möchte ich mich vorerst auf mein Gemeinderatsmandat konzentrieren. Seit es in diesem Frühling für Binningen darum ging, den Absprung vom Kabelnetzbetreiber Inter-GGA zu schaffen, habe ich als zuständiger Gemeinderat ein 100-Prozent-Pensum zu bewältigen. Mit dem Entscheid habe ich rechtzeitig die Bremse gezogen, um ein Burnout zu verhindern.

Weshalb treten Sie nicht aus dem zeitaufwendigeren Gemeinderat aus?

In einem Exekutivamt sind die Möglichkeiten bedeutend grösser, politisch etwas zu bewegen. Ich habe immer gesagt, dass die Anliegen meiner Wohngemeinde für mich an erster Stelle stehen. Ich verhehle allerdings nicht, dass der Rücktritt schmerzt. In meiner Doppelfunktion als Gemeinde- und Kantonspolitiker konnte ich wertvolle Synergien nutzen. Dies wird nicht mehr im bisherigen Rahmen möglich sein.

Ist Ihrem Rücktritt ein Streit mit der Partei vorausgegangen?

Überhaupt nicht. Nachdem ich für mich persönlich den Entscheid gefällt hatte, informierte ich Parteipräsidentin Marie-Therese Müller. Lange blieb das unter uns, was ich sehr schätze. Meine Ankündigung ist einen ordentlichen Weg gegangen. Ich politisiere gerne bei der BDP.

Dann bereuen Sie also Ihren Parteiwechsel von der SVP zur BDP nicht?

Es war richtig, dass ich mich von der SVP Binningen gelöst habe. Ich bin keine Marionette, die sich fernsteuern lässt. Die BDP ist die Partei, bei der ich eine grosse Übereinstimmung mit meinen Meinungen finde. Ich spüre in der Partei viel Offenheit und Toleranz, wenn ich oder andere Mitglieder in einer Sachfrage mal eine andere Meinung vertreten. Allgemein halte ich den Einfluss der Parteien auf einzelne Parlamentarier für zu gross. Viele Politiker getrauen sich nicht, konsequent den eigenen Überzeugungen zu folgen. Das ist nicht im Interesse der Demokratie.

Sie stehen gewiss noch nicht im Herbst ihrer Politkarriere. Werden wir 2019 ein Comeback von Urs-Peter Moos auf Kantonsebene erleben?

Was in vier Jahren sein wird, kann ich nicht sagen. Sie können aber davon ausgehen, dass ich 2016 bei den Gemeinderatswahlen in Binningen wieder antreten werde. Ein Comeback im Landrat in einigen Jahren kann ich mir vorstellen. Wie Sie womöglich wissen, bin ich als Leichtathlet zahlreiche Rennen über 1500 und 5000 Meter gelaufen. Wir Langstreckenläufer haben einen langen Atem.

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