Heimplätze

Heimplätze: In den Baselbieter Heimen wird es eng

Es wird eng in den Baselbieter  Heimen. (Symbolbild)

Es wird eng in den Baselbieter Heimen. (Symbolbild)

Verband warnt vor Engpass, Kommission sieht eher bei Alterswohnungen schwarz. Statt den heute 2700 Plätzen bedürfe es rund 4400 Heimplätze. Alter- und Pflegeheime müssen deshalb ausgebaut werden.

Die Prognose, die der bz vorliegt, ist besorgniserregend: Der Verband der Baselbieter Alters-, Pflege- und Betreuungseinrichtungen (BAP) rechnet damit, dass kantonsweit bis ins Jahr 2025 ganze 40 Prozent mehr Heimplätze benötigt werden. Statt den heute 2700 Plätzen bedürfe es rund 4400. Und schon in drei Jahren erwartet der BAP einen Bedarf von 3100 Betten.

Damit fällt die Prognose des Verbandes deutlich düsterer aus als jene des Kantons. Das Statistische Amt hatte Anfang Jahr in seinem Demografiebericht 2011 erst fürs Jahr 2040 einen Bedarf von 4400 Plätzen vorausgesagt, also ganze 15 Jahre später.

Heimplätze oder Alterswohnungen


«Das ist eine sehr optimistische Schätzung», kommentiert BAP-Geschäftsführer Andi Meyer die Kantonszahlen. Dies sei nur zu erreichen, wenn ambulante Angebote wie Spitex oder Alterstagesstätten massiv ausgebaut würden. Meyer geht dagegen davon aus, dass ein kontinuierlicher Ausbau der Alters- und Pflegeheime nötig ist: «Die Gemeinden sind da zwar dran, und bis 2015 sehe ich keine Überlastung. Doch danach darf kein Schlussstrich gezogen werden.» Damit spricht er die zahlreichen anstehenden oder laufenden Ausbauprojekte im ganzen Baselbiet an, die rund 400 zusätzliche Heimplätze bieten werden.

Die grosse Differenz zwischen Kanton und BAP stammt daher, dass der Kanton damit rechnet, dass in Zukunft nur 17 Prozent der über 80-Jährigen ein Pflegebett in einem Heim benötigen, während der BAP von 21 Prozent ausgeht. Aktuell liegt dieser «Bettenschlüssel» bei 19 Prozent.

«Meyer sieht das Ganze natürlich eher aus der Sicht der Heime», entgegnet Gabriele Marty. Die Leiterin der Abteilung Alter und Gesundheit in der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) zeigt sich zwar optimistischer, gibt aber auch zu: «Meyer ist ein ausgewiesener Fachmann.» Marty räumt der Zunahme der gesunden Jahre im Alter sowie den Trends zu altersgerechtem Wohnungsbau und dem Wohnen mit Pflegeleistungen ein höheres Gewicht ein. Dies soll den Bedarf im Heim senken. Das sieht auch SVP-Landrat Peter Brodbeck so. Der Präsident der Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission sagt klar: «Anstatt Heimplätze ist es dringlicher, Alterswohnungen zu fördern.» Dort sehe er nämlich die grösseren Probleme auf Kanton und Gemeinden zukommen. Es fehle an gefestigten Strukturen - und eventuell auch an genügend Bauland. «Ich sehe die Möglichkeiten bei meiner eigenen Mutter. Sie wird 94 und wohnt noch immer in einer Alterssiedlung. Auch mit intensiver Spitex-Betreuung zahlt sie wohl nur halb so viel, wie wenn sie in einem Heim lebte.» Vom Kanton erhofft sich Brodbeck, dass das neue Altersleitbild, das Ende Jahr dem Landrat vorgelegt wird, für mehr Klarheit sorgt.

Schönthal mit Grossprojekt

«Die Direktion Zwick hat sich in den vergangenen Jahren nicht unbedingt durch eine profilierte Alterspolitik ausgezeichnet», zeigt sich dagegen René Gröflin skeptisch. Der Stiftungsratspräsident des Alters- und Pflegeheims Schönthal in Füllinsdorf stützt die Prognose des BAP. Im Schönthal werde es bereits knapp, für die 82 Betten gebe es eine Warteliste von rund 40 Personen. «Spätestens in fünf bis sieben Jahren wird es problematisch.» Gröflin ist überzeugt, dass zur Lösung des Problems neue Wege beschritten werden müssen. So plant das Schönthal eine extern finanzierte Alterswohnsiedlung in der Nähe, um Synergien nutzen zu können. «Das ist eine Marktlücke», sagt Gröflin zur bz.

Die Kritik an Regierungsrat Peter Zwick und seiner VGD kann Marty nicht nachvollziehen: «Der Kanton unterstützt die Gemeinden stärker als früher. Meine Abteilung gibt es beispielsweise erst seit knapp einem Jahr.»

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