Die Schulen haben es mit neuen Störenfrieden zu tun: Kaum eine Pause vergeht, ohne dass die Schüler ihre SMS beantworten oder ihr Facebook-Profil checken. «Die neue Realität ist eine Scheinrealität. Die Schüler schenken den Freunden, die in den Ferien sind, heute oft mehr Beachtung als ihren Klassenkollegen», sagt Thomas Rätz, Rektor des Gymnasiums Liestal.

Das gleiche Bild in Laufen: «Kaum verlassen die Schüler das Schulzimmer, stecken sie ihre Nase in das Handy. Das Sozialleben auf dem Pausenplatz nimmt immer mehr ab», sagt der Rektor des Gymnasiums Laufen, Isidor Huber. Vor den Herbstferien bestimmte der Konvent, dass in Laufen die Schule für drei Wochen handyfrei wird. Die strenge Regel: Nicht nur während des Unterrichts war der Gebrauch verboten, sondern auch auf dem Pausenplatz.

«Das Aha-Erlebnis war gross», berichtet Huber, das Sozialleben erwachte wieder zum Leben. Plötzlich spielten die Schüler wieder Bodenschach oder Tischtennis und unterhielten sich in der Sitzlounge. Das Projekt wurde von den Schülern dennoch nicht nur positiv aufgenommen, wie Huber betont.

Besonders auf Gym-Niveau (unter dem Dach des Gymnasiums befindet sich in Laufen auch das Progymnasium) hätten sich einige Schüler auch genervt. Derzeit berät eine Steuergruppe, bestehend aus Lehrern, wie in Laufen künftig die Handybenutzung geregelt werden soll.

Ein Quartal das Handy abgeben

Ein permanentes Handyverbot in einem Gymnasium wäre im Baselbiet einzigartig. Weder in Oberwil noch in Liestal ist die Benutzung der Natels in der Hausordnung geregelt. Der Lehrer bestimmt - und lässt den Schülern dabei gelegentlich freie Hand. «Man darf das Natel nicht verteufeln, es kann auch sehr nützlich für den Unterricht sein», sagt Rätz und führt das Beispiel von Literaturrecherchen auf. In der Regel gilt aber auch in Liestal, dass es im Unterricht nicht benutzt werden darf.

Dass eine liberale Handhabe durchaus auch Probleme mit sich bringen kann, musste Oberwil erfahren. In einer Klasse «überbordete» der Konsum, wie Rektor Werner Baumann sagt. Die Lehrer haben nun beschlossen, dass in dieser Klasse das Natel während eines Quartals vor dem Unterricht abgegeben werden muss. Ein flächendeckendes Handyverbot in der Schule hält man in Liestal und Oberwil aber für ausgeschlossen.

«Ich denke nicht, dass es etwas bringt, wenn man das auf der ganzen Schule verordnet. Ich würde bevorzugen, wenn man einen solchen Handyverzicht auf freiwilliger Basis und klassenweise organisieren würde», sagt Rätz. Und in Oberwil könne von einem eingeschlafenen Sozialleben, wie es Huber in Laufen beobachtet, nicht die Rede sein. «Der Töggelikasten ist immer gut besetzt», sagt Baumann, der dem Kulturpessimismus über den Handykonsum nicht viel abgewinnen kann.

Keine Gnade bei Betrügern

Wenn es um die missbräuchliche Verwendung von Handys während Prüfungen geht, gelten die gleichen strengen Regeln in allen Schulen. «Ein Natel gehört dann nicht auf den Tisch. Zu schnell passiert es, dass jemand eine Prüfung fotografiert und abspeichert», sagt Rätz. Im Hinblick auf die Maturaprüfungen wird er zudem deutlich: «Wer das Handy bei der Matur benutzt, gilt als Betrüger.»