Laufen

Heftigster Baselbieter Brand seit Langem: Feuersbrunst zerstört ganzes Industrieareal

In Laufen wütete über mehrere Stunden ein Grossbrand. Ein Industriegebiet fiel den Flammen zum Opfer.

Eigentlich hatten die Freunde vorgehabt, gestern Vormittag in die Ferien zu fahren. Der VW T3, mit dem sie in den nächsten Tage die Schweiz bereisen wollten, stand bereit. Irgendwo an einen der vielen Seen im Land sollte sie der Trip führen.

Jetzt stehen Andy Matter und Joe Kessler vor dem Industriegebiet an der Wahlenstrasse in Laufen. Von ihrem Bus, der sich in einer der Liegenschaften befand, ist nicht mehr viel übrig. Es ist Freitagmorgen kurz nach zehn Uhr, als sie das Ausmass der Zerstörung anschauen. In den vergangenen Stunden hat auf dem Areal ein heftiges Feuer gewütet. Statt in den Urlaub werden die Freunde in den Ausgang gehen und sich den Frust wegtrinken.

Feuerwehrleute aus der ganzen Region im Einsatz

Den Einsatzkräften ist es mittlerweile gelungen, die Flammen unter Kontrolle zu bringen. Rund um das Areal werden die noch immer lodernden Feuersbrünste gelöscht. Mehrere Dächer der Gebäude sind eingestürzt. Am Ortsausgang von Laufen stinkt es stark nach verbranntem Plastik. «Das war eine heftige Sache», sagt der Baselbieter Feuerwehr-Inspektor Werner Stampfli. Der oberste Feuerwehrmann des Kantons Baselland ist genauso im Einsatz wie zahlreiche seiner Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Region. Auf dem Gelände stehen Feuerwehrfahrzeuge aus dem Laufental, aus dem angrenzenden Solothurner Thierstein und aus Basel-Stadt. Egal wen man fragt: Ein derart verheerendes Feuer hat bisher kaum jemand gesehen.

Das Interesse der Bevölkerung am Grossbrand ist gross. Die Rauchwolken aus den Gebäuden sind aus weiter Entfernung zu sehen. Neben den Direktbetroffenen hat es auf dem Areal auch einige Schaulustige. Roland Walter, Mediensprecher der Baselbieter Polizei, beantwortet die Fragen der zahlreichen Journalistinnen und Journalisten. Er gibt Auskunft über den Verlauf des Brandes und die Arbeit der Einsatzkräfte: Kurz nach drei Uhr in der Nacht sei bei der Polizei die Meldung über einen Brand an der Laufner Wahlenstrasse eingegangen. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte hätten die Flammen bereits auf weitere Gebäudeteile übergegriffen. Aufgrund der verschachtelten Gebäudestruktur habe sich die Brandbekämpfung als Herausforderung erwiesen.

In den Liegenschaften waren viele Autos und Töffs

Auf der Wahlenstrasse liegen viele Schläuche, durch die Wasser fliesst. Selbst aus der Birs musste abgepumpt werden, um den Brand zu löschen. Eine Pöstlerin fährt zum Ärger eines Polizisten mit ihrem Roller über einen der Schläuche. Vor dem Areal spricht ein Mobiliar-Mitarbeiter mit den Inhabern der Betriebe, die in den Liegenschaften untergebracht waren. Auf dem Schild vor dem Industriegebiet sind rund 20 Unternehmen aufgeführt. In den zerstörten Räumlichkeiten befanden sich unter anderem mehrere Autogaragen, eine Hobbywerkstatt und ein Motorradgeschäft.

«Alles ist kaputt», sagt Michel Schmidlin, der hier eine Garage führte. Nebenan betrieb Geschäftsführer Dave Manera die Garage Cardream. «Eine komplett eingerichtete Werkstatt und viele Autos sind zerstört», stellt der Inhaber nüchtern fest. Mit seinen drei Mitarbeitern spricht er bereits darüber, wo in der Region leere Industrieanlagen vorhanden sind, in die man ziehen könnte. «Wir lassen uns nicht unterkriegen. Wir machen weiter.»

Hunderte tote Fische wegen kontaminiertem Wasser

Zwischen den vielen Polizisten und Feuerwehrleuten erblickt man auch Mitarbeiter der ABC-Wehr, die untersuchen, ob Giftstoffe ausgetreten sind. Auch wenn es auf dem Gelände unangenehm riecht, bleiben die Untersuchungen nach giftigen Substanzen negativ. Weniger Glück hatten hingegen Fische im nahe gelegenen Wahlenbach. «Rund ein Dutzend Forellen und Hunderte Groppen sind verendet, weil kontaminiertes Löschwasser in den Wahlenbach geflossen ist», sagt Katja Jutzi, Generalsekretärin der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion. Trotz der hohen Sachschäden wurde niemand beim Grossbrand verletzt.

Über die Ursache des Brandes möchten die Direktbetroffenen vor Ort nicht spekulieren. Die Chance, dass sie es bald wissen werden, ist intakt. Die Ermittlungsarbeiten der Behörden auf dem weiträumigen Gelände laufen. Bis am Freitagabend blieb die Ursache noch unbekannt. Gut möglich aber, dass schon bald Gewissheit herrscht, wer für das Inferno von Laufen verantwortlich ist.

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