Am kommenden Donnerstag lässt der Birsfelder Gemeinderat die Katze aus dem Sack. Dann wird er an einer öffentlichen Infoveranstaltung erklären, über welche Zentrumsplanung die Gemeindeversammlung im Dezember abstimmen wird. Bereits im Frühling hatte der Gemeinderat das Projekt «Camillo» vorgestellt. Über die Umgestaltung des Ortskerns wird seit über einem halben Jahrhundert gestritten.

Entsprechend gespannt ist man jetzt in Birsfelden, welche Änderungen der Gemeinderat nach dem ausführlichen Mitwirkungsverfahren vorgenommen hat - und es kursieren Gerüchte. Eines davon hält sich hartnäckig. Mehrere Personen erklären gegenüber der bz, sie hätten gehört, die Birsfelder Verwaltung solle in das Gebäude einziehen, in dem sich derzeit die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) befindet. Der Bau steht an der Ecke Schulstrasse-Hauptstrasse. «Camillo» sah bisher vor, die Verwaltung in ein neu zu erstellendes Gebäude bei der heutigen Post einzuquartieren. Derzeit ist sie an der Hardstrasse, einem Standort, der als unbefriedigend gilt und den die Gemeinde gewinnbringend verwerten möchte.

Gemeindepräsident Christof Hiltmann (FDP) will das Gerücht weder bestätigen noch dementieren. Immerhin verrät er, dass der Gemeinderat Gespräche mit der Bank führe, und sagt: «Das BLKB-Gebäude ist Bestandteil unserer Überlegungen zur Zentrumsplanung.»

Schliesslich befinde es sich im Planungsperimeter, und die BLKB habe schon vor einiger Zeit angekündigt, ihr Standortkonzept zu überdenken. «Wenn sich da etwas tut, dann ist es sinnvoll, sich zu überlegen, was rein könnte.» Auch die BLKB schafft das Gerücht nicht aus der Welt. Auf Anfrage erklärt sie, ihre Niederlassung in Birsfelden bleibe bestehen. «Sie wird im Rahmen der Neuausrichtung unserer Filialen zu einer Selbstbedienungsbank umgebaut.» Das schliesst aber den Einzug der Gemeindeverwaltung offenbar nicht aus. Denn weiter schreibt die Bank, man stehe zurzeit «bezüglich der Zukunft und der weiteren Nutzung des Gebäudes mit der Gemeinde Birsfelden in Kontakt». Weiteres wolle man «zu gegebener Zeit» kommunizieren.

Geduld bis zum 8. November

Bisher war die Gemeinde für die noch zu erstellenden Gebäude der Zentrumsplanung die einzige Nutzerin, die bereits feststand. Für alle anderen geplanten Bauten – für die 165 Wohnungen und die kommerziellen Nutzungen – müssen noch Investoren und Nutzer gefunden werden. Nach dem Rückzug der Verwaltung in ein bereits existierendes Gebäude könnten sich potenzielle Geldgeber abgeschreckt fühlen. Doch das befürchtet Christoph Meury nicht. Der Kulturunternehmer macht sich seit Monaten für die Zentrumsplanung stark und meint: «In Birsfelden ist die Nachfrage nach Wohnraum riesig. Da ist es kein Problem, einen institutionellen oder genossenschaftlichen Investoren zu finden.»

Die Verwaltung im BLKB-Gebäude sieht er als «positiven Push» an. Er erinnert an die häufigste Kritik, die im Mitwirkungsverfahren in den vergangenen Monaten geäussert worden ist: Die Zentrumsplanung sei zu dicht, es gebe zu wenig Grün- und Freiraum. «Eine Umlagerung der Verwaltung würde Luft verschaffen, man könnte das Areal etwas anders gestalten.» Die Zentrumsplanung werfe auch ohne neues Gebäude für die Gemeindeverwaltung Baurechtzins ab – und der sei dem Gemeinderat beim ganzen Projekt erklärtermassen das Wichtigste.

Ebenfalls dem Gerücht Positives abgewinnen kann SP-Vorstandsmitglied Florian Schreier, der der Zentrumsplanung kritisch gegenübersteht. «Zieht die Gemeindeverwaltung in ein fertig erstelltes Gebäude, geht das rasch, und dann können wir bald aus dem alten Standort an der Hardstrasse etwas machen.» Dem steht eine Aussage von Gemeindepräsident Hiltmann zumindest nicht entgegen. Dieser sagt nämlich: «Bei der Zentrumsplanung hängt alles zusammen. Wenn tatsächlich die Verwaltung ins Bankgebäude zieht, hat das Auswirkungen auf unsere ganze Planung.» Und er ruft zu Geduld auf: «Lassen Sie sich überraschen, was wir am 8. November präsentieren. Es hat einige Änderungen gegeben.»