Gastronomie

Heizpilze in Baselbieter Beizen: Nichts als heisse Luft?

Diesen Winter sollen Baselbieter Wirte Heizpilze nutzen dürfen.

Diesen Winter sollen Baselbieter Wirte Heizpilze nutzen dürfen.

Die Regierung muss über Heizungen im Freien entscheiden – doch wie sinnvoll diese im Baselbiet sind, ist fraglich.

Es war das Thema, das an der vergangenen Landratssitzung vom Donnerstag für die meisten Diskussionen sorgte: Gasbetriebene Heizpilze, die Gastro-, Hotel- und Eventbetriebe vor dem kommenden Coronawinter retten sollen. Mit einem dringlichen Postulat forderte FDP-Landrat Balz Stückelberger vom Regierungsrat eine generelle Ausnahmebewilligung für Heizungen im Freien. Einen Bericht stellt die Regierung bis Ende Oktober in Aussicht.

Im Stadtkanton kam die Forderung nach Heizstrahlern bereits eine Woche zuvor auf. Und dort scheinen diese durchaus sinnvoll: In den Flaniermeilen der Stadt dürften die Heizungen auch im Winter dazu einladen, in Cafés, Restaurants oder Bars draussen zu verweilen. Doch ist dies auch auf dem Land der Fall? Besteht überhaupt der Wunsch nach Bewilligungen?

Nicht nur die hohle Hand machen

«Natürlich machen Heizpilze an verschiedenen Orten unterschiedlich viel Sinn», sagt Philip Bühler, Co-Präsident von Gastro Baselland und Betriebsleiter des Hotels Bienenberg in Liestal. «Je ländlicher die Gegend, desto weniger würden sie wahrscheinlich gebraucht.»

In einer Dorfbeiz oder einem Landgasthof dürfte die Nachfrage eher klein sein: Sie verfügen meist über genügend Platz im Innern, um auch unter Einhaltung der Schutzmassnahmen genügend Gäste zu empfangen. Zusätzliche Aussensitzplätze benötigen je nach Restaurant mehr Personal, was den Aufwand für die Wirte erhöht. So sagt auch Bühler, dass er im Restaurant Hotel Bienenberg keine Heizungen verwenden würde. «Im Winter will hier niemand draussen sitzen», meint er.

Dennoch unterstützt er die Idee. In Städtchen wie Liestal und Laufen sei sie durchaus sinnvoll. «Es geht darum, dass wir nicht einfach die hohle Hand machen wollen. Wir wollen die Rahmenbedingungen ändern, dass Wirte die coronabedingten Einbrüche wieder aufholen können.»

«Man macht eine viel zu grosse Sache daraus»

Fabienne Ballmer, ebenfalls Co-Präsidentin von Gastro Baselland, sieht dies ähnlich. «Jetzt kommt die Zeit, in der es kalt und in den Restaurants eng wird. Wirte sollen die Chance haben, trotzdem Umsätze zu generieren.» Ob die Gastgeber von der Option Gebrauch machen wollen oder nicht, liege schliesslich in der Eigenverantwortung.

Zur Debatte im Landrat findet Ballmer: «Man macht eine viel zu grosse Sache daraus. Es wäre ja zeitlich begrenzt.» Im Stadtkanton wurde bereits eine Bewilligung ausgesprochen, jedoch nur für Elektroheizkörper und nicht für die klimaschädlichen Heizpilze. «Auf dem Land ist das aber nicht für alle eine Option», so Ballmer. Sie nennt als Beispiel Wirte, die wegen Corona auf Caterings im Wald oder anderen Plätzen in der Natur ausweichen und dort keinen Zugang zu Strom haben. «Da wäre Gas eine gute Alternative.» Denn: «Fast alle haben einen Gasgrill im Garten, da sagt auch niemand etwas.»

Nicht alle Beizer wollen die Heizpilze

Wie Philip Bühler im Restaurant des Hotels Bienenberg würde auch Christoph Kern, Geschäftsführer des Cafés Kern in Laufen, auf den Einsatz von Heizungen verzichten – obwohl sein Betrieb mitten im Stedtli zu finden ist. «Ich glaube einfach nicht, dass das die Zukunft ist», sagt er auf Anfrage. «Einerseits finde ich Heizpilze ökologisch alles andere als sinnvoll, andererseits ist unser Aussensitzplatz nicht geeignet.» Seiner Meinung nach bräuchte es einen schönen, sonnigen Platz, damit Gäste sich draussen hinsetzen wollen. «In der Stadt oder in den Bergen, wo man die Aussicht geniesst, geht das vielleicht.»

Auch in der Farnsburg in Liestal sucht man diesen Winter vergebens nach Heizpilzen. «Ich denke nicht, dass das funktionieren würde. Wer will im Winter draussen unter einem Pilzli sein Cordon bleu essen?» fragt Wirt Erdal Koyuncuer. Für Bars könne dies eine gute Idee sein, nicht aber für Restaurants. In der Vergangenheit hat er die offene Terrasse der Farnsburg in eine Art Zelt verwandelt, um sie warm zu halten. Dieses Jahr überlegt er sich, dasselbe mit Holz zu tun: «Wie ein Chalet.» 

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