Liestal

Heimatschutz kritisiert geplantes Hochhaus am Bahnhof

Stein des Anstosses: Das geplante Hochhaus am Bahnhof (links), das in Liestal alles überragen wird.

Stein des Anstosses: Das geplante Hochhaus am Bahnhof (links), das in Liestal alles überragen wird.

Die Planung rund um den neuen Liestaler Bahnhof ist ein Schrittchen weiter: Vor kurzem ist das Mitwirkungsverfahren gestartet. Dieses rückt nun das auf 57 Meter veranschlagte Hochhaus der SBB ins Zentrum. Dieses erntet Kritik vom Baselbieter Heimatschutz.

Liestaler Politiker aus allen Parteien waren in der bz vor drei Wochen des Lobes voll über die neue Bahnhofsplanung. Doch ausserhalb der Politik herrscht grössere Skepsis, wie der öffentliche Informationsanlass als Auftakt zum Mitwirkungsverfahren letzte Woche zeigte. Wobei sich die Skepsis nicht gegen den eigentlichen Bahnhof richtet, sondern gegen das im gleichen Quartierplan-Perimeter vorgesehene Hochhaus am Ende des Emma-Herwegh-Platzes.

So äussert der Liestaler alt Stadtrat Ruedi Riesen, heute Präsident des Baselbieter Heimatschutzes, grundsätzliche Kritik am planerischen Vorgehen: «Die Eurocity-Testplanung von 2002 von Christ & Gantenbein zeigte die gesamte städtebauliche Situation rund um den Bahnhof. Das wird jetzt durchbrochen mit einem Zufallsperimeter. Die Hochhäuser am Bahnhof gehören in einen separaten, vom Bahnhof getrennten Quartierplan.» Damit zielt Riesen darauf, dass die damalige Testplanung mehrere Hochhäuser vorsah, jetzt aber eines isoliert in die Bahnhofsplanung transferiert wurde. Riesen: «Die SBB haben die Vorgaben des Architekturwettbewerbs sehr eingeengt und die Kuben genau gesetzt.» Am vorgesehenen, 57 Meter hohen Hochhaus kritisiert Riesen, dass es städtebaulich ungeschickt und zufällig sei und die Kantonsbibliothek verunstalte. Riesen betont aber: «Der Heimatschutz ist für Verdichtung und nicht gegen Hochhäuser. Der Planungsprozess läuft jedoch falsch.»

Aus Leuchtturm wird Lagerfeuer

Auch Kantonsbibliothekar Gerhard Matter ist alles andere als erfreut über die Planung und zittert um sein bauliches Juwel: «Die Bibliothek verschwindet hinter dem siebenstöckigen Annexbau zum Bahnhof und dem 25-stöckigen Hochhaus völlig. Aus dem bisherigen Leuchtturm wird ein verstecktes Lagerfeuer.» Das Hochhaus entspreche überhaupt nicht der Fortführung der gewachsenen Strukturen, wie es im Planungsdeutsch so schön heisse. Er werde sich nun betreffend Eingabe mit dem Hochbauamt absprechen, sagt Matter. Andere kritisieren, dass Hochhäuser auf den Talgrund gehörten und nicht auf die Höhe des Bahnhofs. Und etliche bemängeln, dass das Mitwirkungsverfahren, das am 10. Juni enden soll, viel zu kurz bemessen sei für so eine komplexe Planung.

Dieser Teil der Kritik stösst beim Stadtrat auf offene Ohren. So sagt der federführende Franz Kaufmann, dass der Stadtrat das Mitwirkungsverfahren bis Ende Juni verlängere. Die Eingaben fliessen dann wie üblich in einen Mitwirkungsbericht mit Stellungnahme der Behörden. Es sei gut möglich, so gesteht Kaufmann im Weitern zu, dass man schon aufgrund der Mitwirkung beim Volumen des Hochhauses korrigieren werde.

Kaum etwas ändern wird der Stadtrat aber am Planungsperimeter, wie es der Heimatschutz verlangt. Kaufmann betont, was er bereits am Informationsanlass sagte: «Die SBB wollen ein gewisses Volumen. Wenn sie uns einen neuen Bahnhof hinstellen, wir das Volumen aber nicht dort wollen, müssen wir ihnen eine Alternative zugestehen. Und das ist das Baufeld A mit dem Hochhaus.» Auf dem Quartierplan-Modell sei jetzt eine Mantelhülle zu sehen, worin die geforderten Flächen Platz fänden. Doch damit sei das Hochhaus noch nicht vorgegeben, der Bau könne auch länger und dafür niedriger werden.

Bezüglich des ungewöhnlichen Planungsablaufs, zuerst einen Architekturwettbewerb für den Bahnhof zu starten, dann das Quartierplanverfahren durchzuführen und erst danach den Wettbewerb fürs Hochhaus, das auch zum Quartierplan gehört, zu lancieren, verweist Kaufmann auf den Kanton. Ursprünglich hätten die SBB einen Wettbewerb fürs Ganze ausschreiben wollen, hätten dann aber jenen fürs Hochhaus gestoppt, als die Idee mit dem Kanton als Ankermieter ins Stocken geriet.

Fertige Architektur und Abstraktes

Der Hintergrund: Vor drei Jahren unterzeichneten Regierungsrätin Sabine Pegoraro und SBB-Chef Andreas Meyer eine Absichtserklärung, dass sich der Kanton mit Teilen der Verwaltung – die Rede war von 540 Arbeitsplätzen – bei den SBB am Bahnhof einmieten werde. Im letzten Sommer wurde Kritik aus FDP- und SVP-Kreisen laut, dass die Miete zu teuer sei für den Kanton. Zumindest öffentlich verebbte die Kritik so schnell, wie sie aufgeflammt war. Doch Pegoraros federführende Bau- und Umweltschutzdirektion und die SBB blocken seither alle Nachfragen mit dem Verweis ab, dass es um laufende Verhandlungen gehe. Zu dieser Planungssituation sagt Kaufmann: «Die Schwierigkeit beim jetzigen Quartierplanverfahren ist, dass man einerseits mit dem Bahnhof fertige Architektur, andererseits mit dem Hochhaus nur etwas Abstraktes zu beurteilen hat.»

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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