Tour de Suisse

«Hast Du Grossmutter gesehen?» – Das Radsport-Spektakel in der Region

Tausende Tour-de-Suisse-Zuschauer säumten die Strassen – beim Etappenziel in Arlesheim herrschte Volksfest-Stimmung.

«Unglaublich dieses Tempo. Und hast du den Wind gespürt?» Das Staunen über die erste Zieldurchfahrt knapp vor 16.30 Uhr war im Publikum nicht zu überhören. Mit über 60 Kilometern pro Stunde verfolgte das Hauptfeld die vierköpfige Spitzengruppe auf der Talstrasse durch Arlesheim. Kurze Zeit später war es um die Ausreisser geschehen.

Als die Spitzengruppe zum ersten Mal die Abfahrt von Hochwald nach Dornach hinunter in Angriff nahm, rechnete Gabriel Saladin noch nicht mit einem Massensprint. «Über zwei Minuten Vorsprung. Das sollte auf diesem kurvigen und hügeligen Terrain auf der Zusatzschlaufe doch reichen.» Doch der passionierte Hobbyfahrer lag mit seiner Prognose daneben. Es kam auf der Talstrasse zum «Königssprint».

Gabriel Saladin stand schon lange vor der ersten Zieldurchfahrt mit seinem Sohn Pascal rund 45 Meter vor dem Zielbanner. Die besten Plätze an den Absperrungen am Streckenrand waren heiss begehrt. Wer dahinter etwas sehen wollte, musste entweder auf die Zehenspitzen stehen oder irgendwo hinaufklettern, was zahlreiche Kinder auch versuchten.

Während die Fahrer wieder auf der Zusatzschlaufe waren, verfolgten die Zuschauer im Zielgelände das Rennen auf den Grossleinwänden. Die beiden Saladins aus Duggingen kommentierten dabei jeden Abschnitt. «Jetzt sind sie bei Oski bei der Scheune», bemerkte Gabriel. «Und da, hast Du Grossmutter gesehen?» Die Strecke führte vor dem Haus der Saladins in Duggingen durch.

Der Aufstieg nach Seewen und Hochwald und die anschliessende Abfahrt kennt Vater Gabriel von den eigenen Ausfahrten bestens. «Wenn sie in Duggingen links nach Seewen abbiegen, das ist ein harter Siech», analysierte er den Aufstieg durch den Wald. Für den Hobbyfahrer war es «etwas ganz Besonderes», dass die Radprofis quasi auf «seinen» Strassen unterwegs sind.

Fans aus der ganzen Welt

So ging es am Dienstag vielen im Zielgelände und an der Strecke, die mit dem eigenen Velo im entsprechenden Outfit gekommen sind. Nicht zu übersehen war das Ehepaar Hrebikova aus der Slowakei, die extra für Superstar Peter Sagan während zehn Tagen dem Tross der Tour de Suisse nachreisen.

Ausgerüstet im Trikot des ehemaligen Weltmeisters und mit der Slowakei-Flagge mit extra langer Stange feuerten sie ihr Idol lautstark an. Für die Veranstalter hatten die erfahrenen Radsportfans nur lobende Worte übrig. «Das ist hier sehr toll organisiert. Man findet sich schnell zurecht. Wirklich schön das ganze Festgelände.»

Die Hrebikovas waren längst nicht die einzigen Zuschauer am Strassenrand, die nicht Deutsch sprachen. Arlesheim wurde zum Hotspot für Radsportfans aus der ganzen Welt.

Weiter gehts bei Primeo

Die Zielankunft in Arlesheim war aber längst nicht nur etwas für eingefleischte Radsportfans. Die Organisatoren machten daraus ein grosses Volksfest mit Unterhaltung für Gross und Klein und einer Gewerbeausstellung.

Als die meisten Fahrer bereits auf der Massagebank lagen, wurde im Industriegebiet im Tal noch lange gefeiert. Dabei durfte auch erst mal richtig begutachtet werden, was man von der Werbekolonne alles erobern konnte. Diese wird oftmals genauso mit Begeisterung empfangen wie die Helden der Strasse selber.

Heute startet der Tour-de-Suisse-Tross auf dem Gelände der Primeo Energie – ehemals EBM – in Münchenstein. Ein Etappenstart bietet noch mehr die Möglichkeit, den Profis und dem ganzen Drumherum näher zu kommen. Um zehn Uhr öffnet eine Ausstellung. Kurz nach elf Uhr schreiben sich die Fahrer für den Tag ein. Startschuss ist um 12.25 Uhr. Via Zofingen und Sursee geht für die ganze Karawane aus dem Baselbiet weiter nach Einsiedeln.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1