Im Baselbiet ist Hans Furer einer breiten Öffentlichkeit als Landrat der Grünliberalen geläufig. In der Stadt kennt man seine Anwaltskanzlei Furer + Karrer, in der auch der ehemalige Regierungsrat Hans Martin Tschudi als Partner tätig ist. In der Basler Kunstszene hat Furer den Ruf eines Strippenziehers. Was ausserhalb seines Bekanntenkreises bisher indes kaum jemand wusste: Der 58-jährige Bottminger malt seit 40 Jahren; am Montag tritt er an der Vernissage seines Werkverzeichnisses erstmals als Künstler an die Öffentlichkeit.

Der Anwalt, Politiker und Kunstförderer nimmt an Wochenenden den Pinsel in die Hand. Das Atelier liegt im Dreispitzareal, zu Furer passend genau auf der Kantonsgrenze. Malen ist so gesehen sein Hobby. Doch Furer sagt selbstbewusst: «Es würde mich beleidigen, wenn man sagen würde: ‹Das ist einer, der neben seinem Beruf noch etwas malt.›» Weshalb hat er dann nicht voll auf die Karte Künstler gesetzt? Furer antwortet mit viel Sinn für Realismus. «Da wäre ich wohl untergegangen.»

Gleichwohl bezeichnet Furer das Malen als wichtigste Tätigkeit in seinem Leben. «Es ist die Basis für alles, was ich kulturell auf die Beine gestellt habe. Durch meine eigene künstlerische Tätigkeit habe ich gelernt, mich in Kulturschaffende reinzudenken.» Als Sekretär des Basler Volkswirtschaftsbundes, dem heutigen Arbeitgeberverband, lancierte er 1987 den Verein Kulturräume Allschwil, das damals grösste Atelierprojekt der Region. Sponsoren aus dem Umfeld des Volkswirtschaftsbundes halfen mit, Künstlern günstige Räume zur Verfügung zu stellen, indem sie die Differenz zwischen verbilligtem und ordentlichem Mietpreis beglichen.

Picasso und Chagall an der Wand

1993 machte sich Furer gemeinsam mit Theater-Architekt Rolf Gutmann stark, die provisorisch aufgestellte Skulptur «Intersection» von Richard Serra in Basel zu behalten. Die Frage löste eine breite Debatte über den Sinn von Kunst im öffentlichen Raum aus und mündete 1994 im Fasnachtsmotto «Que serra – s kunnt, wie s kunnt». Die Initiatoren brachten schliesslich durch private Sponsoren die eine Million Franken zum Ankauf der Plastik zusammen. «Damals wurde die Serra-Plastik als Schrotthaufen beschimpft, heute ist sie ein Vielfaches wert. Auch Basel Tourismus wirbt damit», sagt Furer mit einer gewissen Genugtuung.

Stolz ist Hans Furer noch auf eine andere Grosstat im Kunstbereich: Er war massgeblich beteiligt, dass die Privatsammlung Im Obersteg 2002 ans Kunstmuseum Basel überführt wurde. Eine Anekdote aus Furers Jugend zur Bekanntschaft mit der Familie Im Obersteg erklärt einiges: Furer lieferte im Auftrag seines Vaters, der Treuhänder von Jürg Im Obersteg war, eine Schachtel Gutzi an dessen Domizil an der Petersgasse. «Ich wurde in die Stube gebeten und sah Unglaubliches: Originale von Picasso, Chagall, Jawlensky, Kandinsky.» Bedeutende Werke der Klassischen Moderne, die heute, 40 Jahre später, für jedermann zugänglich im Kunstmuseum Basel hängen.

Hans Furer beschloss damals, später selber als Sammler aktiv zu werden. Dies, obwohl Kunst in seiner Familie keine besondere Tradition gehabt habe, wie er einräumt. Zwar besucht der kunstbegeisterte Junge mit den Eltern Ausstellungen und Museen. Auch nimmt er gemeinsam mit dem Vater an Malkursen der Migros teil. Doch als im Hause Furer der Berufswunsch von Hans diskutiert wird, stellt der Vater klar: «Von der Kunst kannst du nicht leben. Zuerst lernst du etwas Handfestes.» Also versucht er seit den 1970er-Jahren, Leidenschaft und berufliche Tätigkeit unter einen Hut zu bringen.

Kalkulierte Provokationen

Heute, 40 Jahre später, öffnet Furer sein Werk. Seit 1980 erstellt er quadratische, ein Mal ein Meter grosse Gemälde. 800 sind es mittlerweile geworden und sie sind im Atelier auf dem Dreispitzareal streng nach Jahrgang geordnet. Im Gegensatz zu anderen Künstlern weiss Furer genau, welches an welchem Wochenende entstanden ist. Er sieht in seinem künstlerischen Schaffen denn auch eine klare inhaltliche Konzeption. Weshalb tritt er damit ausgerechnet jetzt an die Öffentlichkeit? Eine schlüssige Antwort vermag er nicht zu geben. In inhaltlicher Umkehrung zum Zitat von Che Guevara sagt er: «Der Apfel fällt vom Baum, wenn er reif ist.»

Furer ist keiner, der die Kunst intellektuell verklärt. Gleichwohl stellt sie für ihn einen integralen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens dar. Seit Hans Furer 2011 für die GLP in den Baselbieter Landrat gewählt wurde, versucht er, als origineller Ideengeber diese Haltung in die Politik einzubringen. Mit seinem ersten Vorstoss sorgte der bunte Vogel im Parlament für kalkulierten Ärger: Das Wandgemälde im Landratssaal mit dem Bauer, der von Hand sein Korn aussät, sei durch eine zeitgemässere Darstellung zu ersetzen. Selbstverständlich sei das Fresko von Otto Plattner und Emilio Müller von 1932 zu erhalten; im Landratssaal müsse Baselland aber so dargestellt werden, wie er sich heute präsentiere: als moderner Industrie- und Dienstleistungskanton. Der Furz Furers, wie manche spotteten, wurde in Bausch und Bogen verworfen.

Kultur als Wirtschaftsförderung

Auch bei kulturpolitisch bedeutenden Fragen drängt Furer auf eine Bewusstseinsänderung: Er habe grossen Respekt vor den Leistungen der Volkskultur; er erwarte aber umgekehrt, dass die Zentrumsfunktion der Stadt in der Kunst im Baselbiet akzeptiert werde, sagt Furer. «Im Fussball ist die Sache für alle verständlich: Der FC Liestal kann nicht gegen Salzburg gewinnen, da muss der FC Basel ran.» Ein FC Basel notabene, der von der Klubleitung über den Trainer und die Spieler als FC beider Basel fungiert. Auch ärgert sich Furer darüber, dass die standortpolitische Bedeutung der Kultur für die Region im Baselbiet zu wenig gewürdigt wird. «Ich sage immer wieder: Kulturförderung ist auch Wirtschaftsförderung.» Eine Aussage, die Furers Philosophie gut zusammenfasst. Seine herausragende Leistung war und ist es, Menschen, Lebenswelten und Ideen zu verbinden. Hans Furer, der Vermittler, der Ermöglicher.