Der Landbasler

Heb Sorg zum Baselbiet

Die beliebten «Willkommen im Baselbiet»-Schilder

Die beliebten «Willkommen im Baselbiet»-Schilder

Der Landbasler liebt nicht nur das Baselbiet, sondern auch die Stadt Basel. Doch Klischees trüben das gute Verhältnis zwischen Städter und Landschäftlern. Es würde beiden guttun von diesen Vorurteilen abzusehen.

Analog zum Glaibasler Mahnfinger will ich das Grossbaselbiet ins Spiel bringen. Das geht so, wenn es auch verquer ist: Als einer, der kein verkleideter Landjunker sein will, gehöre ich zu jenen, die sowohl das Baselbiet als auch die Stadt Basel lieben. Die Städter sind da zwar etwas eigen. Doch ich verstehe sie durchaus, denn wieder einmal ist sich die Region uneins. Armes Land, reiche Stadt, ungute Bekümmertheit und elitäres Muskelspiel. Klischees? Sicher, aber man muss wissen, in welcher Liga man spielen will. Partnerschaft, hallo, wo bist du?

Baselland ist kein knechtisches Cowboyland mehr. Das wäre nichts für stämmige liberale Kerle und ländliche Rebellen. Wirtschaftlich geht es ja, aber die städtischen Säle der subventionierten Theater und Orchester wären ohne uns mehr als halbleer. Trostlos wäre das und ergäbe ein tristes Bild von der Kulturstadt Basel. Trotzdem bleibt ein Rest von humorlosen Snobisten, die der alten Untertanendoktrin nachtrauern. Ziemlich bescheuert. Demnach hätten Baselbieter zu sein: Bescheiden im Auftreten, zögernd im Handeln («Mir wei luege»), wortkarg im Gespräch («muuchig» im Dialekt), und beschränkt in feiner Lebensart. Dazu komme jene Bauernschlauheit, die nur darauf abziele, die Städter über den Tisch zu ziehen.

Das ist blanker Unsinn. Klischees auch das. Die ganze Mottenkiste davon ist der Müllabfuhr in Bebbisäcken mitzugeben. Dem falschen Image widersprechen auch jene Landschäftler Politiker, die forsch und fordernd in Basel auftreten. Die Finanzmisere will bewältigt sein, denn in diesem Bereich liegt der Landkanton darnieder. Basel hilf! Und verzichte gleichzeitig auf unsere spärlichen Batzen. Nur müssen sich Behörden und Parteien wie Baron Münchhausen an den eigenen Haaren wieder aus dem Sumpfe ziehen. Umdenken gilt für alle. Die Bevölkerung, die sich im Wohlstandskokon bequem eingekuschelt hatte, bleibt misstrauisch gegenüber Sparmassnahmen. Wir werden das blaue Wunder erleben, wenn höhere Abgaben und versteckte neue Steuern unsere Geldsäckel plündern.

Trotzdem sing ich weiter fröhlich das Hohelied des Baselbieter-Seins, unaufgeregt und mit dem wachen Auge des unweisen Alten, der weiss, was es geschlagen hat. Mich wundert, dass ich keine Wunden auf der Seele habe. Ich bin auch keineswegs der Schreibkünstler, der vom Weltschmerz befallen ist. Diese Marotte überlass ich gern den Städtern. Einige sind dauernd am Schaulaufen, aber so verknorzt und falsch in der Spur, dass es bis ins «hintere Baselland» quietscht. Das ist nicht galant. Nicht jeder weiss mit der spitzen Feder so umzugehen wie Niklaus Meienberg. Da ist einfach mehr Substanz drin, auch wenn er uns arme Seelen ganz schön in die Pfanne hauen konnte. Selber haue ich nur Spiegeleier in die Pfanne, Gipfel meiner Kochkunst. Fragen Sie meine Frau und lesen Sie weiter die Kolumne des spleenigen Landbaslers und smarten Bonvivants. Heitere Abgeklärtheit und der Stil des Gentlemans von Welt ergänzen gut den geerdeten, aber nie unterwürfigen Baselbieter. Dänk woll!

*Thomas Schweizer ist ein ehemaliger Lehrer am Basler Gymnasium Bäumlihof und heute als Buchautor und Literat tätig. Er lebt in Füllinsdorf.

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