Die Liestaler Beizenszene ist in Bewegung wie kaum je zuvor. Und glaubt man der brodelnden Gerüchteküche über bevorstehende Änderungen, so wird das Karussell munter weiterdrehen. Enrique Marlés, Präsident von Gastro Baselland, hat «keine logische Erklärung» dafür. Für ihn ist die Beizendichte in Liestal «gesund». Generell sei aber zu beobachten, dass Restaurants immer wieder von Wechseln betroffen seien, deren Lage und Konzept nicht passten oder deren Mietzinse zu hoch seien. Und auch als Grundregel gilt gemäss Marlés: «Ein einmal heruntergefahrenes Restaurant wieder hinaufzufahren, ist sehr schwierig, ausser der Wirt ist sehr charismatisch.»

Liestal erhält erste Sushi-Bar

Einen solchen charismatischen Glücksfall erlebt Liestal wohl am prominentesten gelegene Café direkt neben dem Rathaus mit dem neuen Namen «Angolo Dolce». Wobei es die Vorgängerin nicht heruntergefahren, sondern aufgebaut hatte, im Herbst aber Knall auf Fall schloss. Die neuen Gastgeber heissen seit vergangener Woche Enrico Lamano und Rosanna de Marco, beide ausgebildete Gastronomen.

Gestern Nachmittag war das Café mit leichten Speisen und grossem «Dolce»-Angebot sehr gut besetzt, die Stimmung beschwingt, der Grundton italienisch. Der auch perfekt Deutsch sprechende Lamano sagt: «Wir präsentieren Italien und begrüssen jeden Gast auf italienisch.  Wir wollen unsere Herkunft nicht verstecken.»

Lamano, der früher über 30 Jahre in Badisch-Rheinfelden und ein Jahr am Liestaler Bahnhof gewirtet hat, schwärmt: «Unser Café ist bombastisch angelaufen. Wir sind zufrieden, zufrieden und nochmals zufrieden.» Das Duo Lamano/de Marco hat sehr schnell gehandelt: Innerhalb von vier Wochen haben sich die beiden für den neuen Standort entschieden, diesen renoviert und umgestellt. Ein prominenter Liestaler Wirt sagt anerkennend: «Das ‹Angolo-Dolce›-Personal lebt Herzlichkeit vor.»

In Liestal sind aber noch weitere Aufwertungen angesagt. Eine ist derzeit im über Jahre leer gestandenen Café am Wasserturmplatz am Entstehen. Dort verleihen derzeit der in Liestal nicht ganz unbekannte Marcelo Barreto, Betreiber des «Scenario», und sein Partner Carlos Williams ihrem neuen Lokal den letzten Schliff.

Eröffnet werde es im günstigsten Fall Mitte Dezember, vielleicht auch erst im Januar, sagt Barreto: «Wir machen auf, wenn alles perfekt ist. Denn die Leute kommen kaum ein zweites Mal, wenn das erste Mal etwas schief läuft.» An Neugierigen dürfte im einstigen «Wassertürmli» kein Mangel sein: Barreto und Williams bieten im «La Bamba» im Erdgeschoss und im Sommer auf dem Platz davor mexikanische Küche und im «Kyoto» im ersten Stock Liestals erste Sushi-Bar an. Zudem soll im Sommer im Keller eine Disco-Bar eröffnet werden. Auch bei dem hat Barreto Erfahrung, betrieb der gelernte Hotelier früher in seiner Heimat Mexiko doch schon eine Disco. Das «Scenario» an der Burgstrasse behält er bei; es wird zum Tapas-Steakhouse-Restaurant.

Einen gastronomischen Farbtupfer gibt es seit April am Zeughausplatz. Hier betreibt der Chocolatier und Lebensmittelingenieur Daniel Krois seinen «Daniels Gourmet Shop», einen Mix aus barockem Café mit selbstgeröstetem Kaffee und Laden für Schokoladen, Pralinen, Florentiner, Brotaufstriche und «die besten Champagnertruffes». Das alles bereitet er in der Backstube in seinem Wohnhaus im solothurnischen Hägendorf zu. Wieso hat er sein Geschäft gerade in Liestal eröffnet? «Ich wollte in eine Altstadt; infrage kamen Solothurn, Aarau, Liestal und Basel. Meine Frau, die den kreativen Lead hat, hat sich in diese Lokalität verliebt.» Nach harzigem Beginn ist Krois inzwischen zufrieden mit dem Geschäftsgang.

Wieder Wechsel in «Stadtmühle»

Daneben gibt es verschiedene Wechsel in teils gestandenen Liestaler Restaurants zu vermelden. So in der «Stadtmühle», im «Amtshaus», im «Portofino» und im «Pane con Carne». Dabei sind die Ausgangslagen ganz verschieden. So wollen die neuen Betreiber des «Pane con Carne», Martina und Sandro Kamber, zumindest vorerst nichts am erfolgreichen Konzept ihrer Vorgänger ändern, während Ahmet Durmaz in der «Stadtmühle» wieder zur bürgerlichen Küche von einst zurückkehrt. Zudem setzt er auf hausgemachte Teigwaren.

Vor ihm gab sein Verwandter und erfolgreiche «Farnsburg»-Betreiber Erdal Koyuncuer ein kurzes, von April bis Oktober dauerndes Gastspiel im Liestaler Traditionslokal. Koyuncuer sagt mit Blick auf diese Zeit, aber auch generell: «Ohne Laufkundschaft und mit hohen Kosten funktioniert es nicht.»