Himmelbestattung

Himmel als Friedhof: Baselbieter Firma verstreut Toten-Asche in Stratosphäre

Bieten seit Oktober Bestattungen in der Atmosphäre an: Simon Gravschitz (links) und Sacha Belfiglio.

Bieten seit Oktober Bestattungen in der Atmosphäre an: Simon Gravschitz (links) und Sacha Belfiglio.

Ein Firma im Baselbieter Reinach bietet Bestattungen auf 30 000 Metern Höhe an. Die Asche der Verstorbenen wird mit einem Wetterballon in die Stratosphäre transportiert und dort verstreut. Für die Firmeninhaber ist das moderne Bestattungskultur - die Kirchen äussern sich skeptisch.

Die Vorstellung hat was. Auch für Menschen, die nicht an Gott glauben: Nach dem Tod eingeäschert und in 30 000 Metern Höhe verstreut werden. Vom Himmel aus auf die Lieben auf der Erde hinunterblicken.

Das ist seit Kurzem möglich: Im Oktober nahm eine Firma namens «swiss space hub agency» (ssha) mit Sitz in Reinach ihren Betrieb auf. Sie bietet die letzte Ruhestätte in der Stratosphäre an - laut Eigenwerbung als erster und einziger Anbieter weltweit.

Kapsel hängt an Wetterballon

«Dafür braucht es keine Raketen», sagt Simon Gravschitz, einer der beiden Firmeninhaber. Sein Geschäftspartner Sacha Belfiglio erklärt den Ablauf: Ein mit Helium gefüllter Wetterballon bringt eine Styropor-Kapsel in die Stratosphäre - die Luftschicht, aus der Extremsportler Felix Baumgartner sprang. Wenn der Ballon platzt - wegen des Unterdrucks -, öffnet sich ein Fallschirm und die Kapsel springt auf. Die Asche wird in der dünnen Luft verstreut - und kommt teilweise als Regen oder Schnee zurück.

Nicht nur auf Erden, auch im Himmel sind nicht alle Menschen gleich: Die postmortale Reise kostet zwischen 1450 und 10 800 Franken - je nachdem, ob die Asche alleine oder mit der derjenigen von anderen Verstorbenen zusammen abhebt. Oder ob das Verstreuen gefilmt wird.

Schon mehrere Dutzend Flüge hat die ssha von verschiedenen Orten der Schweiz durchgeführt. Zu den Kunden zählen besonders viele Deutsche. Sie stünden mit 40 deutschen Bestattungsämtern in Kontakt, sagt Belfiglio. Diese weichen auf das Ausland aus, weil in Deutschland Friedhofszwang herrscht. Das bedeutet, dass die Asche von Verstorbenen nicht nach Hause mitgenommen werden darf, sondern - mit wenigen Ausnahmen - auf einem Friedhof belassen werden muss.

Ewige Ruhe unter Orangen

In der Schweiz ist das anders. Hier können die Angehörigen einer kremierten Person selber entscheiden, was mit der Asche passiert. Und das Angebot an aussergewöhnlichen Bestattungen nimmt zu. So bietet ein Basler Unternehmen seit Jahren Rheinbestattungen an, und im Baselbiet gibt es mehrere Wald- oder Baumfriedhöfe. Im März berichtete die bz von einem Basler, der Urnenbestattungen im Ausland anbietet. «Ewige Ruhe unter spanischen Orangen», lautete die Schlagzeile.

Die Beispiele zeigen: Bei Bestattungen zeigt der Trend weg vom Friedhof und hin zu «individuellen» Lösungen. Die Landeskirchen beobachten das Treiben auf dem Bestattungsmarkt kritisch. Patrick Schäfli, Informationsbeauftrager der römisch-katholischen Landeskirche Baselland, wünscht sich beim Thema Bestattungen mehr Zurückhaltung. Bei der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt ist kaum denkbar, dass eine Himmelsbestattung, wie sie die ssha anbietet, von einem ihrer Pfarrer begleitet wird. «Der Pfarrer muss sich hinsichtlich des würdigen Ablaufs der Bestattungsfeier sicher sein», sagt Universitätspfarrer Luzius Müller. «Daher sind auch Fluss- oder Baumbestattungen nur in begründeten Ausnahmefällen möglich.» Die reformierte Kirche halte den Friedhof nach wie vor für den richtigen Ort für Bestattungen.

Wandel in der Bestattungskultur

Da sehen Gravschitz und Belfiglio anders: «Wir beobachten einen Wandel in der Bestattungskultur. Das klassische Friedhofsmodell wird immer weniger nachgefragt.» Hinzu kämen die vielen Kirchenaustritte. «Viele Leute wollen sich nicht mehr vorschreiben lassen, was mit ihnen geschieht, nachdem sie gestorben sind», sagt Gravschitz.

Er wie auch sein Partner würden sich übrigens auch im Himmel bestatten lassen - und haben vorgesorgt:. «Wir haben bereits eine entsprechende Erklärung ausgefüllt.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1