Datenschutz

Heikle Umfrage des Baselbieter Personalamts alarmiert Datenschützer

Das Personalamt lässt Mitarbeitende eine Online-Umfrage zu ihrer Ausbildung ausfüllen. Dass das auf einem privaten Dienst-Anbieter passiert, könnte eine heikle Situation für den Datenschutz sein. Der Datenschützer ist alarmiert.

Das kantonale Personalamt will herausfinden, welche Höchstausbildung die Mitarbeitenden der Verwaltung besitzen. Per Massenbrief ruft es deshalb die Mitarbeitenden auf, an einer Online-Umfrage teilzunehmen. Dabei sollen die Angestellten ihre höchste abgeschlossene Ausbildung angeben. Mittels eines Zahlencodes können sie sich registrieren und die Fragen beantworten. Gemäss dem Brief werden zwar die abgeschlossenen Ausbildungen zu Beginn des Arbeitsverhältnisses erfasst. Mitarbeitende können aber nach ihrer Anstellung weitere Ausbildungen abschliessen, die dann nicht systematisch ergänzt werden. Das will man mit der Befragung nachholen.

Sicherheitsdirektion nicht glücklich über diese Aktion

Doch diese Umfrage hat innerhalb der Verwaltung für Unmut gesorgt. Denn die Webseite, die benutzt wurde, ist keine gesicherte Plattform auf dem Verwaltungsserver, sondern eine gewöhnliche Umfrage-Webseite eines Online-Anbieters. Adrian Baumgartner, Mediensprecher der Sicherheitsdirektion (SID), ist «erstaunt, dass wir persönliche Angaben auf einem Nicht-BL-Server erfassen sollen.» Der Brief der Verwaltung liegt der bz vor. Wir konnten auf die Webseite gelangen und mit einem beliebig eingegebenen Zahlencode an der Umfrage «teilnehmen».

Für Adrian Baumgartner stellt sich unter anderem die Frage des Datenschutzes: Sind die persönlichen Daten der Angestellten, auch wenn es sich bloss um ihr Ausbildungsniveau handelt, auf dieser Webseite sicher? Dabei laufe derzeit eine kantonsweite Sensibilisierungskampagne zum Thema Cybercrime. «Seid misstrauisch!», lautet der Aufruf. Für Baumgartner steht die Umfrage im Widerspruch zur Aufforderung der Sicherheitsdirektion, bewusst mit Daten umzugehen. Auch wurde scheinbar die Aktion des Personalamtes nicht mit anderen Abteilungen wie der Informatik respektive Informationssicherheit abgesprochen. Adrian Baumgartner sagt: «Wir sind nur beschränkt glücklich über diese Aktion, die keinen koordinierten Eindruck macht.» Die Umfrage steht auch deshalb in der Kritik, weil sie an alle Landratsmitglieder verschickt worden ist. Hanspeter Weibel (SVP), Präsident der Geschäftsprüfungskommission, ärgert sich: «Als ob wir Mitarbeitende des Kantons wären ...»

Der Datenschützer prüft nun die Lage

Der Baselbieter Datenschutzbeauftragte Markus Brönnimann bestätigt, dass die Aktion des Personalamtes nicht vorgängig mit seinem Team besprochen worden ist. Ob es heikel ist, beim gewählten Online-Anbieter Umfragen zu führen, muss er noch prüfen. «Wenn sichergestellt ist, dass die Informationen nicht auf die einzelnen Personen zurückgeführt werden können, kann das grundsätzlich bei einem externen Anbieter gemacht werden.» In diesem Fall ermöglicht der personalisierte Zahlencode eine gewisse Pseudo-Anonymisierung beim Anbieter. Es sei aber unter Umständen möglich, die Identität der Umfrage-Teilnehmer dennoch herauszufinden. Ob das hier der Fall ist, kann Brönnimann noch nicht sagen.

Das Personalamt ist der Meinung, die Umfrage im Vorfeld mit den «relevanten Personen der kantonalen Verwaltung» besprochen zu haben, wie dessen Leiter Markus Lüthy erklärt. Auf weitere Fragen dieser Zeitung ging er nicht ein. Die Umfrage ist noch online und läuft bis Ende November. Sowohl das Personalamt wie auch der Datenschützer bestätigen, miteinander im Austausch zu stehen.

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