Bei den Baselbieter Grünliberalen ist die Stimmung angespannt. Kantonalpräsident Hector Herzig erklärt im bz-Interview, wie er auf das Ultimatum der CVP reagieren will.

Herr Herzig, die CVP hat Ihrer Partei ein Ultimatum gestellt: Bis Donnerstagabend müssen Sie sich entweder für oder gegen eine Listenverbindung mit der CVP entscheiden. Was stört Sie mehr: das Ultimatum, oder dass sich die CVP vehement gegen die Grünen-Unabhängigen stellt?

Hector Herzig: Wir wollten uns ohnehin bis Donnerstagabend entscheiden. Insofern ist das Ultimatum zwar nicht irrelevant, aber dennoch nebensächlich. Entscheidend ist, dass uns die CVP jetzt vor eine völlig neue Ausgangslage stellt. Wir müssen zurück auf Feld eins.

Was tut die GLP jetzt?

Wir haben drei Möglichkeiten. Erstens: der Alleingang. Dieser bringt aber keinem etwas. Dann sind unsere Stimmen wie jene der EVP verloren. Zweitens: die Listenverbindung mit der CVP und BDP. Drittens: die Listenverbindung mit der GU. Rein arithmetisch ist ein Zusammengehen mit der GU spannender als mit CVP und BDP.

Weshalb?

Zusammen mit der CVP können wir nur den Sitz von Elisabeth Schneider-Schneiter sichern helfen. Mit der GU haben wir realistische Aussichten auf kumuliert 7,5 Prozent, und dann sind wir bei der Verteilung der Restmandate bei den Leuten. Aber es können jetzt nicht nur kurzfristige Überlegungen im Vordergrund stehen, die der Partei längerfristig schaden. Es gilt jetzt, einen intelligenten Entscheid zu fällen - ohne Wut im Bauch und allfällige Rachegedanken gegenüber der CVP.

Hat Sie der CVP-Entscheid überrascht?

Vor einer Woche hätte ich die Chancen für das Zustandekommen des grossen Mitte-Bündnisses mit CVP, BDP, GLP und GU noch auf 50:50 geschätzt. Das Zusammengehen mit der GU war ja von Anfang an ein Thema, das wusste auch die CVP. Aber es war uns natürlich bewusst, dass eine Listenverbindung mit der GU sowohl für CVP als auch für die BDP einen schwierigen Entscheid darstellt.

Die CVP argumentiert vor allem mit der Glaubwürdigkeit gegenüber der eigenen Parteilinie. Die EVP hat aus demselben Grund den Alleingang beschlossen. Können Sie die Haltung Ihrer früheren Mitte-Partner nachvollziehen?

Ich verstehe diese Haltung nicht. Wir haben ein Wahlgesetz, das den kleineren Parteien die Möglichkeit gibt, Einfluss auf den Wahlausgang zu nehmen. Wenn eine Partei im Verlauf der vergangenen vier Jahre nicht zu ihrer Parteilinie gefunden hat, dann sind die Nationalratswahlen definitiv der falsche Moment dafür.

Wann entscheidet die GLP definitiv über die Listenverbindungen? Bis Donnerstagabend, wie von der CVP gefordert?

Früher. Wir führen heute Montagabend innerhalb der Spezialkommission, die über die Listenverbindung entscheidet, eine Telefonkonferenz durch, dann informieren wir Vorstand und Parteibasis. Ich gehe davon aus, dass wir am Mittwoch die Öffentlichkeit informieren können, wenn es nicht wieder zu neuen Konstellationen kommt.