«Wäre er nicht in unser Leben getreten, wäre ich heute noch bei der Polizei und eine rechtschaffene Bürgerin», sagte die 46-jährige Frau am Donnerstag vor dem Baselbieter Strafgericht. Zusammen mit ihrem Ehemann betrieb sie vom Sommer 2013 bis Februar 2015 eine Indoor-Hanfplantage im eigenen Keller in Böckten, das Paar machte als «Hanfpolizei» damals grosse Schlagzeilen. Im September 2015 akzeptierten beide in einem abgekürzten Verfahren die Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz mit bedingten Freiheitsstrafen von 16 und 22 Monaten. Die Rede war von banden- und gewerbsmässigem Handel. Die Strafe des Mannes war leicht höher, weil er zusätzlich gegen das Waffengesetz verstossen hatte.

Deal mit Stawa verweigert

Diese Woche mussten die zwei Ex-Polizisten allerdings erneut vor dem Baselbieter Strafgericht antreten, diesmal als Zeugen. Ein heute 49-jähriger und in Birsfelden wohnhafter Niederländer hatte damals seinen «Deal» mit der Staatsanwaltschaft (ausgehandeltes Strafmass: 20 Monate bedingt) überraschend verweigert und wurde deshalb nun regulär angeklagt. Wie er am Donnerstag sagte, wollte er damals unbedingt aus der Untersuchungshaft und habe deshalb den Deal unterzeichnet. Wegen Fluchtgefahr blieb er allerdings inhaftiert und sass mit insgesamt sechs Monaten eine deutlich längere Haftzeit als die Polizisten ab und fühlte sich deshalb unfair behandelt.

Die Idee für die gemeinsame Hanfplantage sei damals nicht von ihm gekommen, er habe auch nie selbst geerntet oder verpackt, und vor allem habe er auch nie Cannabis verkauft. Die Abmachung mit den zwei Polizisten sei gewesen, dass er als Spezialist für die Aufzucht von Hanf als Berater fungiere. Die Ex-Polizistin widersprach. Er sei wie ihr Ehemann etwa zu 45 Prozent an der Arbeit beteiligt gewesen, sie selber hingegen nur zu zehn Prozent. «Ich sagte damals schon der Staatsanwaltschaft, ich fühle mich eher als Gehilfin. Mir wurde dann angeboten, als Mittäterin im abgekürzten Verfahren abzuschliessen. Für mich spielte das keine Rolle, ich habe meinen Job verloren und war durch den Eintrag im Strafregister belastet», sagte die Frau.

Verteidiger Christian Von Wartburg betonte, sein Mandant werde zum «Bösen» abgestempelt und nahm vor Gericht beide Ex-Polizisten ins Kreuzverhör. «Hatten Sie nie ein schlechtes Gewissen, dass Sie quasi einen Zivilbürger in den Abgrund geritten haben?», fragte er. «Ich sehe das umgekehrt, er hat uns in den Abgrund geritten», antwortete die Frau. «Ich selber habe nie direkt einen Kunden beliefert», sagte danach auch ihr Ehemann. Das Geld habe der Niederländer direkt von den Kunden einkassiert und dann 20 Prozent für sich behalten. Der Verteidiger erinnerte ihn gar an den Eid, den er als Polizist abgelegt hatte. «Wir sind schwach geworden. Aber die Initiative ging nicht von uns aus», meinte der ehemalige Polizist.

Mittäter oder nicht?

Staatsanwalt Daniel Stehlin bewertete die Aussagen des Ehepaares als glaubwürdig, der Tatbeitrag des Niederländers sei ebenfalls als Mittäterschaft einzustufen. «Die zwei Polizisten hätten auch einfach sagen können, wir haben unseren Keller einem Holländer vermietet. Das hätte vielleicht sogar funktioniert, aber das haben sie nicht gemacht.» Er forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten für den 49-Jährigen.

Von Wartburg hingegen forderte eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen, sein Mandant sei bloss wegen Gehilfenschaft in Bezug auf die Betäubungsmitteldelikte zu verurteilen. «Er war kein klassischer Mittäter, das sieht man schon an der Aufteilung des Gewinns. Was in Ihrem Keller geschieht, können Sie nicht einem Holländer in die Schuhe schieben. Das ist Ihr Polizeikeller», wetterte der Verteidiger. Seit einem Monat arbeitet der 49-Jährige bei einer Firma für «Agrarprodukte». «Gibt es da auch Dünger, Samen und Stecklinge?», fragte die Gerichtspräsidentin. «Da gibt es alles», war die Antwort. Das Urteil fällt heute.