Das Bild der Öffentlichkeit von den beiden Brüdern aus Ettingen, den Hauptprotagonisten des Therwiler Händedruck-Streits, scheint nach tagelanger medialer Berichterstattung gemacht zu sein. Der «Blick» rückte gestern den älteren der Beiden in die Nähe von IS-Sympathisanten und führte als Beweis die Verlinkung von entsprechenden Videos auf seiner Facebook-Seite an. Ausserdem attestierte ihm die Boulevardzeitung in ihrer Online-Berichterstattung aufgrund derselben Grundlage eine «Bewunderung» für den deutschen Salafisten und radikalen Prediger Pierre Vogel.

Die These, die im Brief der Therwiler Schulleitung an den Kanton ebenfalls angedeutet wird, lautet: Die beiden Schüler sind aufgrund ihres Werdegangs und des familiären Hintergrunds auf dem Weg zur Radikalisierung oder bereits radikalisiert worden. Ihr Vater soll als Anhänger der Muslim-Brüderschaft in den 1980er-Jahren vor dem Assad-Regime aus Syrien in die Vereinigten Arabischen Emirate geflüchtet sein, wo er dann offenbar eine Ausbildung zum Imam durchlief.

Vor 13 Jahren, als auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten die Verfolgung der Muslim-Brüder einsetzte, floh er weiter in die Schweiz. Seine beiden Söhne sind in der Region aufgewachsen und hier eingeschult worden. Ob der Vater der beiden 14- und 15-jährigen Sekundarschüler noch immer an Freitagen in der Moschee der Islamischen König-Faysal-Stiftung an der Basler Friedensgasse predigt, ist unklar.

Keine Wahhabiten

Laut Angaben der Stiftung nehmen an den in Arabisch gehaltenen Freitagsgebeten rund 200 bis 300 Gläubige aus zahlreichen Ländern teil. Ein anonymer Gönner der Muslim World League, also der Islamischen Weltliga in Mekka, finanziere die Stiftung sowie die laufend anfallenden Kosten. Nabil Arab, der Verwalter der König-Faysal-Stiftung, verneint hingegen ausdrücklich, dass es sich beim Vater oder anderen Gemeindemitgliedern der Moschee um Wahhabiten saudischer Prägung handle; ebenso wenig um Anhänger eines sonst wie gearteten radikalen Islams. Den beiden Söhnen und ihrem Vater, die er gut kenne, gehe es einzig darum, ihr Leben möglichst nahe nach dem Vorbild des Propheten Mohammed zu gestalten, wie Nabil Arab in einem Beitrag der SRF-Nachrichtensendung «10 vor 10» ausführte. Ein Basler Politiker mit Kontakten zur König-Faysal-Stiftung stützt diese Darstellung gegenüber der bz. Für eine direkte Stellungnahme war gestern aber keiner der Beteiligten erreichbar.

Ebenfalls gegenüber «10 vor 10» warnt der Berner Islamwissenschaftler Reinhard Schulze, aufgrund der Handschlag-Verweigerung eine Hysterie loszutreten: «Wir haben es hier mit einer lebensweltlichen Islam-Interpretation zu tun, wo in einer puritanischen Art und Weise der Islam als eine Ordnung gesehen wird, wie sich Menschen ganz allgemein verhalten. Das hat nichts mit Politik oder Durchsetzung von Geltungsansprüchen zu tun.»