Corona-Interview

Handwerker dürfen noch ran, aber keiner will sie – ein Sanitär warnt: «In einem Monat gibt es Konkurse»

Sanitär-Firmen sind in Zeiten der Corona-Krise nur noch bei Notfällen gefragt. (Symbolbild)

Sanitär-Firmen sind in Zeiten der Corona-Krise nur noch bei Notfällen gefragt. (Symbolbild)

Wegen Corona will niemand Handwerker in der Wohnung – und viele bezahlen ihre Rechnungen nicht mehr.

Neben Ärztinnen und Krankenpflegern sind sie die letzten, die in der Corona-Krise noch arbeiten dürfen: Handwerker wie Sanitäre, Schreiner oder Spengler. Doch profitieren können die Betriebe davon nicht – im Gegenteil. Sie stehen teils kurz vor dem Konkurs, wie Markus Ribi, Inhaber eines Sanitär- und Spenglereigeschäfts in Basel und Präsident der Vereinigung Schweizerischer Sanitär- und Heizungsfachleute, im Interview sagt.

Herr Ribi, was hat die Corona-Krise für Auswirkungen auf Ihr Geschäft?

Markus Ribi: Ich kann es vielleicht so verdeutlichen: Sie sind heute erst die dritte Person, die bei uns anruft, normalerweise hätten wir um diese Zeit, 11 Uhr morgens, rund 20 Telefonate von Kunden, die uns Aufträge geben wollen.

Das heisst, das Geschäft bricht komplett ein?

Die unmittelbarste Auswirkung ist, dass viele Leute Termine absagen, weil sie keine Handwerker im Haus wollen. Die Aufträge werden in den Herbst geschoben. Man kann den Menschen dafür keinen Vorwurf machen: Der Bund sagt ja, man solle Kontakt mit Fremden meiden. Aber für uns ist die Konsequenz, dass wir nur noch für Notfälle aufgeboten werden. Also, wenn das Wasser wirklich aus der Decke läuft.

Wie gross ist bei Ihnen der Umsatzverlust?

Diese Woche waren es 40 bis 60 Prozent. Wir sind kein Einzelfall. Ich denke, wir sind repräsentativ für die ganze Branche. Hinzu kommt, dass die Kunden teils ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Wir haben grosse Zahlungsausstände; in den vergangenen 14 Tagen kam praktisch gar nichts mehr rein. Die Leute scheinen mit dem Bezahlen abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt.

Überleben die Betriebe das?

Wenn das länger als ein Monat so geht, werden wir reihenweise Konkurse haben. Ich kenne keine Firma, die Reserven aufbauen konnte. Die Margen sind bei uns – wie im ganzen Baugewerbe – sehr tief. Und was man einnimmt, investiert man sofort wieder. Die Situation ist wirklich ernst. Auch wenn die Handwerker bald wieder arbeiten könnten: Die Zahlen werden zum Jahresabschluss tiefrot sein. Und dann müsste man auf verständnisvolle Banken hoffen, die Kredite vergeben.

Und was passiert, wenn auch für Ihre Branche bald der totale Stopp kommt?

Dann hänge ich den Schlüssel an die Tür, und gehe ins Joggeli baden. Heisst: Wir wären in spätestens einem Monat Konkurs.

Der Bund hat rund zehn Milliarden für die Finanzierung von Kurzarbeit gesprochen. Hilft Ihnen das nicht?

Die Löhne sind das eine. Wenn diese gedeckt sind, ist das super. Aber bei uns machen die anderen Fixkosten rund 50 Prozent aus, zum Beispiel der Unterhalt der Autos, die Miete oder Computerprogramme. Das kostet alles auch, wenn wir nicht arbeiten. Und ehrlich gesagt, die zehn Milliarden Franken des Bundes sind ein Witz, angesichts dessen, worauf wir gerade zusteuern.

Auf Baustellen darf laut der Bundesratsverordnung weiter gearbeitet werden. Was bedeutet das für Sie?

In der Realität laufen nur die Grossbaustellen weiter. In Basel wartet man bei kleineren Projekten mit dem Bauen im Frühling meistens bis nach der Fasnacht. Jetzt kann man nicht mehr anfangen, denn was, wenn plötzlich ein Stopp verfügt wird? Dann hat man enorme Kosten. Die einzige Baustelle, auf der wir momentan arbeiten, ist die meines Schwiegersohns.

Wie ist die Stimmung innerhalb Ihres Verbandes?

Schlecht. Niemand weiss, wie es weitergehen soll. Die Grossfirmen können sich noch einigermassen über Wasser halten. Aber die Kleinen, die vom Tagesgeschäft leben, nicht. Unsere Tessiner Mitglieder sind völlig verzweifelt.

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