Prognosen sind schwierig. Besonders, wenn sie die Zukunft betreffen. Dieses geflügelte Wort trifft das Dilemma vor Wahlen ziemlich gut. Dennoch ist eine Vorhersage, wer bei den Landratswahlen vom 31. März profitieren und wer einbüssen könnte, mehr als Kaffeesatzlesen.

Da gibt es zum einen die nationalen Trends, die aufgrund von Bevölkerungsbefragungen festhalten, wie die einzelnen Parteien in der Gunst der Wähler stehen. Dazu helfen jeweils Parlamentswahlen anderer Kantone, den Trend zu festigen oder zu relativieren.

Tatsächlich zeichnet sich national aktuell ein ziemlich klares Bild ab. Es lässt sich einfach zusammenfassen: «Links-Grün gewinnt leicht», sagt Cloé Jans. Die Politologin des Forschungsinstituts gfs Bern benennt dafür mehrere Gründe. So sei ein Gegentrend zum sich verbreitenden Populismus feststellbar, hin zu mehr Solidarität.

«Die Linke schafft es, wieder stärker zu mobilisieren», sagt Jans. Vor allem, wenn die Kräfteverhältnisse knapp seien, könne dies motivieren, wählen zu gehen, da der Bürger dann das Gefühl habe, dass seine Stimme etwas verändern kann. Das trifft auf Baselland zu, wo SVP und FDP seit 2015 im Landrat genau die Hälfte der 90 Sitze halten.

Bei der Baselbieter SP könnte zudem die Zeit in der Opposition ohne eigenen Regierungsrat eine zusätzliche Mobilisierung bewirken, die auch auf den Landrat wirkt. Aber auch die Fokusthemen der Parteien spielen eine besondere Rolle.

«Umwelt- und Klimaschutz ist zurzeit ein sehr wichtiges Thema», sagt Jans. Sie geht davon aus, dass die Grünen schweizweit deutlich zulegen, stärker auch als die SP. Die Politologin schliesst für Baselland nicht aus, dass die Grünen praktisch all ihre Sitzverluste von 2015 wieder ausgleichen können. Nutzniesser des Ökologie-Trends könnte auch die GLP sein. Im Gegensatz zur BDP sieht sie Jans national gut aufgestellt.

SVP und CVP unter Druck

Die nationalen Trends sehen auch die FDP im Hoch. Inwiefern die Nein-Parole zur Spitalfusion, die zwar scheiterte, aber vom Baselbieter Stimmvolk deutlich angenommen wurde, negativ auf die Partei wirkt, ist unklar. Auch wenn die FDP zulegen sollte, könnte die bürgerliche Dominanz im Landrat gebrochen werden, sofern die SVP schwächelt.

«National ziehen die klassischen Themen der SVP zurzeit weniger», sagt Jans. Allerdings: In Baselland feierte die SVP vergangenes Jahr mit der Motion zur Kürzung der Sozialhilfegelder mit einem klassischen Thema im Landrat einen grossen Erfolg.

Wenig Hoffnung hegt Jans national für die CVP. Sie teilt sie klar den «Verliererparteien» zu. In Baselland sprechen aber zwei Gründe dafür, dass die hiesige Kantonalpartei trotzdem zulegen könnte: «Starke Köpfe können für eine Partei die Rettung sein», sagt Jans.

Tatsächlich tritt die Baselbieter CVP mit einigen profilierten Politikern an. Und: Da sie sich unter Präsidentin Brigitte Müller-Kaderli eher Mitte-Links positioniert hat, könnte die Partei vom allgemeinen Links-Trend vielleicht auch profitieren.

Bloss etwas steht im Hinblick auf den 31. März in jedem Fall fest: Nur wer wählen geht, kann etwas bewirken.