Strafgericht

Hat der Bewohner das Feuer selbst gelegt? 51-Jähriger steht vor Gericht

In diesem Fachwerkhaus brannte der Dachstuhl völlig aus. Zum Glück wurde niemand verletzt.

In diesem Fachwerkhaus brannte der Dachstuhl völlig aus. Zum Glück wurde niemand verletzt.

Nach dem Brand eines Allschwiler Fachwerkhauses steht ein verschuldeter IT-Berater wegen Versicherungsbetrugs vor Gericht.

Schon während der Löscharbeiten drängte sich der Verdacht einer Brandstiftung auf: Vor genau drei Jahren brannte im Allschwiler Dorfkern ein Fachwerkhaus, Brandherde befanden sich sowohl im Keller wie auch im Dachgeschoss. Der Dachstuhl brannte vollständig aus, zum Glück wurde niemand verletzt. Die Gebäudeversicherung geht von einem Schaden von über 240'000 Franken aus.

Seit gestern Montag muss sich der damalige Mieter des Doppeleinfamilienhauses vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz verantworten: Die Staatsanwaltschaft hat ihn wegen Brandstiftung angeklagt. Der 51-jährige IT-Berater beteuert allerdings, er habe damit nichts zu tun. Er ist nicht vorbestraft, war damals allerdings psychisch angeschlagen und medikamentenabhängig. Inzwischen wohnt er zwangsläufig woanders.

Verdächtiger Abfallsack mit Zeitungsschnipseln

Bereits einige Monate zuvor hatte er Anzeige erstattet, weil jemand in seinem Keller Kleidungsstücke angezündet haben soll. Die Wände waren silberfarbig mit ausländerfeindlichen Parolen beschmiert, «DAS nächste Mal brenNt Dein HAUS», stand auf der Waschmaschine, die Buchstaben waren aus Zeitungen ausgeschnitten. Der Mann stammt aus Südafrika, lebt aber schon lange in der Schweiz. Die Ermittlungen liefen ins Leere.

Nach dem Grossbrand im August fiel der Polizei allerdings ein Abfallsack des Mannes auf, in dem man Zeitungsüberreste fand, aus denen eindeutig fünf Monate zuvor der Drohbrief zusammengeschnipselt worden war. Auch Schuhe mit silbernen Farbflecken lagen im Abfall, die Farbe passt zu den Wandschmierereien. Einbruchsspuren an dem Haus gab es nie.

Für die Staatsanwaltschaft ist klar, dass der Mann die Schmierereien selbst inszeniert und auch den Grossbrand im August 2016 selbst gelegt hat. Als Motiv sieht sie finanzielle Probleme: Der Mann hatte Schulden von über 100'000 Franken. Nach dem Brand meldete er der Hausratversicherung einen angeblichen Schaden von 1,6 Millionen Franken aus geistigem Eigentum.

Teure Gibson-Gitarre tauchte unversehrt auf

Computer wie auch einige Festplatten fand man allerdings unbeschädigt und sauber aufgereiht auf einem Tisch. Der Mann dankte nach dem Grossbrand der Feuerwehr, dass sie die wertvollen Rechner dorthin gestellt und damit vor den Flammen geschützt habe. Die Feuerwehrleute hingegen betonten, sie haben die Rechner nicht angerührt, aus Sicherheitsgründen hätten sie während des Brandes gar nicht in die oberen Stockwerke gehen können. Die Versicherung bezahlte lediglich 9800 Franken aus, zumal der Mann den Hausrat nur für insgesamt 145'000 Franken versichert hatte. Fragen warf auch eine teure Gibson-Gitarre auf, die der Mann als Schaden angemeldet, danach aber offenbar unversehrt seinem Sohn geschenkt hatte.

Staatsanwältin Silvia Schweizer forderte für den Mann eine unbedingte Freiheitsstrafe von vier Jahren wegen Brandstiftung und Versicherungsbetruges. «Wäre die Feuerwehr nicht so schnell gekommen, wäre wohl das ganze Haus niedergebrannt und das Feuer hätte im eng bebauten Dorfkern auf die Nachbarliegenschaften übergegriffen», so Schweizer.

100'000 Franken Schulden «nicht so ein Drama»

Verteidiger Matthias Aeberli hingegen forderte einen Freispruch. «Mein Mandant ist ein intelligenter Mensch, er hat einen Bachelor in Chemie und Mathematik. Wenn man eine Brandstiftung und einen Betrug plant, geht man nicht derart dilettantisch vor und bewahrt monatelang verdächtige Sachen im Abfallsack auf». Es gebe andere Tatverdächtige, etwa ein ehemaliger Untermieter, der just an jenem Abend vorbeigekommen sei, oder etwa auch die Vermieterin.

Auch generiere sein Mandant ein Monatseinkommen von 10'000 Franken, da seien Schulden von 100'000 Franken «nicht so ein Drama», sagte Aeberli. Und schliesslich habe der Mann in jener Nacht damit rechnen müssen, dass sein Sohn jede Minute aus dem Ausgang zurückkomme. Die drei Richter fällen ihr Urteil am Dienstag.

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