Umweltschutz

Hippies oder Ökoaktivisten? Zu Besuch im Basiscamp der Ölhafenblockierer

Ein Besuch bei den Umwelt-Aktivisten, die dafür gesorgt haben, dass der Ölhafen zwei Tage stillliegen wird. Für sie ist es erst der Anfang.

Am Freitag und am Samstag wollen Umweltaktivisten die Tanklager im Birsfelder Hafen und im Muttenzer Auhafen blockieren. Wie die bz gestern publik machte, wird der Ölhafen deswegen geschlossen. Wer sind diese Leute, die allein durch die Ankündigung, den Ölhafen blockieren zu wollen, dafür sorgen, dass dieser zwei Tage komplett geschlossen bleibt? 


Auf dem Camp hängen bunte Transparente mit verschiedenen politischen Forderungen. Auf einem Transparent steht schlicht «bunt». Strohballen, Kissen und Bänke dienen als Sitzgelegenheiten. Das Camp hat ein eigenes Küchenteam, das aus Lebensmitteln, die ansonsten im Abfall gelandet wären, Essen für alle kocht. Morgens gibt es Yoga, abends Konzerte. Dazwischen Workshops, Diskussionen, Bastelnachmittage und sogenannte «Aktionstrainings». Die Stromversorgung wird mit Solarpanels sichergestellt. Das Camp ist die Basis der Climate Games, die am Freitag und Samstag stattfinden sollen.

Unterschiedlichste Teilnehmende


Laut eigenen Aussagen campieren derzeit rund hundert Aktivisten auf dem Areal der Zentrale Pratteln. Diese stellt das Gelände für vorübergehende Nutzungen zur Verfügung. «Mir gefällt, dass für eine Woche nicht nur von Alternativen geredet wird, sondern diese auch gelebt werden», sagt ein Aktivist. Das Climate Camp versteht sich als Bewegung von unten. Es stehen weder Einzelpersonen noch Organisationen oder Parteien im Vordergrund. Deswegen möchte auch niemand seinen Namen in der Zeitung lesen.



«Unsere Bewegung gestaltet sich extrem divers. Von der Studentin über Familien und ältere Leute ist alles dabei. Wir haben Menschen, die sich beruflich mit Klimathemen beschäftigen aber auch solche, die sich zum ersten Mal wirklich damit auseinandersetzen. Es gibt verschiedene Ansichten, für die auch Platz ist. Die Grundhaltung, dass es klima- und sozialpolitisch einen grundsätzlichen Wandel braucht, ist das, was uns zusammenbringt», erklärt eine Campbewohnerin.

Sichergehen, dass der Ölhafen stillliegt


Die Nachricht, dass der Ölhafen am Freitag und Samstag seitens der Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) geschlossen wird, sorgte im Camp für Euphorie. Es sei nicht spekuliert worden, dass das passiert. Trotz allem werden die Aktivisten vor Ort sein. Sie wollen sicher gehen, dass der Ölhafen zwei Tage lang stillliegt.

Eine Konfrontation mit der Polizei sei nicht das Ziel der Aktion. Wie mit einer allfälligen Eskalation umgegangen werden soll, ist Teil des «Aktionstrainings». Gewalt gegen Menschen sei aber nichts, wohinter das Climate Camp stehe.

Doch nicht nur am Hafen wollen die Aktivisten am Wochenende präsent sein: Verschiedenste Aktionen sollen auf ihre Anliegen aufmerksam machen. Am Mittwochnachmittag wurde mit einer Aktion im Rhein auf das aktuelle Fischsterben aufmerksam gemacht.

«produktive Provokation»


Die Blockierung des Hafens verstehe sie als «produktive Provokation», erklärt die Aktivistin. Natürlich handle es sich bei der Aktion um einen symbolpolitischen Akt. Ziel sei es, in die gesellschaftliche Debatte einzugreifen und Öffentlichkeit für ihr Anliegen zu schaffen. Denn dass durch zehn Tage nachhaltiges Campen nicht der grosse gesellschaftliche Wandel herbeigeführt wird, ist den Klimaschützern klar. «Um die aktuelle Politik wirklich infrage zu stellen, bräuchten wir zehn- bis hunderttausende Aktivisten. So gesehen ist es ein kleiner aber wichtiger Schritt auf einem langen Weg», ergänzt ein anderer Aktivist.


Man könne das Anliegen der Aktivisten nachvollziehen, sagt Jelena Dobric, Mediensprecherin der Schweizer Rheinhäfen. Sie verweist aber auch auf die schwindende Bedeutung der Rheinhäfen als Import- und Umschlagplatz für Öl. Die Rheinhäfen stehen bezüglich Freitag und Samstag in regelmässigem Austausch mit der Kantonspolizei. Betreffend allfälligen Massnahmen wollte Dobric aus taktischen Überlegungen keine Auskunft geben.

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