Baselink-Areal

Herzog & de Meuron verteidigen Alba-Haus: «Gutes Projekt wird torpediert»

Das Alba-Haus als neues Tor zum Bachgraben: Rückansicht mit öffentlichem Park.

Das Alba-Haus als neues Tor zum Bachgraben: Rückansicht mit öffentlichem Park.

Mit dem Referendum gegen ihr Alba-Haus in Allschwil würden die Grünen die Falschen treffen, ist Architekt Pierre de Meuron überzeugt.

«Wir sind über das Anliegen der Grünen stark verwundert», sagt Pierre de Meuron. Der Architekt ist überzeugt: Mit dem Referendum gegen die zwei Gebäude im Rahmen der Quartierplanung Alba im Allschwiler Bachgraben-Areal trifft man die Falschen. «Man will ein gutes Projekt torpedieren. Die Grünen bemängeln die ganze Entwicklung am Bachgraben, insbesondere den Verkehr. Dabei haben wir, neben vielem anderen, genau darauf geachtet.»

Die Grüne Ortspartei hat vergangene Woche angekündigt, das Referendum gegen den Quartierplan Alba zu ergreifen. Das bereits gebildete Komitee befürchtet, dass das Bachgrabengebiet im Verkehr erstickt. Auch stören sich die Exponenten daran, dass sich die Allschwiler Bevölkerung noch nie grundsätzlich dazu habe äussern können, ob sie mit der rasanten Entwicklung im Bachgrabengebiet einverstanden ist oder nicht.

Dank doppelter Bauhöhe bleibt Platz für Bäume

Genau diese Grundsatzfrage stellt sich nun aber gar nicht. Das Referendum betrifft nur eine einzelne Parzelle des Entwicklungsgebiets namens Baselink. Auf ihr sehen Jacques Herzog und Pierre de Meuron als Eigentümer, Investoren, Bauherren und Architekten zwei Hochbauten vor, wobei aktuell nur ein Gebäude realisiert wird: das Alba-Haus an der Ecke Hegenheimermattweg-Lachenstrasse, 40 Meter hoch. Da in der Regelbauweise in jener Zone lediglich 20 Meter vorgesehen sind, wurde ein Quartierplan notwendig. Gegen diesen Quartierplan Alba sammeln die Grünen derzeit Unterschriften – für die anderen Baufelder des Masterplans Baselink waren keine Quartierpläne notwendig.

«Wir befolgen den Grundsatz: Baue auf dem Gebauten. Wenn wir 40 Meter hoch bauen dürfen, können wir an anderer Stelle Flächen frei lassen», sagt Pierre de Meuron zur bz. «So bleibt etwa Platz für einen öffentlichen Park, und durch den Rücksprung des Gebäudes entsteht ein geräumiger, lebendiger Platz.» Bei der Konzeption des Baselink-Areals sei von Beginn an auf einen möglichst tiefen Anteil des motorisierten Individualverkehrs (MIV) gesetzt worden, sagt de Meuron. Auf zwei der 16 Baufelder werden Parkhäuser erstellt, die Arealnutzer sind verpflichtet, in ihnen Parkflächen zu beziehen. «Wenn der Quartierplan abgelehnt wird, entfällt also kein einziger Parkplatz.»

Quartierzentrum für den alltäglichen Bedarf

Für das Alba-Vorhaben gründeten Herzog und de Meuron die JP Bachgraben AG. Sie habe die Abklärungen initiiert, ergänzt de Meuron, wie die rechtlichen Vorgaben so angepasst werden könnten, damit weniger Parkplätze geschaffen werden müssen. Ein weiteres Anliegen: Die Werktätigen sollen möglichst mit dem Zweirad zur Arbeit fahren. 340 gedeckte Veloparkplätze samt Garderoben und Duschen sind vorgesehen.

Das Alba-Haus ist für Büronutzung konzipiert. Im Erd- und im ersten Obergeschoss sollen eine Kita, eine Velowerkstatt, eine Apotheke, eine Bank und weiteres zu finden sein. «Wir planen das Gebäude als eine Art Quartierzentrum für den alltäglichen Bedarf aller im Baselink Tätigen», sagt Pierre de Meuron. «Das ergibt kurze Wege innerhalb des Areals, und das spart wiederum Fahrten.»

Lokales Gewerbe könnte sich vergünstigt einmieten

Der Allschwiler Gemeinderat sprach sich bereits gegen das Referendum aus. Im Alba-Haus gebe es vergünstigte Mieten für lokale KMU, sagte Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli (FDP) vergangene Woche zur bz. Das entfalle ohne Quartierplan. Für die JP Bachgraben würde ein Nein zum Quartierplan bedeuten: Weiter bauen. Einfach nur halb so hoch. Eine gültige Baubewilligung liegt vor, Baustart war im vergangenen Juli.

Pierre de Meuron sagt, man plane mit der Überbauung eine lebendige Arbeitswelt, einen Ort mit viel Grün und kurzen Wegen. «Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie man gegen so etwas sein kann?»

«Sind wir im Grunde genommen gar nicht», sagt Ueli Keller, Grünen-Einwohnerrat und geistiger Urheber des Referendums. «Das Projekt hat durchaus gute Aspekte. Der Quartierplan ist aber der einzige Ort, wo wir politisch den Hebel ansetzen können.» Für Keller steht fest: «Die Entwicklung im Bachgraben wächst Allschwil über den Kopf.»

Dass das Referendum kein einziges neues Gebäude in Allschwils Norden verhindern kann, ist auch dem Komitee bewusst. Der Baselink-Bebauungsplan stammt von 2009, eingezont worden ist das Bachgraben-Gebiet vor Jahrzehnten.

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