Regierungswahlen

Hiltmann will mit einer Kandidatur warten, bis ihm Pegoraro Platz macht

Gemeindepräsident Christof Hiltmann in seinem Büro in Birsfelden: Er will die lokalen Probleme lösen, ehe er nach Höherem strebt.

Gemeindepräsident Christof Hiltmann in seinem Büro in Birsfelden: Er will die lokalen Probleme lösen, ehe er nach Höherem strebt.

Der Birsfelder Gemeindepräsident und FDP-Politiker Christof Hiltmann kandidiert im nächsten Jahr nicht für den Regierungsrat – sobald aber die freisinnige Regierungsrätin Sabine Pegoraro zurücktritt, ist mit ihm zu rechnen.

Der Hoffnungsträger will es zunächst einmal ruhig angehen, schliesslich ist er gerade erst Vater einer kleinen Tochter geworden. «Ich werde im nächsten Jahr nicht für den Regierungsrat kandidieren», sagte Christof Hiltmann vergangene Woche zur bz, was gestern auch die «Basler Zeitung» schrieb. Der 42-jährige Birsfelder ist so etwas wie der Shootingstar der Freisinnigen. Erst vor fünf Jahren trat der Ökonom der Ortssektion der FDP bei, und seither hat er erreicht, wofür andere Jahrzehnte brauchen. Er wurde Gemeinderat, ist seit letztem Jahr Birsfelder Gemeindepräsident und wurde 2011 in den Baselbieter Landrat gewählt.

Dass er nun gar als neuer Regierungsrat der FDP gehandelt wurde, ehrt ihn zwar. Doch er ist zu bescheiden, um seine erstaunliche Karriere alleine auf sein Talent zurückzuführen. «Für politische Ämter interessieren sich leider nicht so viele. Da ist es nicht so schwierig, gewählt zu werden.» Grossspurigkeit ist wahrlich nicht Hiltmanns Ding: Selbst als er als junger Kicker den Sprung in die 1.-Liga-Mannschaft Concordia Basels schaffte, machte er sich keine Hoffnungen auf eine grosse Karriere. «Ich spielte mit Murat Yakin in der gleichen Mannschaft. Aber als ich mich mit ihm verglich, da wusste ich: Mir fehlt das nötige Talent.» Yakin sei nicht eine, sondern zwei Klassen besser gewesen.

Keine Baustellen zurücklassen

In der Politik sieht er hingegen eine Zukunft. Irgendwann könne er sich gut vorstellen, Baselbieter Regierungsrat zu werden. Schliesslich sieht er sich selber eher als Exekutiv- denn als Legislativpolitiker. Dort könne man «umsetzen», statt an der Politik nur zu schräubeln, wie es die Parlamentarier machen.

Wer den Birsfelder Gemeindepräsidenten in seinem Büro besucht, bekommt einen Eindruck davon, wie pragmatisch Hiltmann denkt. Kein Firlefanz ziert seinen Bürotisch, und kaum ein Bild hängt an den Wänden. Wenn er argumentiert, dann scheinbar frei von Emotionen. Er ist gegen eine Fusion, weil er glaubt, dass ein fusioniertes Gebilde teurer zu stehen komme – das hätten Zusammenschlüsse immer wieder gezeigt. Und er hält viel von der Milizpolitik, die er in einem fusionierten Kanton gefährdet sähe. Für die Schlammschlacht, in welche die landrätliche Debatte um die Fusion ausartete, hat Hiltmann nur ein Kopfschütteln übrig. Im Herzen sei er ja auch stadtorientiert, sagt Hiltmann. Er hat in Basel studiert, geht an jedes FCB-Spiel. Aber er ist überzeugt, dass der Kanton Baselland seine Finanzen selbst in den Griff bekommen muss – und kann.

Die Unaufgeregtheit könnte ihm dereinst aber auch im Weg stehen. Ein Mann, der die grosse Bühne meidet, hat bei Majorzwahlen für gewöhnlich schlechtere Karten. Und weil er die Aufmerksamkeit im Landrat noch nicht auf sich gezogen hat, sagt FDP-Fraktionspräsident Rolf Richterich: «Ich finde es zwar schade, dass er nicht kandidiert. Wobei: Vielleicht ist es gescheiter, wenn er noch ein bisschen wartet, bis er einen grösseren Rucksack mitbringt.» Jürg Wiedemann, der mit Hiltmann im Birsfelder Gemeinderat sitzt, bedauert hingegen die Nichtkandidatur. Der Grünen-Landrat sagt, er hätte über die konservative finanzpolitische Haltung Hiltmanns hinwegsehen können, wenn er Vorsteher der Bildungsdirektion geworden wäre. Als Bildungsdirektor würde er das Potenzial haben, den «angerichteten Schlamassel» in der Baselbieter Bildungspolitik auszubaden.

Hiltmann behauptet, er habe seine Karriere kaum geplant. «In den Zwanzigern stand mein Leben im Zeichen des Studiums, in den Dreissigern stand der Beruf im Vordergrund. Und nun eben die Politik.» Wer genauer hinschaut, ahnt aber: Was Hiltmann treibt, ist nicht ohne Kalkül. Zusätzlich zu seinem knapp 80-prozentigen Pensum als Gemeindepräsident arbeitet er auch noch 60 Prozent als Projektleiter bei der Syngenta. Macht zusammen: 140 Prozent – und da ist seine Tätigkeit im Landrat nicht mit eingerechnet. Als Regierungsrat wäre er kaum stärker ausgelastet. Viel mehr als an die Familiensituation dürfte der junge Vater gedacht haben: Wenn der Sitz der lang gedienten Magistratin Sabine Pegoraro frei wird, sind die Wahlchancen grösser als jetzt. Dies, zumal sich die bürgerliche Allianz derzeit noch im Tauziehen befindet, ob nun die FDP oder die SVP einen zusätzlichen Kandidaten stellen darf.

Kommt dazu, dass Hiltmann nicht der Typ ist, der Baustellen hinterlässt. In Birsfelden muss Hiltmann nun einerseits auf der Gemeinde Restrukturierungen durchführen, die Entlassungen zur Folge haben. Zum anderen will er eine für Birsfelden akzeptable Weiternutzung des Hafens: Wohnungen an dieser Lage könnten Geld in die leere Kasse spülen. Im Landrat will der begeisterte Hobbysurfer demnächst einen Finger auf die Hafenproblematik legen. Hier fühlt er seine Gemeinde im Stich gelassen. All diese Probleme will er nicht irgendeinem Nachfolger hinterlassen. Wenn sie aber gelöst sind, dann wird man von ihm auf kantonaler Ebene hören – da sind sich auch die politischen Gegner sicher.

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